Viertelfinale und vierte Liga

Der Sommerpausen- Marketing- Award geht an… Regionalligist Rot- Weiß Oberhausen. Erst platzierten sie vor dem Turnier das angeblich kolportierte Interesse an und von Ibrahimovic, was einen Wechsel zu RWO angeht. Und nun kurbelten sie mittels Ronaldo und Co. ihren Dauerkartenverkauf an.

Sinngemäß  hieß  es bei RW Oberhausen, wer sich das langwierige Spiel zwischen Kroatien und Portugal anschaut, der könne auch eine Dauerkarte bei RWO abonnieren, denn schlimmer sei ihr Viertliga- Fußball auch nicht.

Mal schauen, ob es am Abend im ersten Viertelfinale über Regionalliga- Niveua hinaus geht 😉 Notfalls sorgen schon die Polen dafür, die natürlich auch ihre Chance darin sehen, erst im Halbfinale auf einen der Großen zu treffen und mit ein wenig Glück… Aber ähnliche Träume dürften auch die Portugiesen haben. Für Ronaldo wäre dies obendrein die wohl letzte Titelchance, jenseits der 30 ist er ja auch schon und der letzte Verbliebene der „Goldenen Generation“ Mitte der Nuller Jahre.

Den Polen hingegen fehlt noch eine Titelchen oder wenigstens ein wenig Sternenstaub, wenn das Wörtchen „Vize“ davor stehen würde. Vielleicht auch Dritter bei einem Turnier. Das Team ist zu mehr fähig als auf ein Spiel beschränkte Erfolge. Im Achtelfinale mußte jedoch das Elfmeterschießen herhalten, aber davon waren ja auch die Portugiesen nur ein paar Minuten entfernt. Ob es wieder ein langer Abend wird? Und ob Rot- Weiß Oberhausen gegen Wiedenbrück spannender wäre? 🙂

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Enttäuschungen

Enttäuschungen verlangen Konsequenzen, so verstehen es und ihren Job ja immer noch ein paar Trainer. Auch bei der EM. Heimlich, still und  leise wurde als Vierzeiler bekannt, daß der rusiische Coach die Verantwortung übernehmen muß für sein enttäuschendes Team.

Englands Roy Hogdson war da wesentlich konsequenter, trat noch ind er Pressekonferenz nach dem Island- Spiel zurück mittels einer offensichtlich vorbereiteten Erklärung, die er dann ablas. Ob er seinem Team wirklich solch eine Vorstellung insgeheim zugetraut hatte? Daß man im Lager der Waliser als einzig verbliebenem britischen Team über den Abgang der großen Nachbarn lästert, versteht sich von selbst.

Und Englands Presse überbietet sich gegenseitig mit Mißfallensäußerungen über das Ausscheiden. Vergleichen – immer gern genommen, immer wieder irrsinnig – die Einwohnerzahlen, um daraus dann die logische Überlegenheit der Three Lions abzuleiten. Was die Niederlage natürlich zu einer noch peinlicheren macht. – Natürlich weiß man auch in England, daß mit der Zeitung vom Morgen schon mittags Fish and Chips verkauft werden. Aber wenn man sich die Kritk querbeet von den seriösen Blättern bis hin zum Boulevard anschaut, dann wünscht man sich auch hierzulande mal eine kritische Gangart mit Löws Mannschaft. Stattdessen bekam man zuletzt Berichte serviert, die auch aus der Presseabteilung des DFB hätten stammen können.

Spanien hingegen verabschiedet seine Tiki- Taka- Mannschaft wohl in die Sportgeschichte. Jahrelang haben sie mit ihrem Kurzpaßspiel begeistert, doch Stars und System sind in die Jahre gekommen. Die dritte EM in Folge zu gewinnen, konnten sie sich abschminken. Wie es mit Trainer del Bosque weiter geht? Das wird wohl – wenn überhaupt – eher der stille Abschied werden.

