Weitergerödelt

Alle Achtung, SV Rödinghausen! Da trotzt der Viertligist dem FC Bayern doch ein 1:2 ab und am Ende spielt der Rekord- Titelträger mit Wechseln die Zeit runter und schlägt Bälle hinten raus. Ein Kompliment für den Gastgeber auf neutralem Platz in Osnabrück.

Als es nach einer Viertelstunde schon 0:2 stand, hielt ich das Spiel für gelaufen und genauso spannungsarm wie erwartet. Hatte dann auch immer mal nur kurz reingeschaltet. Doch mit zunehmender Spieldauer wurden die Passagen des Zuschauens länger. Daß Rödinghausen den Mumm hatte, die Bayern hoch anzulaufen, hatte wohl kaum jemand erwartet. Doch es führte dazu, daß der Sieg der Bayern nicht eben glanzvoll ausfiel.

Dabei hatte doch Nico Kovac im Vorfeld noch von seiner Mannschaft als dem haushohen Favoriten gesprochen. Offenbar vergessen, daß er in Drochtersen nur mit 1:0 weitergekommen war in der ersten Pokalrunde.

Gegnerbeobachtung mittels eines preiswert erstellten Videos aus einem Stream, der mit einer Art Überwachungskamera im Stadion arbeitet. Miese Bildqualität, verzerrte Perspektive – aber für die Bayern reicht es. Jedoch sehr knapp.

Anderswo war es eindeutiger, Wolfsburg gewann das Nicht- Derby in Hannover mit 2:0. Und so schön 96-Coach Breitenreiter auch auf der Bank am Tablet analysierte: es hilft nichts, wenn es an der Umsetzung hapert.

Hertha kam durch zwei Einwechsler- Tore in Darmstadt eine Runde weiter. Beide Teams verabschiedeten ihren ehemaligen Spieler Peter Niemeyer in den Karriere- Ruhestand. Er ist gut herum gekommen, ihm dürften ein paar Türen offen stehen.

Spannend dürften in den restlichen Spielen das Aufeinandertreffen von Leverkusen und Möchengladbach verlaufen. Während die Borussia auf die Liga- Niederlage von Freiburg reagieren sollte, muß Leverkusen zeigen, daß der sieg bei Werder kein Versehen gewesen ist. Herrlich scheint gestärkt und wenn der Rudi mal wieder Medienkritik übt, so heißt es rechtzeitig die Aufnahmegeräte einzuschalten.

Köln und Schalke, hier könnte der Ausgang durchaus offen sein. Bei Leipzig und Hoffenheim erhofft man selbiges auf hohem Spielniveau und will den lahmen Vorverkauf durch Billig- Tickets für ’nen Zehner ankurbeln. Ob’s hilft?

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Spannung(en), kreiert

Wann ist ein Derby denn ein Derby? Oder ändern sich die Begrifflichkeiten, wenn benachbarte Vereine Ligen oder Fußballwelten trennen? Gern wird da ja verwässert bis hin zum einstigen „Nord- Süd- Derby“ (hat wirklich mal jemand geschrieben) zwischen Hamburg und Bayern.

Und so ist es denn auch traditionell richtig, daß für Hannoveraner Fans das Derby ein Kick gegen Braunschweig ist. Das hatte auch der heutige Rasenball- Ralle mal zu lernen nach einem Pokalaus mit 96 bei der Eintracht. Und auch Hecking hatte so seine Erfahrungen: mit blaugelben Klamotten beim Volkslauf in Hannover, das geht nicht.

Na, jedenfalls ist ein Spiel gegen den Werksverein aus der VW- Stadt kein traditionelles Derby, was nun auch die Marketingabteilung der 96er aufgenommen hat und für das Pokalspiel am Abend mit dem Hashtag „KeinDerby“ wirbt. Und deshalb sogar den eigenen spieler Anton im Interview unterbrach, als er nicht von „Duell“ sprach, sondern vom „Derby“.

Schön, daß man in Hannover keine anderen Probleme hat, oder? Etwa, den Pokalkick zu nutzen, um sportlich die Kurve zu kriegen.

Ähnlich ist die Situation bei Fortuna Düsseldorf vor dem Spiel beim Pokalverteidiger- Besieger in Ulm. Irgendwie weiterzukommen, heißt es für Funkels Mannschaft, und Selbstvertrauen holen für die nächsten Hürden in der Liga, die derzeit unüberwindbar scheinen.

