Moderne Zeiten ?

Irgendwie tut sich die Sparte Sport dann doch schwer, wenn nicht gerade Fußbälle über den Bildschirm fliegen, scheint es. Ist halt nicht wie in Italien, wo die Gazzetta dello Sport auch wirklich regelmäßig was zu schreiben hat.

Wer hätte etwas ähnliches hierzulande seriös (seltsame Wortwahl in dem Zusammenhang) versuchen können, wenn nicht Springer und Bild? Die „Fußball- Bild“ kam 2017 auf den Markt, erst im bilduntypischen grün und für ’nen Euro, dann für 1,50 und in rot.

Der Aufwand im überschaubaren Rahmen, vieles war die Sammlung der Inhalte sämtlicher Regionalausgaben der Bild. Dazu ein paar Stories und Interviews. Auflage jenseits der 300.000. (Zum Vergleich: das ist knapp die Anzahl derer, die nachts bei Sport1 die „Werbung“ 😉 schauen.)

Für die Fußball- Bild waren es nicht genügend und deshalb wurde sie eingestampft. Winter- Transfer vom Regal in den Papierkorb, wenn man so will.

Ähnlich schwer tut sich ja Sport1 seit Jahren. Marktanteile eher zu nachtschlafender Zeit, tagsüber mag man gar nicht mit Sportinhalten konkurrieren, wenn die großen Sender sporteln. Darüber dürfen die erfolgreichen Übertragungen vom Dart nicht hinwegtäuschen.

Also heißt es, auf einen neuen Zug aufzuspringen, den ja viele Fußballclubs bereits bestiegen haben: E-Sports. – Und so startet Sport1 einen Pay-TV- Kanal, der sich im deutschsprachigen Raum ausschließlich dem „elektronischen Sport“ widmen will.

Vor dreieinhalb Wochen (!) hat man dafür mit dem Moderatoren- und Kommentatoren- Casting begonnen. Natürlich werde ich nicht dafür bezahlen zu sehen, was dabei heraus kommt. Ich kann mir halt auch nicht vorstellen, daß es spannend ist, Anderen beim Daddeln zuzuschauen. Ob das Quote bringt? Und ob das wirklich Sport ist?

 

Kommt gut ins neue Jahr!

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Solidarität, wenn telegen

Der Steiger kommt nicht mehr, seit einer Woche endgültig nachdem in Bottrop die letzte Steinkohlezeche geschlossen worden ist.

Beeindruckend waren ja auch die Aktionen der großen Revier- Clubs, beide haben ja Energie- Lieferanten als Trikotwerbepartner. Dortmund sagte „Danke, Kumpel“. Schalke ging in Sondertrikots auf den Rasen, die jetzt für starke Preise versteigert werden. Hinzu kam eine Choreographie der Fans im fünfstelligen Euro- Bereich.

So weit, so bilderstark. – Doch was ist eigentlich mit all den Vereinen, wo die Steiger schon lange nicht mehr kommen? Damit meine ich mal diejenigen, die spielten und diejenigen, die auf den Trbünen ihre Arbeitskollegen anfeuerten? Vereine, die einst mit Schalke und Dortmund auf viel zitierter „Augenhöhe“ spielten.

Irgendwann traf man dort mal falsche Entscheidungen oder war zu abhängig von einem einzigen Macher. Und heute müssen sie in zeitlicher Konkurrenz zu den Global Playern antreten und tun sich logischerweise schwer damit, halbwegs vernünftige Regionalliga- oder Oberliga- Etats zusammenzukriegen.

Etwa die Spielvereinigung Erkenschwick, deren Niedergang bis in die Sechstklassigkeit mit der Schließung der Zeche dort einher ging. Ein heute viel zu großes Stadion, in dem sich wenige Zuschauer in der Sechstklassigkeit verlieren. Gelegentlich spielt(e) Schalkes A- Jugend dort die Jugend-CL, fernsehtauglich ist das Stadion ja. Wenn die Königsblauen ihr amateurstadion fertig haben werden, fallen auch solche Einnahmen weg. Und dann?

Der BVB kam zum hundertjährigen Vereinsjubiläum, viel hängen geblieben ist nicht hinterher, da ein großer Verein ja nicht kostenlos antritt und Erkenschwick für das Sicherheitskonzept zahlen mußte.

