(Z)weiter Bildungsweg

Welch eine schöne Geschichte für den Füllkrug mit seinem Tor gegen Spanien. Nominiert wegen guter Form in der Liga und nicht wegen irgendwelcher Erbhöfe oder alter Verdienste. Freut mich wirklich für ihn und nun darf spekuliert werden, ob er im letzten Gruppenspiel von Beginn an spielen oder doch besser von der Bank kommen sollte.

Da war er dann natürlich kein Kandidat für den Platz neben dem Flickhansi auf der PK. Klostermann durfte den Trainer begleiten, vor dem Spiel gegen Spanien machte sich Flick allein auf den ach so langen Weg – 95 km sollen es sein – vom deutschen WM- Quartier ins Medienzentrum. Das verstieß gegen FIFA- Vorschriften, kostete 10000 Euro Strafe und nun kam also einer derjenigen. die man gemeinhin als „Ergänzungsspieler“ bezeichnet.

Freut einen natürlich immer ganz besonders, wenn man einen Reservisten oder gleich gar niemanden bekommt. Denn Wunschspieler zu kriegen, das ist heutzutage eher die Ausnahme. Ob Trainingslager und der gleichen als Berichterstatter Spaß machen? Mitnichten.

Unterdessen sind Wales, der Iran und Ecuador ausgeschieden. Dass es für die Gastgeber nicht weitergehen würde, stand schon vor deren letztem Spiel fest. Und keine Sorge, das Turnier endet nicht mit dem Aus für Katar. Deren Trainer sprach übrigens neulich noch von einem Schub für die Region hinsichtlich des Fußballs. Das scheint man sich dort von der WM versprochen zu haben, der Rest der Veranstaltung dürfte nun eine Art Fortbildung vor der Haustür sein.

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Comeback oder Rückkehr

Das hat jetzt wirklich fast eine Woche gedauert, bis ich mir mal in Ruhe ein komplettes Spiel dieser WM angucken konnte. Argentinien gegen Mexico, nicht der Hammer, aber immerhin lange spannend. Tolle Bildführung, nur wenige Nahaufnahmen, danach schnell wieder in die Totale. Anders, als man es hierzulande seit der letzten EM handhabt. So macht es Spaß, das Spiel zu betrachten.

Mit dem 2:0 – ein Tor von Messi, wem sonst? – ist Argentinien wieder im Rennen ums Achtelfinale, das zuvor schon die Franzosen erreicht hatten. Doch müssen sie nun gegen Polen und Lewandowski ran, kein Selbstläufer.

Im Endspiel steht bereits die deutsche Elf, jedenfalls in ihrem eigenen. Ein Sieg gegen Spanien ist dringend nötig um eine Chance aufs Weiterkommen zu haben. Am Vormittag unserer Zeit spielt Japan gegen Costa Rica und bei einem Sieg der Japaner wäre schon ein Remis gegen Spanien zu wenig.Eine Niederlage der Deutschen und die zweite Weltmeisterschaft in Folge wäre nach der Vorrunde beendet. Die Spieler könnten sich dann auf den Weg zu ihren Vereinen auf deren PR- Reisen rund um den Globus machen oder schlichtweg schonmal regenerieren.

Drei Stunden Fahrt zum Ort der Vorab-PK nahm der Flickhansi auf sich, den Spielern wollte man solch eine Fahrt nicht zumuten. Stattdessen können sie abgeschottet vom Rest der Welt ein paar Gesten trainieren, die sie dann pünktlich zum Spiel aufführen können. Kann man in England eigentlich Wetten drauf abschließen, welche Vorstellung Neuer und Co. geben werden?

Dann sollen sie erfolgreich Fußball spielen. Hoffentlich sagt es ihnen jemand. Notfalls Hermann Gerland, der als Assistent im Rentenalter seine erste Weltmeisterschaft erlebt. Mich freut’s für ihn.

Das Spiel werde ich mir unterwegs anschauen, Euch allerdings mit dem Ergebnis und den möglichen Folgen zunächst allein lassen. Wir lesen uns hier erst am Dienstagabend wieder.

Weder zwei noch elf Freunde

Haben sich da jetzt wirklich noch die beiden Weltmeister von 2014 und aktuellen ZDF- Schnacker in die Haare gekriegt? Der Mertesacker (mag ja keine Öffentlichkeit und so, macht aber gern den Experten) und der Kramer (hat Fußball als Sklavenhandel bezeichnet, aber lebt ganz gut davon).

