Für (k)ein kleines Geld

Mal schauen, ob Bayer Leverkusen noch eine Zuschauerzahl nachreichen wird für das Spiel gegen Rasgrad (was übrigens in Bulgarien liegt, ich habe mal nachgeschaut). Denn nur 15000 Zuschauer erwartete die Werkself wenige Stunden vor dem Spiel. Und die sahen immerhin 1:1- Unentschieden, was die endgültige Entscheidung über den Gruppensieg Leverkusens noch hinauszögert – aber mehr auch nicht.

Und wen wundert denn diese Zuschauerprognose? Für 22 Euro hockt man ganz oben in der letzten Reihe auf der Hintertortribüne. Preiswerter geht es nicht. Bis zu 46 Euro hääte man investieren können.

Für einen Kick, bei dem das Weiterkommen schon feststeht und bei dem Trainer Herrlich komplett rotieren läßt. Stammkeeper Hradecky war nicht einmal im Kader. Wer wissen will, wie dem zweiten oder dritten Anzug das Trikot steht, der sollte vielleicht lieber eine öffentliche Trainingseinheit erwischen.

Und sicherlich würde die UEFA einiges dagegen haben, würde man für die bedeutungslosen unter den Gruppenpielen die Karten für ’nen Zehner verscheuern. Aber den vollen Preis für’s B-Team? Das fiele mir im Traum nicht ein. Und manch anderem ja anscheinend auch nicht.

Davon mal abgesehen, hätte ein Sieg die Prämie von 570 000 Euro gebracht. Kleingeld im Fußball dieser Tage.

RB Leipzig hat zeitgleich in Salzburg 0:1 verloren, überraschenderweise von Nitro trotz des früheren Anstoßes übertragen. Der selbsternannte Zaubermeister Ralle muß nun am letzten Spieltag darauf hoffen, daß Salzburg in Glasgow siegt und selbst mit seinen Leipzigern gegen Trondheim gewinnen. sonst war es das schon mit Europa. Als „reiner“ Sportdirektor hätte der Ralle das als Rückschlag verkauft – wie er es wohl als verantwortlicher Trainer interpretiert?

Daß es ums Geld geht, weiß im Grunde jeder. Frankfurt zeigte es gegen Marseille auf eine Art, die für die Zuschauer zur Win- Win- Situation wurde: weil der erste Rang in der Gruppe eine Million Prämie bringt, der zweite Platz nur die Hälfte, gab es dann doch nur die kleine Fünfer- Rotation. Fixpunkte wie Trapp, Haller und Jovic spielten beim 4:0.

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Schon klar

So ist das halt, wenn vor Anpfiff das Wesentliche schon klar ist oder scheint: dann folgen durchschnittliche Auftritte wie das 0:0 von Dortmund gegen Brügge und das 1:3 Schalkes in Porto. Die Gruppenphase geht halt in die letzten Spiele und auch, wenn man den Gruppensieg gern mal als noch zu rreichendes Ziel ausgibt: beide Ruhrpott- Rivalen sind weiter, die Konten um ein paar Millionen aufgestockt – und um mehr geht es erstmal nicht.

Was natürlich auch für die kleine Schwester Europa League gilt. Leverkusen und Frankfurt sind bereits weiter, mit dem Eintracht- Spiel gegen Marseille beglückt einen das Free-TV und mich würde es wundern, wenn da dann nicht einmal der zweiten Reihe eine Chance gegeben wird zu spielen.

Besonders beobachtet werden natürlich die beiden ehemaligen Schwesterclubs aus Salzburg und Leipzig – ganz gleich, wie oft Leipzigs Chef Minzlaff was von „Nonsens“ erzählt, wenn es um die besondere Konstellation geht. Schließlich könnte Celtic die Rasenballer noch abfangen – und da ist es nun einmal zweitrangig, ob man in diesen Größenordnungen von Sponsorenschaft oder Besitz spricht. Bleibt zu wünschen, daß es ähnlich fair zugeht wie im Hinspiel. Und vielleicht nutzt ja Salzburgs Coach Rose die Gelegenheit zum Vorspielen als ernsthafter Kandidat für den Trainerposten in Hoffenheim.

