Willig ist billig

„Ja, bin ich denn an allem schuld hier?“ – so stimmte Markus Weinzierl in der Woche ein ins Lamentieren gegen Kritik und Kritker. Inclusive des schon reflexartigen Respekt einforderns.

Inzwischen hat sein (Ex-) Verein die Antwort gegeben. „Ja.“ – Und das darf auch nicht wundern, denn wer beim 0:6 in Augsburg dabei war wie die Süddeutsche Zeitung, sprach von „historischer Arbeitsverweigerung“. Und Weinzierl mußte nach dem Kick eingestehen, daß er „keine Argumente“ für eine Weiterbeschäftigung habe.

Braucht er ja nun auch nicht. Nico Willig beerbt ihn, der ist nicht nur willig sondern sicherlich auch die billige Variante, denn die Rauswürfe von Trainern und Manager in den letzten zwei Jahren macht Stuttgarts Hauptsponsor auch nicht unkommentiert mit. Zudem ist der Kader ohnehin teuer (Zieler- Badstuber- Gomez) und schlechter als unter dm frisch Geschaßten kann es mit dem Trainer der A- Jugend auch nicht werden.

Immerhin bestünde mit einem VfB in aktueller Form die Chance, daß sich in der Relegation nach langer Zeit mal wieder der Zweitligist durchsetzen würde. Was natürlich auch voraussetzt, daß Stuttgart nicht noch von Nürnberg abgefangen wird. Es sind ja nur drei Punkte.

Und am letzten Spieltag geht es nach Schalke, das seinerseits eine 2:5- Ohrfeige bekommen hat von der TSG Hoffenheim. Übrigens die zehnte Heimniederlage der Königsblauen in der laufenden Saison.

An der Tabellenspitze kommt Bayern zu einem 1:0 gegen am Ende zehn Bremer, die aus der ersten Halbzeit mit elf gegen elf sicherlich Mut mitnehmen könenn für das Pokalspiel Mitte der Woche.

Das Duell um die Teilnahme an der Champions League entscheidet Leipzig in Gladbach für sich, steht nun zehn Punkte vor der Borussia bei noch zwölf zu vergebenen Punkten. Und von unteren drängen gleich drei weitere Kandidaten in die Europa League.

Dortmund muß in Freiburg nachziehen, um gegenüber den Bayern nicht abreißen zu lassen. Doch macht es den Eindruck, als würde in und um den BVB weitaus mehr diskutiert als noch in der Hinrunde. Und auch Favre wirkt nicht mehr so souverän, sind da etwa wieder zu viele Meinungsbildner am Werk?

 

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Manchester schaut zu

Einem Typen wie dem Pep liegen Video- Analysen wahrscheinlich im Trainerblut. Und eine nunmehr im Magen – denn in der 93. Minute des CL- Viertelfinal-Rückspiels gegen Tottenham schlug erst Man City- Stürmer Sterling zum 5:3 zu. Danach der Videobewis, der den Vorlagengeber im Abseits sah.

So blieb es beim 4:3. City ist draußen, Pep gewinnt nicht die CL in diesem Jahr und die Spurs stehen im Halbfinale gegen Ajax.

Kloppo machte es da bei weitem unspektakulärer. 4:1 in Porto, Halbfinale gebucht, gegen Barca geht es, das mit und dank Messi Man United ausgeschaltet hat. Ob es am Ende wirklich ein rein englisches Endspiel wird? So richtig vorstellen kann ich mir es ja dann doch noch nicht.

Vom „perfekten Spiel“ sprach Frankfurts Trainer Hütter in der PK vor dem Rückspiel gegen Benfica. um das 2:4 umzubiegen, würde ein 2:0- Sieg der Eintracht ausreichen. Das klingt ja erst einmal nicht völlig unmöglich und 90 Minuten Zeit hat man dafür aich.

Wichtig wäre, daß Frankfurt zu elft auf dem Platz bleibt und sich nicht erneut einen Feldverweis einhandelt wie in den letzten beiden Spielen in Liga und EL. Und Benfica- Talent Joao Felix gilt es stärker zu kontrollieren als vor Wochenfrist.

Unterdessen wirft die Doppelschicht zwischen Werder und Bayern schon erste Schlagzeilen: als da wäre die PK- Teilnahme von Manuel Neuer an der alltäglichen Erzählstunde des FC Bayern.

