Arm und hilflos

Das haben wir ja schon vor einem Jahr gelernt, als sich die Düsseldorferin Ute Groth zur DFB- Präsidentschaftswahl vorschlagen lassen wollte: wie viele ordentliche Mitglieder hat der DFB?

Exakt 26. – Die fünf Regional- und 21 Landesverbände, obendrein noch die DFL e.V., also den Ligaverband.

Das ist als Hintergrund interessant zu wissen, wenn Schatzmeister Osnabrügge Gedanken zurückweist, der DFB solle doch bitte den Vereinen insbesondere im Amateurbereich unter die Arme greifen. Denjenigen, für die der Fan noch eine bedeutende Größe darstellt, vor allem im Etat.

Da die Vereine nun aber Mitglieder der Landesverbände sind, sollten diese doch bitte Hilfen geben. Der DFB könne dies nicht, weil: siehe oben. Zumal wäre der Laden, der sich gern als der größte Sportverband der Welt feiern läßt, pleite, wenn man wirklich jedem der kleinen Clubs 25000 Euro gäbe. Und um die Gemeinnützigkeit fürchtet man in Frankfurts Otto- Fleck- Schneise auch gleich mit. Wobei ich mit dem DFB zwar „gemein“, dann aber eher auch Eigennutz verbinde. Aber das ist eine andere Baustelle.

Während also der Schatzmeister die Hand auf seinem „Schatz“ hält, will Vize- Präsi Koch dann gleich die Politik zur Rettung derer ins Boot holen, die jedoch keine ordentlichen DFB- Mitglieder sind. Muß man nicht verstehen, gibt aber gute Schlagzeilen. So volksnah, der Mann!

Und erstmal sieht er aus wie ein Eigentorschütze. Denn statt die Beiträge wie von Koch erbeten zu stunden, will die Pflichtversicherung namens Berufsgenossenschaft die Beiträge wie angekündigt erhöhen.

Daran werden vor allem die Viertligisten an der Schwelle zwischen Amateurdasein und Profitum zu knabbern haben. Und scharfe Worte des DFB- Schatzmeisters dürften da auch bestenfalls trösten, kaum helfen. Denn helfen kann er ja sowieso nicht. Sagt er.

Fußball mit Abstrichen

So ein Samstag geht auch ohne Restegucken vorüber und alte Fußballkonserven werden nicht besser, wenn man sie statt als Wiederholung nun als „re-live“ etikettiert.

Besser wäre der Konsum dieses Dosenfutters aber für manch Obere der Liga und DFL gewesen. – An dieser Stelle Dank an @sigurd für den Link zum „Stern“. – Vielleicht ist es wirklich der „neue Fußball“, von dem der Hoeneß aus seinem Ruhestand heraus gewarnt hat?

Denn auf Biegen und Brechen soll es im Mai dann weitergehen mit dem Ligabetrieb. Zwar ohne Fans – und das wohl noch lange Zeit – aber dafür mit Fernsehgeldern und dem gewissen C- Faktor.

Corona- Tests alle drei Tage, vielleicht mal hier ’ne Quarantäne, dort eine Spielverlegung. Hauptsache, der Ball rollt, die Kohle fließt und ein klein wenig Ninja Warrior – Effekt wird das Ganze schon aufpeppen. Die Sportwetten erst recht. Oder doch nicht?

Nur bitte: keine englischen Wochen! Da haben Dortmund, München und Leipzig nun wirklich noch andere Verpflichtungen und völlig mit der UEFA vergrätzen will man es sich ja auch nicht.

Stichwort Fünf- Jahres- Wertung, da opfern sich besagte Clubs quasi für die Liga nach ihrem Selbstverständnis. Wer soll da ein Veto einlegen?

Die Spieler geben sich ungeduldig, den Fans wird ebenfalls Ungeduld suggeriert – und man kann sich seit ein paar Tagen nicht des Eindrucks erwehren, da werde eine Szenerie aufgebaut, in der der Fußball ja gar nicht mehr anders kann als den Betrieb – natürlich völlig selbstlos – wieder aufzunehemen.

Edel rollt der Ball, hilfreich und gut. Wer das nun wirklich glaubt,…

Ohne Gipfel

Das fiel mir dann doch wieder ein, daß ja am Nachmittag Dortmund und Bayern gegeneinander spielen sollten. Und Favre mit seinem BVB den Abstand verkürzen wollte auf München. Mal so ganz spontan: wieviele Punkte Differenz waren das gleich noch?