Nun gut, wenn es in der deutschen Nationalmannschaft schon rappelt, warum dann nicht auch bei den Altvorderen? Worum es ging, ist sicherlich auch schon wieder egal.

Und die Zeit der elf Freunde ist eh schon längst vorbei, gestand nun auch der Bierhoff ein. Für mich ja der Inbegriff der Kommerzialisierung der Nationalmannschaft, auch wenn er da sicherlich widersprechen würde.

Aber was sind sie dann? Elf Ich-AGs? Elf Influencer? Elf Möchtegern- Politiker? Dann verwies der Olli noch auf die Blockbildung früherer Jahrzehnte und ließ leider die Zeit vor hundert Jahren aus, als die Nationalspieler überwiegend aus Nürnberg und Fürth kamen und an entgegengesetzten Enden des Zuges einstiegen. Nur auf dem Spielfeld rauften sie sich zusammen.

Um ganz andere Konflikte geht es bei den anderen Mannschaften. In der serbischen Kabine hing eine Flagge mit den Umrissen des Kosovo, der „niemals aufgegeben“ werden sollte, so die Aufschrift. Keiner weiß, wie solch eine Fahne ans Spind kommt, klar….

Und die Mannschaft des Iran sang diesmal ihre Hymne mit, anders als beim ersten Spiel. Das ging bei deren spätem Sieg gegen Wales aber ganz und gar unter. Das Achtelfinale ist drin für den Iran, zum Abschluss der Vorrunde geht es noch gegen die USA. Ein Spiel, das weltpolitisch keinen Zündstoff mehr bietet, immerhin. Darüber vermag man sich dieser Tage ganz besonders zu freuen.

Konfli(c)ktfrei geht’s nicht immer

Beim Kicker kannst Du für Sonntag schon auf den Link zum Video Spanien gegen Deutschland klicken. Habe ich mal gemacht, ohne jede Erwartung und wurde nicht enttäuscht. Steht noch nix da. – Hätte es aber mega gefunden, wenn irgendein Scherzkeks mal das WM- Halbfinale von 2010 vorübergehend bei diesem Link hinterlegt hätte. Oder das 0:6 unterm Jogi.

Aber vielleicht gelingt ja im „Endspiel“ für die deutsche Mannschaft doch noch die Kehrtwende bei diesem Turnier? Obwohl der Flickhansi angeblich ja zu nett sei, auf Harmoniewechsel setzen soll bei seinen Auswechslungen. Bei der Nicht- Nominierung vom Hummels ging er sicherlich auch den bequemeren Weg. Und offenbar hat immer noch niemand beim Mats angerufen um zu fragen, wie er das Spiel gesehen hat. Und ob überhaupt.

Da entgeht einem beinahe schon, dass der inzwischen vereinslose Ronalde mit seinem Führungstreffer beim 3:2 Portugals gegen Ghana nun bei fünf WM- Turneiren getroffen hat. Einmalig, CR7 – und vielleicht ja der Türöffner zu einem neuen Verein und Vertrag.

Zum früheren Wintertransfer- Weltmeister Hertha BSC wird es ihn schon nicht gleich verschlagen. Zumal dessen Wertverlust sich jetzt beim Verkauf der Windhorst- Anteile dokumentiert. Eine „Private- Equity“- Gesellschaft aus den USA kauft dem einstigen German Wunderkind seine Anteile ab. Viel Spaß damit und der Hertha ein paar ruhigere Zeiten. Allerdings müssen der Verein und die DFL dem Deal noch zustimmen. Für beide aber ist ein Windhorst nun wahrlich kein Aushängeschild.

Was beim einen der Wertverlust ist, ist bei anderen der Rabatt. Das deutsche WM- Trikot wird hier und da mit 20 Prozent Nachlaß angeboten. Vielleicht ist da in der nächsten Woche noch ein bisschen mehr drin.

Frost- und Frustgefühle

Herrjemine, die Frau Ginter hat gefroren. Der ganzen Welt hat sie ihre Gänsehaut gezeigt. Hätte ihr denn niemand sagen können, wie bitterkalt zwanzig Grad sind, geschweige denn gefühlte fünfzehn? Die Uhrzeit lag immerhin dazwischen, von sechzehn bis achtzehn Uhr Ortszeit in Katar hat ihr Mann bei der Nationalelf… tja, auch nur auf der Bank gesessen.