Diesmal halt der Keeper – ja, und? Tja, immerhin gab es einen Liveticker in der Bild und manch einer hatte sogar den Rücktritt Neuers hinter dessen Auftritt vermutet. Reichlich weit hergeholt, aber wenigstens sorgt es beim von Verletzungen Geplagten für Erheiterung.

Das kann Kalle auch. Hat ein Rückkehr- Angebot für Werders Pizarro rausgelassen. Die alte Masche um den Gegner zu attackieren und für Unruhe zu sorgen. Mal gut, daß der Stürmer zu alt ist für solche Mätzchen.

Entwicklung

Sicherlich ist CR7 ein gutes Investment für Juventus – und ihm kam der Abschied aus Spanien ja auch gelegen letztes Jahr. Doch Ronaldo allein kann es halt auch nicht immer richten und so ist im Viertelfinale Endstation für Juve nach der 1:2- Heimniederlage gegen Ajax Amsterdam.

Nach 22 Jahren stehen die Niederländer mal wieder in einem europäischen Halbfinale und man kann ihnen nur wünschen, daß es nicht noch einmal so lange dauern wird. Denn machen wir uns nichts vor, auch die Eredivisie ist inzwischen zu einer jener Ligen geworden, deren beste Spieler schon früh Liga und Land verlassen. Weit mehr als die Gruppenphase war da für den jeweiligen Meister nicht drin. Ganz gleich, ob der nun Ajax, Feyenoord, Eindhoven oder auch mal Enschede hieß.

Ein alter Bekannter kam denn auch mal wieder in den Schlußminuten aufs Feld. Klaas Jan Huntelaar, ehemals Königsblauer, läßt seine Karriere bei seinem alten Verein ausklingen und hat dort seit seinem Wechsel von Schalke ganz bewußt die Rolle angenommen, die jungen Spieler zu führen. Wohl wissend, daß er selbst kaum noch große Auftritte haben wird.

Kann man sich ähnliches bei, sagen wir, Robben oder Ribéry vorstellen? Eben, sonst hätten sie ja noch einen Teilzeit- Vertrag bekommen.

Auf Trainersuche geht indessen Berlins Hertha, nachdem fest steht, daß Dardai nicht mehr weiter „entwickeln“ soll, wo sich einfach nichts mehr entwickelt. Schon gar nicht in Rückrunden- Zeiten.

Zuletzt hatte er mit unüberlegten Sprüchen fast schon um seine Freistellung gebettelt. Nun geht er am Saisonende durch die Vordertür und darf ein Jahr später durch den Hintereingang wieder reinkommen bei der Hertha. Im Jugendbereich wieder anfangen.

So weit, so nett. Aber bei aller glaubhaft vermittelter Vereinstreue – hat er denn wirklich keine Ambitionen, anderswo in der Bundesliga anzuheuern? Glaubt er etwa selbst, daß er nur bei Hertha funktioniert? Das wäre nach der langen Amtszeit auch kein Anzeichen von Entwicklung bei Dardai selbst.

Torhüter und Linksaußen

Die Szene sah ja wirklich banal aus, in der sich Bayern- Keeper Neuer verletzt hatte. Und doch ist es halt ein Muskelfaserriß in der Wade. Ausfallzeit: angeblich nur zwei Wochen, aber das Pokal- Halbfinale bei Werder wird er ganz sicherlich verpassen.

Damit ging sein Verein auch relativ schnell an die Öffentlichkeit. Und man kann davon ausgehen, die Bayern tun es, damit nicht der Eindruck entsteht, es wird wieder eine langwierige Sache wie in der Saison 17/18, die Neuer nahezu komplett versäumt hatte wegen seiner zwei Mittelfußbrüche.

Sein Ersatzmann Ulreich gab in der tz zu bedenken: „Es ist einfach schwierig, nach so langer Verletzungspause wieder zurückzukommen. Es sind einfach brutal viele Spiele in der Saison, deswegen ist er schon sehr gefordert.“ Und das mit inzwischen 33 Jahren. Seine Form, die er vor der langen Verletzungspause hatte, hat Neuer seither nicht wieder gefunden.

Somit sind die Nachfolge- Diskussionen als Nationalkeeper nachvollziehbar. Neuer und der FC Bayern werden aber alles daran setzen, daß die neuerliche Verletzung nicht wie ein schleichender Abgesang daher kommt. Diese Baustelle köme nun wirklich ganz ungelegen.