Hoch im Norden

Eiskalt und mit heißem Herzen, das dafür notwendige Glück auch im Gepäck, machen die Isländer weiterhin ihr Ding. Schicken England mit 2:1 nach Hause – Sensation! – und stehen selbst im Viertelfinale gegen Frankreich. Zuvor aber ist Party in Nizza angesagt bei den unzähligen isländischen Fans, die wahrscheinlich Generationen noch davon zu erzählen wissen werden. Von einem einmaligen Sommer in Frankreich. So wie man damals vom Unentschieden gegen Deutschland erzählte, welches Völler zur Weißglut brachte und dem Waldi (kennt den noch wer?) einen Weißbier- Werbevertrag.

Englands Trainer Hogdson geht indes nicht in die Werbung, sondern legte einer Stunde nach der Schmach seinen Job nieder. Konsequent und dennoch schade, denn diese Engländer zeigetn immer mal wieder, weshalb sie auf manchen Zetteln als Geheimfavorit gestanden hatten.

Knackpunkt im Spiel gegen Island war deren schneller Ausgleich nach Englands Elfmeter- Führung. Obwohl selbst nach der isländischen Führung noch circa siebzig Minuten für die Engländer da waren, um das Ausscheiden abzuwenden, spielten sie zu durchsichtig. Hier ist aber Entwicklung möglich und in zwei Jahren wird man andere Engländer sehen.

Frankreich ist Islands nächster Gegner und im Grunde sollte der Gastgeber wissen, was auf ihn zukommt. Aber das glaubte England ja auch zu wissen.

Zuvor schied Titelverteidiger Spanien aus gegen Italiens alte Männer. Die schwungvoll begannen, folgerichtig in Führung gingen. Auch deshalb, weil Spanien nicht in ihr Kurzpaßspiel fand, bis in die letzte halbe Stunde hinein den richtigen Groove suchte. Aber da stand dann ja immer noch Buffon im Kasten der Italiener mit seinen 38 Jahren und der Gelassenheit des Routiniers in seinem 9. großen Turnier. Am Ende hielt er mit sichtlicher Spielfreude den italienische Sieg fest, gegen Deutschland und als deren Angstgegner geht es nun ins Viertelfinale. Ausgang offen…

Hoppla! Frühe Tore!

Mit dem ersten wirklich annähernd runden Auftritt bei dieser EM zieht die deutsche Mannschaft überzeugend ins Viertelfinale ein. Boateng, auf dem Weg zur Wade der Nation, schob den Zug aufs Gleis Richtung nächste Runde. Hielt drauf, schon früh im Spiel, wo seiner Vorderleute zuletzt allzu kompliziert agiert hatten. Und als aus Dominanz Schludrigkeit zu werden drohte, legte Gomez das zweite Tor nach. Schon zur Pause hatte man das Gefühl, daß da nichts mehr schief gehen könnte und so durften zum Schluß die Oldies ran: Schweinsteiger und Podolski, wobei beide sich sogar bei 3:0- Führung noch um Ballerorberungen im slowakischen Strafraum bemühten.

Beim derart guten Gesamteindruck fällt kaum ins Gewicht, daß Özil einen Elfmeter schon provozierend verschoß. Daß Götze 90 Minuten lang auf der Bank blieb, wirft die Frage auf, was für ihn nich drin sein wird im weiteren Turnier. Draxler hat seinen Job auf der linken Außenbahn gut gemacht. Wird Löw – ähnlich wie 2014 in der Causa Lahm – auch nun wieder zu seinem Glück gezwungen? Weg von der „falschen neun“, hin zum Klassiker Gomez?

Frühe Tore gab es auch in den anderen Begegnungen. Irland ging gegen Frankreich schon nach einer Minute und per Elfmeter in Führung und ließ sich davon in einen kraftaufwändigen Auftritt hinein tragen, notfalls warf man sich mit allem, was man hatte, in die Schüsse der Franzosen. Mehr als eine Stunde lang ging das gut, dann kam Griezmann zweimal binnen weniger Minuten zum Zug. Die rote Karte gegen Irland – die Zeitlupe zeigte sie als durchaus diskutabel, da Griezmann eher seinem Gegenspieler auf den Fuß trat als umgekehrt – nahm den nun platten Iren die letzte Chance auf eine Verlängerung. Dennoch haben sie und ihre Fans sich gut präsentiert bei der EM, bei den Gastgebern ist noch ein wenig Potential übrig.