„In Europa soll man uns wieder kennen“, sagt ausgerechnet Hannovers Manager Heldt. Ein feiner Wunsch – allerdings paßt er nicht zur aktuellen Tabellensituation der 96 er. Deren Kapitän sagt immerhin sinngemäß, für den Klassenverbleib müßte die Qualität des Kaders genügen. Und auch das gilt es in nächster Zeit noch nachzuweisen.

Fakt ist nun einmal, daß die letzten EL- Teilnahmen inzwischen auch schon wieder ein paar Jahre zurückliegen. Und offenbar wurde mit den Einnahmen von damals nichts Nachhaltiges geschaffen mit dem zwischenzeitlichen Abstieg und dem aktuellen Dasein als Keller- Kind.

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Werde doch einer aus diesem Haufen schlau. Zwar wird überall betont, wie harmlos doch Benfica Lissabon in München aufgetreten sei. Aber am Ende steht ein 5:1 der Bayern und die Frage, ob die Portugiesen nicht gesehen haben, wie Augs- und Freiburg sowie Düsseldorf dort jeweils Unentschieden geholt haben.

Es wird doch wohl nicht an Bayern- Pule Breitner gelegen haben, der sich auf der Ehrentribünenicht mehr blicken lassen soll, daß die Münchener plötzlich wirbeln konnten – allen voran Le Franck, der Robben und Diva Lewa.

Diese Leistungsexplosion kommt einem fast schon spanisch vor. Als wollten die Kicker- Oldies ihre Macht demonstrieren, Retter des Trainers zu sein. Wenn sie denn wollen oder entsprechend gepinselt werden. – Oder aber Kalle und Uli haben ihnen gesagt, es gibt keien anderen Trainer, kommt damit irgendwie klar. – Oder Möglichkeit drei: sie haben bei einem beeindruckenden Abschiedsspiel für Kovac in Aussicht gestellt, daß er bald schon eien Nachfolger findet.

Wenger soll angeblich abgesagt haben, was die Suche nach dem Neuen erneut erschwert. Gesucht wird eh – denn trotz dieser vermeintlichen Gala bleibt Kovac zunächst ein Trainer auf Abruf.

Das ist Kollege Nagelsmann in Hoffenheim seit seinem verkündeten Wechsel nach Leipzig schon fast von Saisonbeginn an. Was man den Spielen und Spielern der TSG aber nicht in hohem Maße anmerkt. Abwehrprobleme haben sie wie eh und je, Spektakel abliefern ist auch drin wie immer.

Und nach dem 2:3 gegen Donezk, wobei ein 0:2- Doppelschlag aufgeholt worden war, geht es nun maximal noch in der Europa League weiter für die Hoffenheimer. Ein Sieg beim Pep und Man City am letzten Spieltag sollte es dann aber schon sein.

Dortmund und Schalke können gegen Brügge und in Porto es relativ kontrolliert angehen. Der BVB ist bereits für’s Achtelfinale qualifiziert, Schalke auf einem sehr guten Weg dorthin. Wenn gleich gerade die Tedescos Mannschaft ihre besseren Auftritt in der Woche hinlegt in dieser Saison.

Enkel- Trick

Am Sonntag kamen die Enkel ins Hause Hoeneß – völlig logisch, daß er sich da ausschließlich ihnen widmet und nicht etwa seinem Lebenswerk an der Säbener Straße, oder? Zumal ja auch einige der kickenden Angestellten wie der Uli ihr Zuhause am Tegernsee haben.

Und somit war klar, daß sich in der Trainerfrage vor dem Spiel gegen Benfica nichts tun würde – wahrscheinlich auch, weil die Bayern nach den ersten Wochen der Saison auch nicht damit gerechnet hatten, schon wieder auf die Suche gehen zu müssen. Und der Uli, der vor Wochen noch die Medien beschimpft hatte, fordert sie nun auf, auch kritisch mit den Kickern ins Gericht zu gehen.

Das aber tut auch der Noch- Trainer Kovac, wenn man seinem Hauptproblem, einer „undichten“ Kabine glauben darf. Soll dort – so hat es der Boulevard erfahren – die Gemütlichkeit der Mannschaft angeprangert haben und es nicht als Zeichen gelungener Integration verstehen. Er, Kovac, habe sich alles erarbeiten müssen. Stimmt bestimmt, doch ein Malocherclub waren die Bayern ja nun wahrlich noch nie.