Aber das sind ja alles nur Vorspiele, ebenso wie Hertha in darmstadt oder Paderborn bei Oberligist Chemie Leipzig. Spannend und daher einem Millionen- Publikum im Free-TV vorgesetzt wird es, wenn Rödinghausen auf den FC Bayern trifft.

Wer will da schon wiedersprechen? Man trifft sich auf neutralem Platz in Osnabrück, der auch weitaus mehr Zuschauern Platz bietet. Bayern- Kalle freut sich auf solch ein Duell David gegen Goliath, auch wenn letzterer personell aus seiner U23 den Kader auffüllen muß.

Und das Fernsehvolk ist dankbar, daß Frau Merkel ihre Presseerklärung am Montag gegeben hat und nicht noch ein ARD- Brennpunkt den Anstoß von 20.45 noch weiter nach hinten verschiebt.

Bayern und Herrlich gewinnen

Und der Gewinner des Spieltages kommt aus München. Na fein, da ist ja das Ende der Liga- Revolution beinahe schon wieder eingeläutet worden. Unter den ersten sieben (!) der Tabelle haben nur die Bayern gewonnen – und da ist es wurscht, ob’s schön war in Mainz. Sie haben Boden gut gemacht und bleiben Zweiter.

Denn Werder hat halt nicht dafür gesorgt, selbst wieder vorzurücken und in Leverkusen für Stühlerücken zu sorgen. Ob es aber gleich ein 2:6 sein mußte bei der ersten Kohfeldt- Heimpleite?

Kollege Herrlich ist nach dem Sieg dann zu seiner Zukunft gefragt worden. Schließlich hatte Bayer schon potentielle Nachfolger kontaktieren lassen und außerdem hatte es vor dem Spiel geheißen, in Bremen und im Pokal gegen Gladbach müsse Herrlich Ergebnisse aufweisen.

„25 mal“, so Rudi in Rage, sei sein Trainer gefragt worden. In einem Interview! Und er schoß natürlich gleich wieder übers Ziel hinaus. Wenn er, der Rudi, auf solche Fragen nicht antworte, dann würde gleich wieder was „erfunden“.

Wann merken diese Leute wie Rudi, Kalle oder Uli eigentlich, welches Klientel sie mit diesen Unterstellungen bedienen? Unterstellungen, die eigene Erfindungen sind. Aber wer zuerst schreit, hat recht?

Wenn das Sky- Interview dazu gedient hat, daß Herrlich seinen Job behalten kann, weil Völler ihn nun aus Trotz nicht feuern will, dann hat doch alles seinen Sinn gehabt, oder?

Nahezu ungefragt bekam indessen Friedhelm Funkel von seinen Vorgesetzten eine Job- Garantie. Trotz Niederlagenserie der Düsseldorfer und dem letzten Tabellenrang. Insgeheim wissen sie wohl selbst, daß ihr Kader recht optimistisch für einen Klassenverbleib geplant worden ist.

In Stuttgart, wo man ja hoch hinaus wollte in dieser Saison, ist nun das Drinbleiben in der Liga das neue Saisonziel. Das man beim VfB auf einen Trainereffekt verzichtet hatte, indem man einen neuen Coach vor den Spielen gegen Dortmund und in Hoffenheim installiert hat: schade. Denn schlechter hätte es mit Korkut auch nicht laufen können als bei den beiden 0:4- Pleiten unter Weinzierl.

Wieder ein wenig enger

Wer die Bayern schlägt, der kann auch dem BVB Paroli bieten. Hat natürlich bei Hertha keiner als Lautsprecher im Vorfeld in die Welt gesetzt, diese Ansicht. Sondern einfach umgesetzt mit dem 2:2 in Dortmund.

Da hatte sich dann Selkes Routine gegenüber dem ungestümen Zagadou gezeigt in der 90.Minute – es gab den Elfer für Hertha, den Kalou verwandelte. In einem insgesamt flotten Spiel, bei dem vor allem beim Tempo der Dortmunder mitunter eine Zeitlupe vonnöten war, um alles zu erkennen.

Am Ende war Hertha der gefühlte Gewinner dieser mitreißenden Partie – gefühlte Verlierer waren die Chaoten im Berliner- Block, auf die man nicht näher eingehen sollte. Dumm genug, einer guten Hertha so in den Rücken zu fallen statt sie zu unterstützen.

Durch Dortmunds Unentschieden kam Bayern nach eigenem Sieg in Mainz wieder auf zwei Punkte heran, Werder kann sich mit einem Sieg gegen Leverkusen noch dazwischen schieben. Den Dreier der Münchener hielt übrigens nicht einmal deren Trainer Kovac für sonderlch glanzvoll.