Es ließen sich noch weitere Clubs aufzählen, die nie wieder auch nur in die Nähe des DFL- Bereichs kommen werden, die aber einerseits ihre Bedeutung für den Fußball der Region hatten und deren Namen immer noch klingen – ob nun Oberhausen, Essen oder Herne.

Oder Wattenscheid 09, vor 25 Jahren noch Bayern- Ärgerer in der Bundesliga. Jetzt fehlen dreihunderttausend Euro, um die Viertliga- Saison zu Ende zu bringen.

Wäre es nicht ein Klacks für die großen kickenden Konzerne der Region – oder aber für die Fußballer, die der Verein hervor gebracht hat – Solidarität zu zeigen und diesen Vereinen unter die Arme zu greifen? Konkurrenten sind sie doch eh nie wieder.

Besinnungs – Sätze

Es ist ja generell eine feine Sache, wenn Menschen reflektieren. Da sollte man bei Fußballern keine Ausnahme machen, auch wenn es dort in der Regel seltener vorzukommen scheint.

Oder wie erklärt sich der Kauf eines Autos mit 720 PS, wo kann man die Karre denn mal richtig ausfahren? Rund um München anscheinend nicht, aber es braucht halt erst den schrottpädagogischen Ansatz, daß es auch der junge Coman kapiert. Zum Glück ist keiner Person dabei etwas zugestoßen.

Aber es geht ja gar nicht um ihn, sondern um die Reflexionen einen Jan Rosenthal. Der hat – außerhalb von Darmstadt unbemerkt – seine Karriere im Sommer beendet und kommt nun zur Schlußfolgerung, daß der Profifußball doch keine so feine Gesellschaft sei.

„Vielerorts wird die eigene Welt komplett überhöht – da beziehe ich mich auch genauso mit ein.“, sagte er dem „Sportbuzzer“. Da hat er recht – und entweder hat er seine Erkenntnis bislang nicht mit der Welt geteilt oder er hat dummerweise bis nach dem Karriere- Ende dafür gebraucht.

Stressig sei die Zeit als Profi für ihn gewesen, da er „am Wochenende nicht zur Familie konnte.“ – Das hingegen kommt mir vor, als würde sich ein Bäcker über das frühe Aufstehen beklagen oder ein Friseur darüber, anderen Leuten in den Haaren herumzuwühlen.

Am besten finde ich allerdings seine Rezension der medialen Auftritte der früheren Kollegen. „

Ich wüßte jetzt nicht, daß sich seine Interviews in aktiven Zeiten großartig davon unterschieden hätten. Das wäre sicherlich aufgefallen. – Schade, daß er das früher nicht mit den kontrollierenden Pressestellen seiner Ex- Vereine besprochen hat, aber da war dem jungen Mann wohl das Hemd näher als die Hose. Das Konto näher als die Courage.

Auch wenn er inhaltlich ja durchaus richtig liegt, so wirken seine Aussagen dann doch wie eine andere Form des allgemein üblichen Nachtretens. Hier halt gegen die ganze Branche.

Kind und Sohn, Pfanne und Funkel

Nein, natürlich habe ich nicht an den Weihnachtstagen auf Hannovers Trainingsplätzen vorbei geschaut. Wäre ja noch schöner…

Es gab ja auch nichts zu sehen,, denn die groß von Breitenreiter angekündigter Urlaubssperre über Weihnachten war halt doch nur heiße Luft. Drei Punkte aus den letzten beiden Spielen sollten es sein, einer ist es geworden. Und schon waren die gestrichenen Feiertage wieder – gestrichen, genau.

Es geht doch nichts über einen Trainer, der populistisch einen raushaut und am Ende dann nicht konsequent bleibt. Die Mannschaft sei enger zusammen gerückt und deshalb steige man heute wieder ins Training ein statt am 3.Januar. Daß Silvester und Neujahr frei sind – selbstredend, es sind ja schließlich großartige Feiertage….

Was soll man aus dem ganzen Geschwätz bei 96 schlußfolgern? Daß es eh keinen Unterschied macht, wieviel diese Truppe trainiert?

Den Trainer stellt ja offiziell niemand in Frage. Präsi Kind gab Breitenreiter eine Job- Garantie und Manager Heldt meinte sinngemäß, er habe keine Meinung, da das Wort des Prsis gelte. Wieviel Spielraum für’s operative Geschäft Heldt dann überhaupt für sich beanspruchen kann? Aber wenn selbst der Kicker sentimental argumentiert, Breitenreiter als „Sohn der Stadt“ habe Kredit…. wer kann sich dem schon entgegenstellen?