LInks im Mittelfeld ist dies alles längst geklärt. Le Franck hört im Sommer auf und bekommt irgendwann einen anderen Job im Großkonzern FC Bayern zugewiesen. Was immer das auch sein mag.

Erstmal will das Goldstückchen aber noch kicken und sich die Taschen noch ein wenig voll(er) machen. Nach Katar gehe die Tendenz, war zu lesen. Es ist eh anscheinend seine bevorzugte Urlaubsregion, also kann er dort nebenher noch ein wenig was mit dem Bällchen machen. Und ist nicht einmal lange unterwegs, wenn er von Auswärtsspielen nach Hause kommt, denn die Wege sind dort unten ja recht überschaubar.

Und wenn Kalle, Uli oder deren Nachfolger schlau sind, machen sie Le Franck zu ihrem Repräsentanten in der Wüste. Im Hinblick auf die WM in ein paar Jahren und außerdem ist er dort ein wenig aus dem Blickfeld.

Neuanfänge

Müde vom Trip nach Lissabon war Frankfurts Eintracht beim Heimspiel gegen Augsburg, dazu mal wieder ein Platzverweis und Unterzahl und als ob das nicht schon genug des Schlechten wäre: Augsburg kam mit seinem neuen Trainer Schmidt.

Und gewann 3:1 in Frankfurt. Augsburg überholt also Schalke in der Tabelle. Die Königsblauen und Stuttgart auf Platz 16 trennen noch sechs Punkte. Am letzten Spieltag gibt es das direkte Duell.

Möglicherweise schaut es sich Pal Dardai am heimischen Fernseher an oder aber er ist schnell mal eben in die Experten- Rolle hinter irgendeinem Mikro geschlüpft. Denn allzu lange ist der Ungar wohl nicht mehr Hertha- Coach. Spätestens im Sommer soll er abgelöst werden. Was ein klassisches Problem darstellt: wie sage ich’s meiner Klub- Ikone?

Aber fünf Niederlagen in Folge und der chronische freie Fall in der Rückrunde. Ist es das Pal-System oder sind von der Einstellung her die verkehrten Leute am Werk?

Mit Hannover kommt nächste Woche eigentlich der passende Gegner nach Berlin für eine Trendwende – oder einen Neubeginn? Mit letzterem hat sich 96- Boss Kind schon abgefunden und glaubt man seiner derzeitigen Meinung, so nähme er auch zwei oder drei Jahre in der Zweitklassigkeit in Kauf.

Wenn die Mannschaft einigermaßen erfolgreich spielt, kann man vielleicht von den Zuschauern her ähnliche Zahlen erzielen wie in Liga 1. Spiele gegen Bielefeld und Osnabrück haben Potential für ein volleres Stadion als wenn es gegen Leverkusen oder Hoffenheim ginge. Nebenbei könnte Erfolg auch die Fans wieder einen.

An der Tabellenspitze hat Bayern den BVB erwartungsgemäß wieder abgelöst. Jetzt, wo es um die Wurst geht, spielen sie sogar gegen Düsseldorf konzentriert. 4:1 auswärts bei der Fortuna, die ebenso feiert. Denn rechnerisch kann Düsseldorf mit 37 Punkten bereits nicht mehr absteigen. Welch eine Saison, und welch eine Bestätigung für den Trainer- Routinier Funkel!

Am Abend dann noch das verkappte Erstliga- Spiel zwischen Köln und dem HSV, der durchaus Chancen auf ein weiteres Jahr zweite Liga hat.

 

Stolpriger Sieg und stiller Triumph

Über Nacht ist also wieder der BVB oben in der Tabelle und mag gern überlegen, warum. Denn beim 2:1 gegen Mainz war nur die erste Hälfte überzeugend, die zweiten 45 Minuten gehörten den Gästen und Dortmund rettete Sieg und Tabellenführung dann irgendwie und mit einem starken Keeper Bürki über die Ziellinie.

Bayern kann am Nachmittag in Düsseldorf nachlegen und dürfte dies hochkonzentriert tun, ganz anders als beim 3:3 im Hinspiel. Dabei sind auch die beiden Trainigs- Prügler Comacn und Lewa. Beide wurden vom Trainer nicht bestraft, höchstseltsam. Und ob es für das Binnenklima förderlich ist, sei mal dahin gestellt. So etwas ist schwer einzufangen, aber auch das wird Kovac noch mitkriegen.