Am Tabellenende hängen Stuttgart und Düsseldorf fest. Die Fortuna war dabei Aufbaugegner für zuvor sechsfach sieglose Wolfsburger. Und früher oder später muß Düsseldorfs Aufstiegstrainer Funkel dann auch Pläne zu Punktgewinnen haben, die am Ende des Spiels auch aufgehen.

Stuttgart hat ja bereits einen neuen Trainer mit Weinzierl und der hat ein undankbares Startprogramm erwischt. Zweimal 0:4, erst gegen Dortmund, nun in Hoffenheim in 82-minütiger Unterzahl. Nach einer ordentlichen ersten Hälfte kassierte sein Team dann vier Tore in dreizehn Minuten und zerfiel.

Zum Glück für Hannover 96, dessen Trainer Breitenreiter nach dem 1:2 gegen Augsburg Erklärungen ind er ihm typischen „Ich hab’s ja gewußt“- Rhetorik in die Mikrofone sprach.

Schalke, Nürnberg und Leverkusen können in ihren Spielen Abstand vom Tabellenboden gewinnen – allein traut man es ihnen kaum zu. Am ehesten noch Nürnberg im Heimspiel gegen Frankfurt, doch ist der Club ja erst in der Vorwoche nach der Pause eingebrochen und bei der Eintracht läuft es derzeit einfach.

 

Einer hat gepatzt

Auch im allgemeinen formverbesserte Gladbacher haben ihre Freiburg- schwäche nicht ablegen können. Und hatte Coach Hecking noch im Vorfeld erzählt, er fahre gerne nach Freiburg, so kann dies mit der Borussen- Statistik keinen plausiblen Grund haben.

1:3 verliert Mönchengladbach und damit am wochenende wohl auch den zweiten Tabellenplatz. Gleich vier Teams können nun im Laufe des Wochenendes an ihnen vorbeiziehen.

Allen voran Bayern mit einem Auswärtssieg in Mainz, gegen das Trainer Kovac mit Frankfurt in der Vorsaison wenig Probleme hatte. Und zuletzt landete sein entmüllertes Team ja auch glanzlose Erfolge in Wolfsburg und Athen, ist also von den Resultaten her betrachtet wieder in der Spur.

Werder wird, darüber sind sich viele einig, für einen Trainerwechsel in Leverkusen sorgen. Leipzig dürfte gegen Schalke durchaus Favorit sein, nicht nur der Tabellenstand spiegelt dies wieder. Für die Königsblauen ist es in Sachen Turnaround ein schweres Geschäft und mit jedem Spieltag wird eine Aufholjagd schwieriger, zehn Punkte trennen die Schalker von den CL- Rängen, fast ein Viertel der Saison ist vorüber.

Hertha müßte, um die Gladbacher zu überholen, einen Sieg in Dortmund einfahren. Was sich zugegebenermaßen ein weng utopisch anhört dieser Tage Denn der BVB macht es ja nicht unter vier Toren, wenngleich nicht alles stets so souverän aussieht wie man auf den ersten Blick meinen könnte.

Vom guten Saisonstart hat sich Wolfsburg inzwischen deutlich entfernt, in der Tabelle und im Auftreten. Gerät Labbadia etwa schon in die schwierige Phase, in der seine Teams traditionell dann irgendwann „dicht machen“? Das Auswärtsspiel in Düsseldorf soll Besserung bringen. – Doch auch die Fortuna hofft bei schwächelnden Wolfsburgern darauf, das 1:7 aus der Vorwoche vergessen zu machen. Anderenfalls hinge sie bis auf weiteres unten fest in der Tabelle.

Dort kann sich Hannover mit einem Erfolg gegen Augsburg ein wenig Luft verschaffen. Doch die Gäste wußten schon Bayern und Dortmund auswärts zu beschäftigen. Da dürfte 96 doch anderes Kaliber sein.

Adler, Fohlen und ein Wolf- Debüt

Man schaut ja, was man kriegt. Frankfurt gegen Limassol also. 2:0, einseitig, hätte höher ausgehen können für die Eintracht gegen stets bemühte Zyprioten. Drei Spiele, drei Siege in der Europa League, was will man mehr? Entsprechende Prämien werden den Frankfurtern die ganze Sache noch ein wenig angenehmer machen.

Die Kollegen aus Leverkusen hätten einen Sieg in Zürich vor allem für ihren Betriebsfrieden gebraucht. Sind von herrlichen Zeiten weit entfernt und von Herrlichs Zeit als Trainer dürfte auch bald nicht mehr allzu viel übrig sein.