Nun ist Friedhelm Funkel zwar kein Sohn der Stadt Düsseldorf, aber Neuss ist ja nun wirklich nur eine Rheinbreite entfernt. Und dennoch ist es angeblich bislang „Kein Thema“ gewesen, mal über die Vertragsverlängerung für einen Trainer nachzudenken, der den Aufstieg geschafft hat und – Stand heute – die Fortuna auf Kurs Richtung Klassenverbleib lenkt.

Neu-Manager Pfannenstiel hat sich damit noch nicht beschäftigt und anscheinend fühlte sich vor dessen Amtsübernahme auch niemand anderes im Verein dazu bemüßigt, Nägel mit Köpfen zu machen.

Das wirkt seltsam nach außen. Und so, als ob man eine unnötige Baustelle riskieren wolle. Funkel, kann ich mir vorstellen, kennt seinen Wert und wird sicherlich nicht bis ins Frühjahr hinein warten wollen.

Laß‘ zu die Tür,…

Man soll ja nicht mehr so spät abends die Tür öffnen, wenn es klingelt. Doch was machst Du, wenn Rudis Tolle durch den Türspion erkennbar ist?

Heiko Herrlich hat aufgemacht, Völler die Kündigung überbracht und dann war endlich Klarheit geschaffen am Ende einer über Wochen gehenden Hängepartie. Wenigstens wurde nicht noch bis Heiligabend damit gewartet und wenn Herrlich ein wenig Galgenhumor besitzt, kann er die Beendigung dieses Zustands sogar noch als Geschenk interpretieren.

Und der Rudi läßt via Pressemitteilung fein formulierte Worte in die Welt senden. Und geht dann dummerweise doch noch vor ein Mikrofon. Dort wiederum sagt er was von der Chance, in der Rückrunde eine Aufholhagd zu starten, „auch aufgrund des gestrigen Heimsieges“…. Aber halt, der den Heimsieg geholt hat, wurde doch frisch gefeuert!?!

Vielleicht hätte sich Völler auch für sein Slapstick- Interview bei Sky entschuldigen sollen, schließlich kannte er das Ende der Geschichte und hätte schweigen können statt rumzueiern. Und nur um es aufzuklären: der Sky- Kollege ist immer noch im Amt, Völlers Trainer nicht mehr.

Hoffen sie in Leverkusen auf eine Knalleffekt mit Peter Bosz wie vor rund einem Jahr beim BVB? Dann dürfen sie aber nicht vergessen, den Niederländer rechtzeitig um Ostern herum wieder freizustellen, wenn es analog zu Dortmund anno 2017 dann vorbei sein könnte mit dem Zauber des Neuen.

Was haben sie in Wolfsburg von den Rängen den eigenen Trainer verlacht, Bruno Labbadia. Rund ein halbes Jahr später geht es für den VfL nach sechs ungeschlagenen Spielen mit fünf Siegen in die EL- Plätze über Weihnachten. Nach den letzten Jahren beinahe schon erschreckend schnell, obwohl Labbadia seine durchschnittliche Halbwertzeit, die er in anderen Vereinen hatte, schon überschritten hat.

Im Hintergrund sorgt Schmadtke als Manager für Ruhe, was man ja schon lange nicht mehr von jedem Strippenzieher in der Liga behaupten kann.

Und jetzt überstehen wir erstmal den Montag ohne Abend- Fußball und geben uns der Besinnlichkeit hin bis nach den Feiertagen. Gesegnete Weihnachten!

Bayern und Fortuna

Wenn es einem Mann der englischen Woche geben sollte – wann prämiert die DFL das endlich? – so wäre mein Kandidat Friedhelm Funkel. Drei Spiele, neun Punkte, das haben nur die Bayern hinbekommen – und eben Fortuna Düsseldorf.

Siege gegen Freiburg, Dortmund (!) und in Hannover. Letztere in der nachspielzeit und mit Torwarthilfe von Hannovers Esser. Aber egal, Düsseldorf hat binnen einer Woche sein Punktekonto von 9 auf 18 verdoppelt und vier Plätze im Kampf um den Klassenverbleib gutgemacht.

