Mitkandidaten und Wiedergutmacher

Eine Ecke, ein Freistoß und dann den Rest cool heraus gespielt. Sogar in Unterzahl für die Entscheidung gesorgt. So spielt ein Mitkandidat um die Meisterschaft, Nagelsmanns Leipziger, wenn sie konstant durch die Saison kommen. 3:0 heißt es am Ende in Bremen, bei dem sich auch physisch nichts geschenkt wurde, und mit dreizehn von fünfzehn Punkten steht Leipzig glänzend da.

Für den BVB geht es am Abend um Rang zwei im Spiel gegen Frankfurt. Insbesondere auswärts ein unangenehmer Gegner für die Dortmunder, allzu selten nahmen sie in den letzten Jahren Punkte vom Main mit. Die Eintracht wird vom 0:3 gegen Arsenal schnell umschalten wollen in den Ligabetrieb, das dürfte feststehen, auch wenn der Auftritt besser war als das Ergebnis.

Umgekehrt war es bei Gladbach, daher fordert Trainer Rose auch Wiedergutmachung von seiner Mannschaft, wenn es gegen Düsseldorf geht. Obendrein noch daheim, das kann schwierig werden, wenn Fortuna wieder ins Funkeln gerät. Vielleicht merkt Ösi Rose aber noch rechtzeitig, daß zuletzt gegen seine Landmänner aus Wolfsberg lediglich Doppelgänger in den Borussen- Trikots steckten?

Eine starke Reaktion auf die 1:5- Pleite in der Liga zeigte Paderborn bei der Hertha – holt aber wieder keinen Punkt beim 1:2, auch wenn der Aufsteiger die Gastgeber mitunter in Verlegenheit brachte. Neun zu eins Torschüsse und mehr als sechzig Prozent Ballbesitz zur Pause – für Paderborn! Aber am Ende stehen die Tore und Hertha dürfte es gedämmert haben, daß es am Ende nur auf den ersten Saisonsieg ankam. Egal, wie.

Bayern und Bayer holten Pflichtsiege, Leverkusen gegen Union und München gegen Köln. Beim 4:0 spielte Coutinho und traf erstmalig, Müller sah sich das ganze Spiel von der Bank aus an. Hinterher lobte Kovac Coutinho als Unterschiedsspieler, Müllers Frau dürfte schon den nächsten Social Media Post formulieren.

Ach ja, und die Wies’n hat begonnen. Hat zwar nix mit Fußball zu tun, durfte aber anscheinend in keinem Bericht aus München fehlen.

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Geknackt

Zeit genug hatten sie zum genauen Zählen und Platz genug war auch  bei den Wolfsburgern – 10112 Zuschauer kamen zum EL- Auftakt gegen Oleksandrija und sahen einen erwarteten Sieg des VfL. Den dieser wahrscheinlich abhakt und sich auf das erste Montagsspiel der Saison vorbereitet. Zum Betriebssport gegen Hoffenheim wird es wahrscheinlich wieder nicht voll im Laden.

Nicht voll, aber wesentlich besser gefüllt war das Stadion in Gladbach gegen Wolfsberg. Dafür bekam die Borussia dann die volle Ladung mit dem 0:4 gegen die Österreicher, die sich über den Abend ebenso gewundert haben dürften.

Und dann soll man wieder glauben, daß die Mannschaft ein Jahr lang darauf hingearbeitet hätte? Es fällt schwer und ich finde es ärgerlich, daß die Gruppenphase solche Nicht- Leistungen mit ihrem Modus wieder auffängt.

Auch Frankfurt kam unter die Räder, wobei beim 0:3 gegen Arsenal die beiden letzten Tore erst kurz hintereinander in der schlußphase fielen. Und außerdem hatte man gegen den Favoriten der Gruppe verloren. Hütters Jungs haben noch einen weiten Weg vor sich und die letzte Saison dürfte nicht mal eben reproduzierbar sein.

Die Chance auf die Tabellenführung in der Bundesliga hat Schalke am Abend. Ja, ausgerechnet Schalke im Heimspiel gegen Mainz 05. Ein Sieg mit drei Toren vorausgesetzt und damit ein weiteres Wagner- Festspiel. Das kommt gerade zur rechten Zeit, weil es die Querelen im Schalker Ehrenrat ein wenig in den Hintergrund rückt.