Es gehört zum Geschäft, stets einen Plan B zu haben – doch da nun rauskam, daß Leverkusen schon vor Wochen die Fühler nach Hasenhüttl ausgestreckt hatte, weiß man auch die Geduld, die Rudi „noch“ hat, einzuordnen. Die nächste englische Woche dürfte die Richtung vorgeben, wie und ob es mit Herrlich überhaupt weitergeht. Denn der Rückstand auf die ersten vier Plätze ist in der Liga schon beträchtlich.

Der Vollständigkeit halber sei Leipzigs 2:0 gegen Celtic Glasgow erwähnt, Pflicht, um in Europa zu überwintern und gute Chancen für den Sponsor, beide Bullen, bzw. Pferde im Rennen zu halten.

Apropos Pferde: Gladbachs Fohlen eröffnen den nächsten Liga- Spieltag ausgerechnet in Freiburg, wo dreifache Punktgewinne in den letzten Jahren sehr selten vorkamen. Doch bei der Borussia läuft es ja auch wesentlich runder als in den Vorjahren. Zudem winkt die Chance, nach Punkten zur anderen Borussia für eine Nacht aufzuschließen.

Und in Liga 2 spielt der gefühlte EL- Teilnehmer und Europapokalsieger (Landesmeister) von 1983 gegen denjenigen (der Pokalsieger) von 1974. Der HSV tritt mit neuem Trainer beim 1.FC Magdeburg an und vielleicht nutzt man die Gelegenheit um ausführlich über alte Zeiten zu plaudern.

Daß diese Vergangenheit sind, hat man in Magdeburg weitaus realistischer hingenommen und irgendwann permanente Kommentierungen des Tagesgeschäfts durch Altinternationale eindämmen können. Vielleicht auch ein kleiner wink für andere Vereine?

Bank- Senioren

Lucien Favre, Dortmunds Trainer, kann momentan anscheinend anfassen, was er will. Und es klappt. 4:0 gegen das defensiv starke Atletico Madrid, all das ohne Tormaschine Alcacer, dafür aber mit drei Joker- Toren.

Und schon rattert die Gelddruckmaschine Champions League: drei Spiele, drei Siege, das macht dreimal je rund 2,5 Millionen Prämie und sollte das Achtelfinale erreicht sein, kommen nochmals etwas mehr als 7 Mios obendrauf. Ein klein wenig Winterspeck für’s pralle Konto und ein Großteil der Ablöse für Volltreffer Alcacer wäre damit bereits abgedeckt, der Rest geht über den Trikotverkauf. Das Weihnachtsgeschäft wird brummen im BVB- Fanshop, wetten?

Nur fünf Jahre älter als Favre, aber im aktuellen Geschäft schon gefühlt eine Ewigkeit von der Bildfläche verschwunden ist dessen Kollege Christoph Daum. 65 ist er geworden, Glückwunsch und Erinnerung an einen der schillerndsten Trainer der Bundesliga.

Ob die Haarprobe inclusive positivem Befund, was das abrupte vorläufige ende einer Erfolgslaufbahn bedeutete. Ob der Wechselfehler als Stuttgarter Trainer (immerhin spielte der VfB damals noch europäisch…). Oder das legendäre Aufeinandertreffen im Aktuellen Sportstudio an der Seite von Lattek gegen die Bayern Jupp, damals noch schnell auf 180, und Uli, damals wie heute Abteilung Attacke.

Das war auch Sport- Fernsehgeschichte, die man so heute gar nicht wiederholen könnte. Einfach, weil man vier Große der Liga am späten Samstag nicht mehr in ein Studio bekäme und weil inzwischen sich jeder dieser Leute seine Lieblingsmedien quasi aussucht. – Aber klasse war’s allemal.

Es war allerdings auch nich die Zeit, in der Trainer- Rivalitäten gepflegt werden konnten. Das ist heute, da man sich ja regelmäßig auf Tagungen trifft und allgemein eher als Kollegen wahrnimmt, eine ganz andere Sache. – Gut für einen vernünftigen Umgang miteinander, allerdings um den Preis der Stromlinienförmigket vieler Exemplare. Was irgendwo auch wieder die Austauschbarkeit verstärkt und manch einen farblos erscheinen läßt.

Dabei werden sie mit dem Alter eh alle ein wenig ruhiger. Gerade die Kontrahenten Heynckes und Daum sind gute Beispiele dafür.