Tolle Leistung halt auch vom Trainer, dem zwei Dinge gelangen: beim Sieg gegen Dortmund sein Team dazu zu bringen, die Taktik durchzuhalten gegen individuell weitaus bessere BVB- Kicker. Und nun in Hannover seine Mannschaft von der Idee abzubringen, als Herbstmeister- Besieger gehe es bei der Keller- Konkurrenz mit weniger Aufwand.

Und es gab nicht wenige, die vor der Saison gemutmaßt hatten, Funkel möge aus der (Bundesliga-) Zeit gefallen sein.

Sieben Punkte Vorsprung hat Düsseldorf auf die Abstiegsplätze. Dort stehen Hannover, das angeblich über die Feiertage trainiert und dessen Trainer Breitenreiter eine Jobgarantie bekommen hat. Darunter noch Nürnberg, wo ein Trainerwechsel den Kader auch nicht besser machen würde. Was alle realistisch einzuschätzen scheinen.

Schalke hat sich mit dem 3:1 in Stuttgart bei Tedesco- Vorgänger Weinzierl eine Trainerdebatte zunächst erspart, in Stuttgart wird mehr um neues Personal auf dem Feld geredet werden. Den Coach hatte man ja bereits gewechselt, ohne den gewünschten Effekt.

Und Leverkusen siegt zwar gegen Hertha, das aber dürfte den Job von Trainer Herrlich kaum noch retten. Mal schauen, wann die Mitteilung kommt.

München ist wieder Zweiter, sechs Punkte hinter Dortmund, dank Le Franck, der seine Klasse mal wieder zeigen konnte und zwei der drei Treffer in Frankfurt markierte.

Hoffenheim und Wolfsburg können Eintracht noch aus den EL- Rängen schießen. Die TSG muß gegen Mainz ran, das in jede Richtung zu überraschen weiß. Und Wolfsburg kann mit einem Dreier in Augsburg schneller in die Top 6 der Liga vorrücken als man nach den beiden verkorksten Spielzeiten annehmen durfte.

Unter beiden Borussias

Das Feuerwerk, das im Gladbacher Block abgebrannt wurde, war – zurecht – verboten. Und das „Feuerwerk“, das man erwartet hatte, blieb über weite Phasen aus beim Borussenduell, welches die Dortmunder gegen die Gladbacher mit 2:1 gewann.

Oder sind die Erwartungen zu hoch, wenn zwei offensiv geprägte Teams aufeinander treffen, noch dazu als Erster und Zweiter der Tabelle? Wobei man halt nicht 90 Minuten offenes Visier verlangen kann, das ist klar. – Wenigstens geht das Ergebnis in Ordnung, da Mönchengladbach offensiv zu wenig tat um für einen Punktgewinn in Betracht zu kommen.

Dortmunds Favre dürfte sich vor allem darüber freuen, daß sein Team nach der Niederlage in Düsseldorf mit einem Dreier in die Winterpause geht.

Frankfurt, Leipzig und Berlin können nun dafür sorgen, daß das Feld der BVB- Verfolger noch ein wenig enger zusammenrückt. Wobei RB die vermeintlich am ehesten zu lösende Aufgabe mit Werder im Heimspiel hat und ich mir schwerlich vorstellen kann, daß sich Werner und Co. an den Gästen die Zähne ausbeißen werden. Im worst case des Wochenendes würde Werder bis auf Platz 11 fallen können. Das allerdings würde die Hinrunde auch nicht so recht widerspiegeln.

Hertha könnte mit einem Sieg in Leverkusen deren herrliche Zeiten beenden. Aber zum einen steht da die Verletztenliste entgegen – und zum anderen enden Herrlichs Tage unterm Bayerkreuz wahrscheinlich ganz unabhängig vom Ergebnis. Leverkusens Coach hat eh nur noch ein halbes Jahr Vertrag, die Ablöse fiele also gering aus und Prämien für Siege und Punkte konnte man ja bislang auch sparen. Also kein finanzieller Kraftakt, auch wenn das bei der Werkself sowieso kaum zutrifft.

Frankfurt kann es nochmal machen wie einst im Mai. Die Bayern schlagen und selbst auf drei Punkte heran rücken und obendrein sogar in die CL- Ränge, abhängig von RB. Solch eine Blamage wie beim 0:5 im Supercup gegen den Ex- Trainer Kovac dürfte es nicht noch einmal geben. Und jeder, der damals dachte, Adi Hütter könnte in seiner Heimat schon früh im Advent „Stille Nacht“ anstimmen, staunt immer noch. Und der Hütter singt erst am Sonntag.