Doch während Frau Ginter der Welt bei Instagram ihre Gänsehaut fotografierte und ihre Nobel- Handtasche, verlor das Team ihres Mannes gegen Japan mit 1:2. Und während man vorher den Mund hielt – in der Sache sehr angenehm, in der Gestik infantil – ging es in den Interviews danach so richtig los.

Basti Schweini traute sich, die Schwachstelle Süle zu benennen. Den Schlotterbeck, der nicht in den Zweikampf kam, oder die kurze Ecke, in die der Ball dann einschlug,… aber er muß ja den anderen auch noch was zum Kritisieren übrig lassen.

Etwa dem Gündogan, Elfmetertorschütze zur vorübergehenden Führung. Der kritisierte nach dem Spiel die Offensivkräfte. Der Flickhansi ging auch in die namentliche Kritik Richtung Süle. Können wir daraus auf die Stimmung in der Mannschaft schließen? Der Müllerthomas immerhin fand alles „aberwitzig“.

Aber witzig ist es wirklich nicht, wenn man zum zweiten Mal in Folge in der Vorrunde rausfliegen sollte. Wenn es gegen Spanien ebenso schief läuft wie gegen Japan, dann erhöht sich die Wahrscheinlichkeit, am zweiten Advent bei den Lieben daheim zu sitzen.

Und ich bin jetzt schon gespannt, ob uns das dann als ausgeklügelte Form des Protests verkauft werden wird. Auf alle Fälle muss Frau Ginter dann nicht mehr frieren.

Aus der Kleiderkammer

Mal mit ein wenig Abstand auf die Sache mit der Binde geschaut. Etwa in die FIFA Equipment Regulations zum Thema Spielführerbinde.

„13.8 Spielführerbinde: 13.8.1 Bei FIFA-Endrunden muss der Spielführer jedes Teams die von der FIFA bereitgestellte Spielführerbinde tragen. Falls die FIFA verschiedene Spielführerbinden bereitstellt, sollte ein Modell getragen werden, das sich am besten vom Ärmel abhebt, über dem sie getragen wird. 13.8.2 Die von den Spielführern der Teams bei anderen Wettbewerben und bei internationalen Freundschaftsspielen getragenen Spielführerbinden: 13.8.2.1 müssen sich farblich klar vom Ärmel abheben, über dem sie getragen werden, 13.8.2.2 dürfen nicht ins Trikot eingearbeitet werden, sondern müssen von diesem getrennt sein, 13.8.2.3 dürfen keine Herstellerkennzeichen, Sponsorwerbung oder Dekorationselemente enthalten, 13.8.2.4 dürfen das Wort „Spielführer“ aufweisen (oder eine Abkürzung oder eine Übersetzung davon), das in leserlicher Schrift mit maximal 5 cm hohen Buchstaben geschrieben ist.“  

Gerade der erste Punkt liest sich doch recht eindeutig: irgendeine eigene Kreation mitzubringen, so edel die Motive auch sein mögen, haut nicht hin.

Formal pocht die FIFA halt auf Einhaltung dieser Regularien. Ob das schon „Erpressung“ ist, wie der neue Mediendirektor des DFB, Steffen Simon, tönt?

Jedenfalls ziehe ich das Ding dann durch, lasse den Kapitän gelbe Karten kassieren. Und wenn es gelb- rot wird, weil er sich weigert die bunte Binde abzunehmen, dann spielst Du halt mit einem Mann weniger. Oder kassierst so viele gelbe Karten, dass ein Spiel abgebrochen werden muß.

Insgeheim hatte ich mich auf solch ein Szenario eingestellt. Das aber, wissen wir, passiert nun nicht.

Und was bei Holland- Trainer van Gaal noch kritisiert wurde, nämlich die von ihm angemahnte Fokussierung auf das Sportliche, hören wir nun von Thomas Müller, wenn auch mit anderen Worten.

Wer von uns Fußballern erwartet, dass wir unseren Pfad als Sportler komplett verlassen und unsere sportlichen Träume, für die wir ein Fußballerleben lang gearbeitet haben, aufgeben, um uns politisch noch deutlicher zu positionieren, der wird enttäuscht sein.“

Das ist ähnlich klar formuleirt wie die Paragraphen der FIFA. Dass es einem genauso wenig schmeckt, dürfte auch klar sein.

Und der Müllerthomas und die anderen Bayern- Vertreter sind ja ab 6. Januar schon wieder in Katar. Zum Trainingslager mit dem Verein.