Früh in Führung ging auch Belgien und zeigte gegen Ungarn hernach, warum sie als Mitfavorit gelten. Das 4:0 klingt am Ende brutal und die drei letzten Tore fielen erst in den letzten 13 Minuten der Begegnung nach knallhart gefahrenen belgischen Kontern. Doch schon früh im Spiel hatten die Ungarn keinen rechten Zugriff auf das Spiel, waren ungenau in den Zuspielen und suchten vergeblich nach der richtigen Balance zwischen eigenen Angriffen und dem Unterbinden derer des Gegners.

Der Rest des Achtelfinales sieht zwei spannende Paarungen: Island und England einerseits und dann der Klassiker zwischen Italien und Spanien, wo man fast schon von vornherein eine Entscheidung erst im Elfmeterschießen vermuten mag.

Knapp, spät, glücklich

Da brauchte es einen langen Atem oder Sitzfleisch beim Auftakt zum Achtelfinale, teilweise erwartungsgemäß. Knappe Ergebnisse, späte oder glückliche Entscheidungen, alles war dabei.

Portugals eingewechselter Quaresma sorgte drei Minuten vor dem Ende der Verlängerung für das 1:0 gegen Kroatien. Ronaldo war diesmal „nur“ der Vorbereiter beim Abschluß eines Konters. Und die Kroaten dürften mit sich hadern, nicht die letzten Minuten einfach runtergespielt und aufs Elfmeterschießen gesetzt zu haben. Statt dessen wollten sie es nochmal wissen, verbuchten ihre beste Torchance und fingen sich dann selbst einen ein. Taktisch war die Begegnung interessant, vor den Toren passierte jedoch relativ wenig. Portugal ließ die Kroaten zunächst kommen, die kamen allerdings nicht mit letzter Konsequenz – umgekehrt war es ganz ähnlich.

Die späteste Entscheidung fiel beim Nachmittagsspiel zwischen Polen und der Schweiz. Lewandowski und Co. legten forsch los, setzten die Schweizer unter Druck, die sich erst nach dem Wechsel zunehmend davon befreien konnten und einen Sturmauf auf polnische Tor entfachten. Shaqiri mit dem bislang schönesten Tor der EM glich Polens Führung aus, die offensiven Einwechslungen der Schweizer machten sich optisch bezahlt, das Elfmeterschießen kam dennoch. Und hier schickte Xhaka seinen Ball mit Schmackes am Kasten vorbei – das war’s. Polnischer Jubel, der zunächst auf die „richtige“ Seite des Feldes dirigiert werden mußte, er war groß.

Das britische Duell zwischen Wales und Nordirland wurde durch ein Eigentor zugunsten der Waliser entschieden. Es war spannend allemalüber die 90 Minuten, in denen Wales nicht so ins Spiel kam wie gegen die Russen oder phasenweise gegen England. Weil Nordirland zeigte, was ihnen manche in den Spielen gegen Deutschland und Polen abgesprochen hatten: Offensivgedanken und eine Taktik, neudeutsch: Matchplan. Sie können halt nicht nur hinten drin stehen, sondern einen Gegenr, der ihnen nicht übermächtig erscheint, auch auf andere Weise fordern. Und wenn man bedenkt, wo diese Spieler ihr Geld verdienen, teilweise in der dritten Liga in England, dann haben sie sich hervorragend geschlagen. Mit der Qualifikation und mit dem Achtelfinale.

Ob ihnen ihre irischen Nachbarn nach Hause folgen werden, wird sich am Nachmittag zeigen. Ihre Fans sind ganz weit vorn, was die Stimmung betrifft, aber der Gegner ist Gastgeber Frankreich. Die schon bewiesen haben, daß sie sich sowohl schwer tun als auch spät zuschlagen können. Ungarn hat gegen Belgien dann eine Chance, wenn man die Konter von de Bruyne und Co. unterbinden kann. Und Deutschland? Da tritt man die Euphoriebremse, weiß aber intern sicherlich auch, daß man mit der Slowakei einen durchaus schlagbaren Gegner vor sich hat.