Wir erinnern uns: besagter Ehrenrat hatte ja den königsblauen Wurstbaron vom Vorwurf des Rassismus freigesprochen. Nun trat ein Mitglied zurück. Kornelia Toporzysek, in Düsseldorf tätige Richterin, verleß das Gremium.

„Ich bedanke mich für das Vertrauen, glaube aber nicht mehr daran, dass die vereinsinternen Strukturen eine meinem Arbeitsverständnis entsprechende Erfüllung der Aufgaben des Ehrenrats zulassen.“, so twitterte sie. Ich denke4, dafür hat die Frau den Auszeichnung „Rückgrat der Woche“ verdient.

Halb elf und nicht mal halb voll

Um halb elf ist Schicht. Also abends um halb elf. Bei VW. Und die Nachtschicht beginnt dann logischerweise auch. Da heißt es dann Dienst ist Dienst und Europa League ist Europa League. Doch letztlich ist dient der Sport in Wolfsburg ja eh nur zur Bespaßung der Belegschaft des Autobauers.

Und offenbar hat der Konzern noch zu wenig Einfluß bei der UEFA. Die setzte das Gruppenspiel gegen die Ukrainer aus Oleksandrija doch glatt auf 21 Uhr an. Keine gute Anstoßzeit und kein Knaller- Gegner – da werden nach Schätzungen des VfL gerade mal zehntausend Leute im Stadion sein. Wer sonst Platzangst bekomme, sei diesmal herzlich willkommen, sagt der VfL Galgenhumor können sie.

Derlei Probleme sollte Gladbach nicht haben, auch wenn der Gegner aus Wolfsberg jatzt auch nicht gerade der Kassenschlager ist. Trainer Rose dürfte mit seinen Landsleuten da wesentlich mehr anzufangen wissen. Und wenn RTL Nitro gut eingekauft hat, zeigt man dieses Spiel statt der leeren Ränge in Wolfsburg.

Zuvor schon empfängt Frankfurt im natürlich ausverkauften Stadion Arsenal. Ohne Özil, der ist in London geblieben. Seine Mannschaft ist trotzdem Favorit in der Gruppe, aber die Eintracht weiß eigentlich noch aus der Vorsaison mit der Außenseiterrolle umzugehen. Doch trotz der schon recht vielen Pflichtspiele in dieser Spielzeit: die Hütter- Mannschaft muß sich durch die späten Personalwechsel erst noch finden. Und sich arg strecken für einen Punktgewinn.

Den machte dreifach der FC Bayern gegen Belgrad klar. Deren Wandervogel Marko Marin erzählte dann doch glatt, er würde gern nach Frankfurt wechseln. Kommt bestimmt gut an bei seinem aktuellen Arbeitgeber… Beim 3:0 der Münchener durfte Müller immerhin noch sieben Minuten ran, besorgte den Endstand. Ist schon toll, wo er doch im Vorfeld so sehr davon erzählt hatte, den 16. Auftakterfolg in der CL holen zu wollen – und dann hockt er weitestgehend draußen. Wurde wahrscheinlich für Köln am Samstag geschont.

 

Millionenspiele

Das war ja wie gemacht für den Herausforderer ter Stegen im – eigentlich nicht existenten – Kampf um die Nummer 1: er hält einen Elfmeter von Nationalmannschafts-Kollege Reus beim 0:0 seines FC Barcelona in Dortmund. Und damit seinem Team den Punkt fest.

Leipzig hingegen feiert ein 2:1 bei Benfica Lissabon und ist nun wie schon in der Bundesliga Tabellenführer, allerdings eines arg kleinen Tableaus. Guter Einstand also für Nagelsmann auch auf europäischer Ebene. Ein besserer als seinerzeit in Hoffenheim.

Das Millionenspiel hat also begonnnen und im Gegensatz zu den geschliffenen Vorworten im Kicker ist es mir ziemlich wurscht, ob die Anteure nun eine ähnliche sportliche Gier an den Tag legen wie die Macher der UEFA im finanziellen Bereich. Ich seh’s halt eh nicht, mangels Abo. Das ist zwar immer noch ein wenig seltsam, aber ein kleiner Gewöhnungseffekt tritt schon so langsam ein.