Zuhause traut man sich

Da freue ich mich schon wieder auf die nächsten Zeichen, die gesetzt werden. Am besten mit kryptischen T-Shirt- Botschaften am Rande eines x-beliebigen Freundschaftsspiels im Frühjahr. Weit weg von denjenigen, denen man die Message heimbringen möchte.

Dann kann man wieder erklären, dass man durch die Teilnahme an einer WM in Katar die Aufmerksamkeit auf das lenkt, was dort im Argen liegt. Man kann das Merchandising erweitern, man kann sich mit dem Lufthansa- Jumbo ablichten lassen, man kann sein Profilbild ändern.

Aber wenn es dann drauf ankommt,… dann ist man genauso zweikampf- feige wie es im modernen Fußball üblich ist. Dann kneift man den Schwanz ein. Papiertiger und Maulhelden sind für die großen Fußball- Nationen unterwegs, wer hätte das gedacht?

Nix mit dieser selbstgeklitterten One Love- Binde. Stattdessen die vorgegebenen Ausrüstungen der FIFA. Und dazu gehören eben auch Kapitänsbinden.

Wer an der Endrunde teilnimmt, erklärt sich auch damit einverstanden, das zu tragen, was die FIFA will. So ist das irgendwo in deren Statuten festgelegt. Was gibt es daran nicht zu verstehen, liebes Kopfballungeheuer Kramer beim Geschwätz im ZDF? „Affentheater“ nennt er es. – Nein, dfie FIFA pocht auf den Vertrag.

Aber es bleiben dann eigentlich nur zwei Reaktionen: entweder ich bleibe dem Turnier trotz Qualifikation von vornherein fern. Oder aber ich lasse es drauf ankommen, sorge für einen Eklat und ziehe das Team dann zurück. Auf die Idee, eine zweite Binde einfach drüber zu streifen, kommt beim DFB doch eh keiner.

Hosenloser gesichtet und ein PR-Kick

Ohne Hose ins Stadion von Doha? Das geht, klar. Zwar nicht als Ausdruck von Toleranz seitens der Ausrichter dieser WM. Aber immerhin als nach wie vor deppertes Löwen- Maskottchen der WM 2006, vom Boulevard aus durchsichtigem Anlaß zum „Kult- Maskottchen“ erhoben. Tip und Tap, die beiden sich umarmenden Jungs zur WM 1974, hätten da mehr Aufmerksamkeit verdient gehabt.

Und als der Hosenlose dann mit den Anderen verschwunden war, soll es auch Fußball gegeben haben. Katar unterlag erwartungsgemäß 0:2 gegen Ecuador. Muß eher schmeichelhaft gewesen sein.

Interessanter war da gewiß die Weiterentwicklung des VAR, die schon nach drei Minuten des Turniers vonnöten war, aber wohl nicht ganz einwandfrei funktionierte.

Unterdessen tat die deutsche Mannschaft ihre Schuldigkeit gegenüber dem Veranstalter FIFA. Training mit Gästen. Andere Teams kickten ein wenig mediengerecht mit Volunteers oder Gastarbeitern, die Deutschen miot Mädchen. Wohl aber mit Mädchen der landesansässigen Akademie von Paris Saint Germain. PSG hat solche Einrichtungen ja auf der ganzen Welt verteilt, ich war vor zwei Jahren mal beim Düsseldorfer Ableger.

Also nichts von wegen katarischer Mädchen, die Bock aufs Fußball erlernen haben. Wo wollen wir da den Schwerpunkt setzen? Mit Mädchen in Katar „trainieren“ oder an einer Schein- Veranstaltung teilzunehmen, wie andere Mannschaften auch? Klingt ein wenig so wie der Diversity- Flieger bis Oman.

England, die Niederlande und die USA greifen über den Tag verteilt ins Turnier ein. Mal sehen, wen es vor Ort interessiert. Denn so richtig fußballbegeistert soll sich das Publikum nicht einmal bei der eigenen Mannschaft gezeigt haben.

Langer Torwart, lange her

45 1/2 Jahre ist es her, dass er im Europapokalfinale der Landesmeister in Rom gegen den FC Liverpool das Tor von Borussia Mönchengladbach hütete – Wolfgang Kneib. Ob er damals ahnte, dass er noch mit 41 Jahren im Kasten stehen würde? Und heute gleichermaßen bei der Borussia und bei Arminia Bielefeld als Vereinslegende gefeiert wird?