Langer Samstag

Da habe ich heute Abend schon im „Rausverkauf“ genannten Verramschen all die Ein- Euro- Ware gesehen, die uns vor zwei Wochen noch als ultimative Deko zur Europameisterschaft nahegelegt wurde. „Saisonware“ müsse raus, so das Schild neben den schwarz- rot- goldenen Perücken, Pappbechern und dergleichen. Dabei werden sie eh zwei Jahre lang gelagert, bevor sie wieder ganz wichtig im Vorfeld der WM 2018 an die Straße gestellt werden.

So beginnt also das billige Verhökern parallel zur heißen Phase der EM. Das Achtelfinale verspricht einige lange Spiele, das zwischen der Schweiz und Polen ist ein solches. Viele der Akteure kennen sich in- und auswendig aus der Bundesliga. Doe Schweizer haben durch ihren Top- Keeper Sommer und eine relativ sattelfeste Abwehr Vorteile in der Defensive. Polen hingegen hat Lewandowski und Milik sowie rechts den stürmenden Verteidiger Pisczek. Das kann alles in allem sehr gut auf eine Verlängerung hinauslaufen oder die Lotterie vom Elfmeterpunkt.

Eine britische Mannschaft wird das Viertelfinale erreichen – Kunststück, wenn Wales und Nordirland gegeneinander antreten. Dabei dürfte für die Nordiren dann endgültig das Ende der Fahnenstange erreicht sein – und die zum Teil Drittligaspieler mit ihrem Abschneiden zufrieden. Wales hingegen besticht durch seine Kampfkraft einerseits, aber auch durch schnelle Angriffe.

Gelingt Kroatien am späten Abend nach dem Coup gegen Spanien gleich noch ein Sieg gegen Ronaldo und seine Teamkameraden?  Zuzutrauen wäre es Mandzukic und Co., auch wenn die Portugiesen gerade noch rechtzeitig aufgewacht sind, um aktiv an der EM teilzunehmen. Daß sie Probleme in der Spieldominanz haben, zeigten Ungarn und auch Österreich den Portugiesen eindrucksvoll auf. Ich würde mich fast schon wundern, wenn zwischen Kroatien und Portugal schon nach 90 Minuten alles klar wäre.  Späte Entscheidungen dürften auch weiterhin das Leitmotiv der EM sein.

Briten noch dabei

Die Briten sind ja sowas von dabei bei dieser Europameisterschaft, wer hätte darauf gewettet, von Nordiren und Walisern selbst einmal abgesehen?

Diese beiden kleinen britischen Verbände und England haben die Gruppenphase überstanden,  bei diesem Modus genügte ja ein Sieg und den hat jedes der Teams eingefahren:  Nordirland gegen die Ukraine überraschend auch mit Abschlußqualitäten, ansonsten eher defensiv orientiert und sich des Rahmnes seiner Möglichkeiten bewußt.

Wales, das mehr ist als nur Bale und sich von der Last Minute- Niederlage gegen England unbeeindruckt zeigte. Anschließend wurde Russland abgefertigt und hatte noch Glück, nicht komplett unter die Räder zu kommen.

Schließlich England, das so wenig britisch spielt wie lange nicht und gerade in der Offensive personell variabel agieren kann mit Kane, Sturridge, Vardy und Rooney. Profane Zockerei hingegen kann man sich nicht erlauben, im Achtelfinale gegen den Überraschungsteilnehmer aus Island, der sich als ausgesprochen unangenehm erwiesen hat.

Und dann wären ja noch die Nicht- Briten von der kleineren Insel: Irland, das sich gegen Italiens B-Team für die KO-Phase qualifiziert hatte und für Tränen der Enttäuschung in der Türkei sorgte, die nach Tagen des Wartens als einer der beiden schlechtesten Gruppendritten dann doch noch die Koffer packen durften.

Tränen der Ergriffenheit gab es hingegen im irischen Fanblock an diesem sporthistorischen Abend. Die irischen Fans haben Spaß, einen Ruf, den sie schon 1988 bei der EM in Deutschland begründet hatten. Heute zeigt man dies, wie es sich gehört, auf youtube in einem Videozusammenschnitt.

 

Sportlich dürfte der Spaß gegen Gastgeber Frankreich ein Ende finden – davon lassen sich die Iren aber das Singen nicht verbieten. Wie heißt es doch? Böse Menschen haben keine Lieder.