Bayer und Bayern starten auch noch. Und sicherlich ist es eine feine Sache, wenn Bayern das 16. Mal einen ersten Gruppengegner besiegen kann. Diesmal übrigens Roter Stern Belgrad, bei denen ein gewisser Marko Marin gestrandet ist. Lange Zeit war er auf dem Transfermarkt umherirrlichtert.

Wen aber – mit Ausnahme der Hardcore- Bayernfans – interesiert diese 16er Statistik ernsthaft? Und soll daraus dann etwa die Story schlechthin gemacht werden?

Im Parallelspiel wird es um Höwedes gehen, der mit Lok Moskau in Leverkusen antritt. Letzte Saison war er schon auf Schalke im Trikot der Gastmannschaft aufgelaufen, das dürfte ungleich bewegender gewesen sein. Aber man nimmt halt an Geschichten, was sich einem anbietet.

Sportlich dürften sich da für Leverkusen und München keine allzu großen Brocken in den Weg stellen. Da ist es vielleicht auch gar nicht schlimm, wenn die quasi „unter sich“ spielen.

Rivalen

Wenn sogar der alte Erzrivale Lob ausspricht, dann muß es ja weit gekommen sein. In erster Linie wohl mit Alt- Schalker Olaf Thon, der den BVB als klaren Favoriten sieht. Und zwar nicht gegen seine Königsblauen, sondern gegen Barca. Und nebenbei behauptet er in seiner Kicker- Analyse, daß sich Bayern mit dem Hummels- Transfer nach Dortmund „keinen Gefallen getan“ habe.

Doch zurück zum Anfang im Endlos- Wettbewerb CL. Wer auf Messi live spekuliert hatte, der wird mit ziemlicher Sicherheit enttäuscht werden. Und Streik- Profi Dembelé wird auch bei Barca fehlen und somit die Rückkehr nach Dortmund verpassen. Vielleicht aber erlebt der geneigte TV- Abonnent ja den 16-jährigen Fati bei Barca. Der soll angeblich alle Anlagen zum großen Star haben. Vorausgesetzt, Barca hat ihn für die CL gemeldet oder ist geneigt ihn früh zu verheizen.

Im Gegenzug wird Paco Alcacer – der trifft, wie er will und auch, wenn er nicht von der Bank kommt – darauf aus sein, seinem Ex- Verein zu zeigen, daß sein Verkauf zum BVB ein Fehler gewesen ist.

Doch da wird er auf einen treffen, der nicht nur aufgrund seiner Position im Spiel ganz gegensätzliche Interessen verfolgt: Keeper Ter Stegen hat nach seiner geäußerten Enttäuschung über die Bankrolle bei den beiden letzten Länderspielen den Fokus für den Kick in Dortmund noch ein wenig mehr auf sich gelenkt.

Andererseits kann er halt gute Leistungen bringen, wie er will: an Neuer kommt er in Jogis Kasten nicht vorbei. Was Neuer nun in einem seiner wenigen Statements zu der Thematik nochmals unterstrichen hat. Worauf ter Stegen verbal konterte.

Ob Barcas Keeper nur ungeduldig ist, die Neuer- Nachfolge anzutreten? Oder Sorge hat, den Prinz Charles der deutschen Torhüter- Dynastie zu geben? Und in der Erbfolge übergangen zu werden? Oder geht er einfach im Hinblick auf die EM volles Risiko, auf die Gefahr hin, gar nicht dabei zu sein?

Mißverständnis und Mißverhältnis

Wenigstens gab es am Sonntag noch eine Überraschung in der Tendenz und eine in der Höhe bei den Abschlußspielen des Spieltags.

Was ist nur mit Hoffenheim los? Ist das der klitzekleine Unterschied zwischen Coach und (ehemaligem) Assistenten? Denn unter Schreuders Leitung ist die TSG ja kaum wiederzuerkennen, vier Punkte nach vier Spielen sind ja nun wahrlich eine magere Ausbeute und mit Ausnahme von Leverkusen waren ja noch keine Herkulesaufgaben verlangt worden. Ob da wohl irgendwann eine Pressemitteilung das Wort „Mißverständnis“ enthalten wird?