Und Kovac wird auch nicht mehr die Zeit bekommen, sie dazu zu machen. Nur wen können Kalle und Uli binnen weniger Tage an Bord holen? Erneut einen ligaerfahrenen Mann, der noch beweisen muß, daß er Bayern „kann“? Wohl kaum.

Der oft zitierte Arsène Wenger würde da schon eher Sinn ergeben. Diven- erfahren, ist gerade auf dem Markt verfügbar und mit 69 altersmäßig zwischen Uli, Kalle und Jupp anzusiedeln. Letzterer dürfte mit seinem Hund um die Wette grinsen, daß er sich nicht zu einer Verlängerung hatte breitschlagen lassen.

Nur paßt es nicht zu einem Wenger, von einem Tag auf den anderen Gewehr bei Fuß in München einzufliegen. Geschweige denn, sich auf eine Bank zu hocken ohne eine Trainingseinheit zuvor geleitet zu haben. Also darf der Niko nochmals ran.

Und im Schatten all dessen ist ist Ingolstadt sein Kollege Nouri entlassen worden. Acht Spiele, kein Sieg. Die Herren der vier Ringe fackeln nicht lange.

Fohlen und Eichhörnchen

Wer nach 22 Sekunden 0:1 hinten liegt hat halt noch 89 Minuten, um darauf zu reagieren. Und daß ein Team wie Gladbach weiß wie es geht, haben sie beim 4:1 gegen Hannover gezeigt. Haben sich den zweiten Rang und den Titel als Borussenjäger wiedergeholt.

Die 96er hingegen bleiben ihrer Auswärtsschwäche treu trotz jener frühen Führung durch Wood und behaupten ihren Platz im Tabellenkeller als eines von vier Teams, die derzeit maximal zehn Punkte haben.

Eine Trainerdiskussion bricht in Hannover aber seltsamerweise niemand vom Zaun und selbst der Manager- Heldt hat wohl keine Absicht, wie einst in Schalke Breitenreiter den Stuhl vor die Tür zu setzen. Die Lage ist allerdings durch die Ungewißheit um des Präsidenten Klage gegen 50 plus 1 und die nachfolgende Lizensierung ohnehin unklar. Da dürfte sich auch kaum so schnell ein Nachfolger finden lassen.

Als einziger Club im Keller hat Stuttgart bereits den Trainer getauscht. Ohne erkennbaren Effekt. Nun stellt sich Sturm- Oldie Gomez in Frage und bietet einen Platz auf der Bank an. Nobel, wenngleich Trainer Weinzierl sofort ablehnte. Nur: mit einem weiter so geht es eben für den VfB nicht weiter. Außer abwärts.

Freiburg und Bremen teilten sich die Punkte beim 1:1 und befinden sich im noch breiten Mittelfeld wieder. Ob der Punkt weiter hilft? Zumindest hat Werder nach drei Niederlagen in Serie mal wieder etwas Zählbares in der Hand. Und da die drei Teams vor ihnen nicht oder nicht voll gepunktet haben, bietet sich am nächsten Spieltag mit einem Sieg gegen die Bayern die Chance, zu ihnen aufzuschließen. Da sollten sie Willi Lemke zu einem Anruf beim Uli in München bewegen, Letzterer möge doch Ruhe bewahren beim Trainer.

Für die Freiburger ist der Punkt sicherlich eher einer in Richtung Klassenverbleib. Das könnte auch erneut klappen, allerdings sind die derzeitigen vierzehn Punkte hochgerechnet eine enge Kiste. Aber noch ist ja auf die Teams im gefährdeten Bereich Verlaß beim Nicht- Punkten.

Nur die Ruhe

Also, ich hatte ja auch gedacht, daß die Bayern eventuell Boden minimal gut machen könnten auf den BVB – das Gegenteil ist eingetreten. Neun Punkte trennen beide Teams derzeit und weder ein Jupp im Süden noch ein Einbruch im Westen sind in Sicht.

Was allerdings frappierend war beim Bayern – 3 zu 3 gegen Düsseldorf: die Fortuna hatte bis zum Schluß an ihre Chance geglaubt, dort etwas mitnehmen zu können. Selbst in der Phase mit Zwei- Tore- Rückständen nicht hektisch reagiert. Sicherlich ein Verdienst des abgezockten Friedhelm Funkel, der es geschafft hat, dem Aufsteiger Geduld beim Rekordmeister zu vermitteln.