In Bielefeld beerbte er 1980 den jungen Uli Stein und blieb auf der Alm bis zu seinem Karriere- Ende 1993 im seinerzeit gar nicht so seltenen hohen Torwart- Alter. Ging den Weg mit seinem Verein in die Drittklassigkeit. Wenn man so will, von Rom nach Wanne- Eickel, Schöppingen oder Buer- Hassel. All das in seiner ruhigen und sachlichen Art, in den ersten Jahren noch im grün- blauen Ganzkörpertrainingsanzug während der Spiele. Fußball war seinerzeit noch keine Show- Veranstaltung.

Aus der Torwart- Rolle fiel er nur zweimal so richtig: als zweimalig erfolgreicher Elfmeterschütze und in einem Spiel dann als Mittelstürmer, weil Bielefeld nicht genügend Profis für ein Spiel zusammen bekam. Mit der Nummer neun: Wolfgang Kneib. Getroffen hat er trotz seiner 1,96 nicht.

Er hat das verschmerzt wie auch manch anderes. Etwa, dass er eine Saison lang ohne Anstellung war, sich in Löhne beim Amateurligisten fit hielt und beim Arbeitsamt erfuhr, dass er als Künstler geführt würde. Torhüter haben die damals wie heute keine vermittelt.

Und ’ne rote Karte hat er mal kassiert. Und weil sich sein Stellvertreter im Spiel nach seinem Platzverweis verletzte, kam der damalige Schüler und heutige Kicker- Kollege Michael Richter zu seinem einzigen Bundesliga- Spiel, ein 3:4 gegen Werder. Weiß wahrscheinlich kein Mensch mehr.

Ich hatte vor Jahren das Vergnügen, mit Kneib ein Stunden- Live- Interview zu führen. Ein Gespräch mit einem freien Mann, damals Anfang sechzig, der den Verein, bei dem er lange Zeit seiner Karriere verbrachte, ebenso offen wie kritisch sah – ihm aber dennoch nach wie vor die Daumen hält. Ob ich dabei erwähnt hatte, dass ich als kleiner Junge direkt hinter seinem Kasten beim Training stand wie die anderen – und zwar wirklich direkt hinter dem Netz, sowas ging damals noch – das weiß ich jetzt gar nicht mehr so genau.

Heute wird er 70 Jahre alt – Herzlichen Glückwunsch!

Wer noch Zeit hat,…

Neun Expertinnen und Expertinnen, neun Kommentatorinnen und Kommentatoren und dazu noch ab und an ein weiterer Experte abhängig vom Spiel – das ist allein das Aufgebot der Sportfreunde von Magenta TV, dem Ableger der Telekom. Die vier oder fünf Moderatorinnen und Moderatoren wollen wir nicht vergessen. Allen voran Johnny B. Kerner, der sich selbst im Sportsegment recyclet.

Aber man soll sich nicht lumpen lassen, wenn man alle 64 Spiele erworben hat und kann dann Dauerschleifen präsentieren von morgens um 11 bis in die mitteleuropäische Prime Time hinein. Zwei Stunden liegt uns Katar voraus, also hocken die Leute dort bis kurz vor Mitternacht in den Stadien bei immer noch knappen 30 Grad.

Ich hatte diese Erfahrung mal vor ein paar Jahren in Luxemburg bei einem Nations League- Spiel gemacht. Spielende gegen 23 Uhr im November, danach noch PK etc., da fragst Du Dich wirklich, ob Du noch alle Latten Zaun hast. Oder der Veranstalter, der diese Zeiten festlegt.

Sonntag geht es also los, Katar eröffnet gegen Ecuador seine Prestige- WM. Live ohne mich, das steht schonmal fest. Ich werde sicherlich einiges anschauen, aber halt auch nicht alles. Und wenn die Bildführung so miserabel ist wie seit der EM und mir mehr Zwischenschnitte als Fußball bietet, wird auch da noch reduziert.

Immerhin scheinen auch „richtige“ Kataris zu kicken und nicht wie vor ein paar Jahren bei der Handball- Weltmeisterschaft (über die sich recht wenig echauffiert worden war) internationale Altstars, die kurzerhand katarisiert worden waren. Und was hatte ich insgeheim schon gehofft, dass ein Max Kruse plötzlich mit einem Paß von Katar… aber der zockt anderswo.

Freuen wir uns also drauf, dass auch diese Weltmeisterschaft nur vier Wochen in Anspruch nimmt. Und vielleicht entdeckt ja der eine oder die andere auch mal wieder die kleinen Vereine nebenan. Es wäre ihnen zu wünschen.