Nun also ein 0:3 gegen Freiburg, das den Breisgauern Platz drei gibt. Vor Bayern! Schalke ist im breiten Mittelfeld nach vorn geschossen durch das 5:1 in Paderborn. Wenigstens hatte der Aufsteiger früh geführt, wie in drei  seiner bisherigen vier Spiele.

Und ansonsten gab es ja ausreichend Aufreger an diesem Spieltag: Düsseldorfs Ausball, dann der indisponierte Unparteiische bei Union und Werder. Zwar wird er zurecht vom Schiri- Boss Drees gerüffelt, aber ob das der richtige Weg ist, es als quasi „dritte Instanz“ auf dfb.de zu tun?

„Hilfestellung“ kündigt Hertha- Manager Preetz für siene Trainer Covic an. Schlußlicht ist er, der einzige Punkt stammt aus dem Eröffnungs- Unentschieden bei den Bayern. Nun gegen Paderborn, das kann schon richtungsweisend sein, vielleicht auch Anderes als Hilfestellung hervorrufen?

In der 2. Liga flog bereits der dritte Trainer mit Kiels Schubert. Also muß bei den Störchen der nächste Neuanfang her. Gründe sollen wohl nicht allein in den miesen Ergebnissen liegen, nichts Neues bei vom Ex- Gladbacher trainierten Mannschaften.

Am Abend gibt es dann noch das Hamburger Stadtderby. Mich wundert ja schon, daß es überhaupt unter Flutlicht stattfinden wird bzw. darf.  Denn eher handhabt man es doch aus Sicerheitsgründen so, daß man die Chaoten beider Seiten gerne sieht. Vertrauensvorschuß seitens der Behörden oder aber hat sich einmal mehr der übertragende Sender durchgesetzt? Schließlich geht es ja auch um die Quote und da kann man nicht immer auf Anderes Rücksicht nehmen. Der Begriff „Risikospiel“ erscheint da gleich ganz anders, oder?

Fast schon gemütlich

Gegen den Samstag kann der Rest vom Spieltag ja erst einmal nur abfallen. Hoffenheim und Freiburg, das waren zuletzt mitunter umkämpfte Duelle zweier Teams, die sich taktisch gut immer neue Aufgaben zu stellen wußten.

Das aktuelle Aufeinandertreffen ist vor allem davon geprägt, daß Freiburgs Grifo, gerade erst aus Hoffenheim gewechselt, nicht mitspielen darf. Vertraglich geregelt beim Wechsel. Was TSG- Manager Rosen normal findet und Freiburgs Trainer Streich pragmatisch sieht, weil er ihn sonst nicht bekommen hätte.

Außerdem kann der SC ausgerechnet in Hoffenheim wieder zurückfinden in die Erfolgsspur nach der späten Heimpleite gegen Köln. Denn die TSG spielt unter Schreuder noch nicht richtig rund und phasenweise so, wie man es von den Hoffenheimern unter Nagelsmann gar nicht gewohnt war. Da läuft wohl noch der Kennenlernprozeß in Sinsheim.

Den Abschluß macht Aufsteiger Paderborn auf der Jagd nach dem ersten Saisonsieg gegen Schalke. Und sie jagen wirklich mit hohem Tempo dem Ball hinterher, dürften die Königsblauen zumindest ordentlich fordern und ihren ehemaligen Jugendkeeper Nübel mehr Arbeit machen als erwartet.

Schalke unter Wagner ist hingegen auf dem Weg in ruhigeres Fahrwasser, aber Herbststürme muß man ja bei diesem Verein stets einkalkulieren. Und notfalls ist auch mal ganzjährig Herbst, wie in der letzten Saison.

Noch aber sortiert sich die Tabelle ein wenig, mit Ausnahme der üblichen Favoriten. Gleiches gilt auch für Liga 2 mit den gefühlten Bundesligisten 19 bis 22, von denen der HSV das erste Stadtderby der Saison noch vor sich hat und die Spiele am Sonntag da nur wie ein Aufwärmprogramm wirken.