Lukebakio heißt Düsseldorfs dreifacher Torschützen – einen Assist für die Münchener hatte er auch noch parat – und kam hinterher sympathisch am Sportschau- Mikro rüber. In anderen Zeiten hätten die Bayern so jemanden gleich dort behalten – heutzutage muß man jedem, der sich fragt, warum so ein Talent den Münchenern entgeht sagen, daß die sich am Einkaufsregal so tief nicht bücken.

Und wenigstens hat ja der Müllerthomas zweifach getroffen und zum Gefallen seiner Frau durfte er auch von Anfang an spielen. Aber halt nicht bis zum Schluß. Wurde ausgewechselt gegen Hummels, weil die Bayern die knappe Führung gegen den Vorletzten sichern wollten. Das muß man sich mal vorstellen….

Es ging ja auch schief, als der Mats im Mittelfeld stand und mit ihm die aufgerückte Abwehr. Konter, Ausgleich, Punkte weg. Hat Frau Müller schon gepostet?

Und Kovac? Nicht, noch nicht weg. Sagt der Uli. Denn am Sonntag kommen die Enkelkinder und am Montag mag er anscheinend keinen Trainer feuern, wenn es tags drauf gegen Lissabon geht.

Der BVB hat in Mainz zeitgleich zwar auch kein Feuerwerk abgeliefert, aber so lange Favre noch einen Alcacer einwerfen kann, löst sich harte Arbeit in Jubel auf. 2:1 und in der Liga bleiben die Dortmunder ungeschlagen.

Der königsblaue Ruhrrivale hat sich am Abend so richtig abreagieren können, gegen am Ende zehn Nürnberger gelangen fünf Tore, in elf Spielen zuvor waren es gerade acht.

Zum Abschluß des Spieltags will Werder in Freiburg wieder die Kurve kriegen und Mönchengladbach mit einem Sieg gegen Hannover dem Ex- Trainer auf den Fersen bleiben.

Sich absetzen

Eine Niederlage mit drei Toren Differenz und wenigstens am Tabellenende würde sich nochmal was tun am Nachmittag – anderenfalls steht bereits fest, daß der VfB Stuttgart Platz 18 gefestigt hat mit dem 0:2 in Leverkusen. Und ja, die Bilanz des nun auch nicht mehr so ganz neuen Trainers Weinzierl ist wieder ein wenig schlechter geworden. Ob er es schafft, sich irgendwie bis in die Winterpause durchzuwurschteln?

Denn Fortuna Düsseldorf dürfte beim Spiel in München nicht freiwillig untergehen, um wieder den Platz ganz unten zu übernehmen. Selbst wenn eine Niederlage bei den Problem- Bayern normal wäre: zumindest kann man versuchen, dem Starensemble auf bescheidenerem Niveau das Leben zu erschweren.

Bayern kann hinggen Punkte gut machen gegenüber dem BVB, der beim Auswärtsspiel in Mainz sicherlich keine allzu leichter Aufgabe erwartet. Zwar hat schwarzgelb die höhere individuelle Qualität, doch Mainz kommt über das Team und hat fast unbemerkt nur vier seiner elf Spiele verloren. Das der Präsident mal wieder die Europakarte heraus kramt, ist nur zu logisch.

Dortmund- Verfolger Leipzig dürfte im Betriebssport- Duell in Wolfsburg eine leichte Favoritenstellung einnehmen. Nach starkem Saisonbeginn sind Labbadias Wölfe wieder auf Selbstfindungskurs im unteren Mittelfeld angekommen und können im Abendspiel von einem der punktgleichen Nürnberger und Schalker überholt werden.

Hoffenheim und Frankfurt als Europa- Kandidaten haben schwere Auswärtsspiele zu bestreiten. Die TSG bei der Hertha, die Eintracht in Augsburg, das für seine Spielweise im Grunde zu wenige Punkte aufweist und oft hinten heraus noch entscheidende Gegentore fängt. Da stimmen Aufwand und Ertrag nicht, wenngleich auf einem ansehnlichen Niveau.

Und Leverkusen? War das wirklich schon ein Befreiungsschlag – oder war es „nur gegen Stuttgart“ und läßt somit keine Aussage darüber zu, ob sich denn die Herrlich- Truppe allmählich mal fängt und in der Lage ist eine Serie zu starten?