In Düsseldorf gibt es schon vor dem Spiel zwei Sieger: einmal die Fortuna selbst, der wohl kaum jemand zu  diesem Zeitpunkt 37 Zähler zugetraut hätte. Und auch nicht am Saisonende. Und dann noch Friedhelm Funkel selbst. Denn Vorszandschef Schäfer bekommt den Stuhl vor die Tür gestellt. Das ist derjenige, der im Winter noch Funkel erst zur Lame Duck und dann zum Rentner machen wollte. Nobel übrigens, daß Funkel die jüngste Entwicklung nicht kommentieren will. Vorerst jedenfalls.

Im Rennen um Europa haben Werder und Leverkusen vorgelegt, Wolfsburg zog in Leipzig den kürzeren. Hoffenheim kann an all diesen vorbei ziehen, falls ein Heimsieg gegen die Rückrunden- Hertha gelingen sollte. Klingt auf jeden Fall machbar für die Nagelsmänner und man mag diesmal gar nicht hinhören, wenn Dardai eventuell wieder Schuldige sucht für den Auftritt seines Teams.

Zum Abschluß wird Augsburg mit neuem Trainer dann in Frankfurt gastieren, das seinerseits die CL- Qualichancen verteidigen will. Für die Eintracht ist es das Spiel zwischen den Lissabon- Partien und es gilt die richtige Mischung zu finden zwischen Siegorientierung und Kräftehaushalt.

Genau darin sieht Augsburgs Trainer Schmidt die Chance für sein Team, steht zu vermuten. Der FCA kann mit einem Sieg Schalke überholen, mit einer Niederlage Stuttgart noch auf die direkte Rettung hoffen lassen.

Freundschaft, Hoffnung und 05er

Dieses 1:1 zwischen Nürnberg und Schalke könnte man ja beinahe interpretieren wie die Umsetzung der allseits bekannten Fan- Freundschaft zwischen den Anhängern beider Vereine. Zu dumm nur, daß dieses Ergebnis eher dazu führt, daß sie demnächst wahrscheinlich wieder eine LIga trennt.

Ein aberkanntes Tor und ein verschossener Elfmeter seitens Nürnberg. So läuft es eben (nicht), wenn Du unten drin stehst.

Nürnberg liegt damit weiterhin drei Punkte hinter den Stuttgartern, die diese Lücke noch vergrößern könnten, wenn sie ihr Heimspiel gegen Leverkusen nicht verlieren. Das kann durchaus vorkommen, da Bayers Fußball nicht mehr so rund läuft wie noch vor einigen Wochen. Der attraktive Kick zeigt inzwischen auch Risiken und Nebenwirkungen. – Doch auch Stuttgart ist erneut auf Formsuche, aber so lange niemand den Rang 16 angreift, können Weinzierl und Co. schon einmal potentielle Relegationsgegner beobachten lassen.

Hannover 96 beschäftigt sich bereits mit der 2.Liga, muß aber erst noch Ex- Coach Hecking und seinen Bald-Ex-Verein Gladbach empfangen. Die Borussia liegt vier Zähler hinter den CL- Rängen und ebenso vier Punkte vor den Sofaplätzen, wenn andere EL spielen werden.

Und Hecking? Wird im Vorfeld als nicht wankelmütig beschrieben, weil er nicht zurücktreten will. Nebenbei dürfte es um die Abfindung gehen, da wird er doch wohl noch sechs Wochen auf Abschiedstour gehen können. Zeit genug, über den Job des Bundestrainers nachzudenken, bleibt dann ja sicherlich noch. Bevor der nächste Verein ruft. Ob es wirklich 96 wird?

Vielleicht hochklassigen doch in der Regel torarmen Betriebssport halten Leipzig und Wolfsburg am Nachmittag bereit. Währenddessen muß Werder für Europa und den Kruse- Verbleib punkten. Gegner Freiburg hingegen sollte eine Reaktion zeigen auf die Abreibung der Vorwoche in Mainz.

Abends treffen sich dann die 05er in Dortmund. Mainz mit der etwas breiteren Brust nach dem 5:0 gegen Freiburg und dem ersten Sieg seit langem. Dortmund hingegen nach dem 0:5 im Spiel bei den Bayern mit der Hoffnung auf eine Antwort darauf.