Und nun hätte man trotz aller Fußballaffinität doch fast vergessen, daß der vermeintliche Saison- Höhepunkt flach fällt. Lewandowski- Comeback? Der Kerl kann sich Zeit lassen? Götze auf der Bank? Na und? Es geht eh schon um seinen nächsten Verein, wozu dann auch Oli Bierhoff irgendeine Meinung kundgetan hat, vielleicht sogar seine eigene.

Statt alledem wird es wieder eine virtuelle DFL- „Challenge“ geben, dem E- Sport seine Nische. Ansonsten erfreut man uns mit Wiederholungen, phantasievollerweise irgendwas mit Dortmund und Bayern.

Auch soll es verschlüsselt eine alte Konferenzschaltung geben. Wer’s mag, ich verrate auch das Ergebnis nicht. Hauptsache, es wird nicht diese ewige Schalke- Meister der Herzen – Konferenz, die ist doch nun wirklich „durch“, oder?

Wenigstens erwärmt noch diese Meldung die Bayern- Herzen, daß der Flickhansi nun seinen Zweijahres- Vertrag unterschrieben hat. Vielleicht sogar mit dem aufgenötigten Kugelschreiber von Rolex- Kalle.

Das gibt Planungssicherheit und die Bayern – wie einige andere – scheinen nun nicht zu den Vereinen zu gehören, die erstmal zahlungsfähig bis in den Sommer kommen müssen.

Gleich dreizehn von 36 DFL- Vereinen drohe eine Insolvenz bis zum Sommer. Manche haben wohl schon die noch zu erhoffende Rate an TV- Geldern gleich an die Banken abgetreten, liest man im Kicker.

Nebenbei ist es ein geschicktes Druckmittel in der Debatte um die Fortsetzung der Liga mittels Geisterspielen. Zuvorderst zeigt es aber auch, wie sehr die Vereine davon abhängen, daß sich das Rad der Geldvermehrungsmaschine immer weiter dreht. Wen mag es überrollen?

Bank am Stück?

Wenn sich manche Prognosen bewahrheiten und es in diesem Jahr keine Spiele mehr mit Zuschauern geben sollte – oder überhaupt keine – dann hätte Schalkes Alex Nübel nur zweieinhalb Jahre auf der Bayern- Bank vor sich.

Das macht die Sache nicht besser, aber er – oder wenigstens sein Berater – werden isch schon was beim Wechsel nach München gedacht haben. Und die Bank- Rolle hat er ja vor der Spielpause auch schon in Gelsenkirchen einüben können.

So richtig in die Grütze gepackt hätte er aber in dem Fall, wenn Bayern- Keeper Neuer tatsächlich den gewünschten Vier- Jahres- Vertrag erhalten sollte. Mal die Überlegung außen vor gelassen, ob Neuer mit 39 noch alle drei Tage Top- Leistung liefert. Aber für Nübel sieht das nach einem Platz in der ersten Reihe aus. Vielleicht noch ein paar Testkicks und die erste Pokalrunde.

Ob er sich das gut überlegt hat? Oder wirklich glaubt, er kann Neuer während dessen neuem Vertrag ablösen? Dann wäre sein Selbstbewußtsein beinahe größer als sein Talent. Und nicht vergessen: er hat gerade ein Jahr Bundesliga- Spielpraxis.

Wobei sich die Bayern ja auch um andere Sachen kümmern müssen: mit dem Müllerthomas sind sie wohl handelseinig geworden. Dem Boateng haben sie ’ne Geldstrafe aufgedrückt und einem Fan Hausverbot erteilt, der mit einem Banner gegen Montagsspiele demonstrierte – dummerweise als „Bayern- Amateure“ und nicht als Privatperson. Da ziehen Kalle und Co. durch.

Der Spruch des Tages aber stammt von Gladbach- Torwartlegende Wolfgang Kleff zur aktuellen Lage. „Mal abwarten, was in neun Monaten höher ist: Die Geburten-Rate oder die Scheidungs-Quote…”

Von Marken und Botschafte(r)n

„Der Kampf ist noch nicht zu Ende. Wir schaffen es! Das gilt für Werder und für unser aller Kampf gegen Corona.“ – sagt Bremens Altinternationaler Max Lorenz in der Bild und zumindest im zweiten Teil seiner Aussage pflichten ihm viele wohl bei.

Ob aus Teil 2 dann auch Teil 1 folgert, mag nach den 25 geschafften Spieltagen bezweifelt werden. Aber vielleicht kommt es darauf ja nun wirklich nicht zwingend an. Möge sich Lorenz weiterhin guter Gesundheit erfreuen und auch irgendwann wieder ins Stadion gehen können. Letzteres liegt an den äußeren Umständen.

Immerhin erfährt man dieser Tage dann auch mal, wie es so manchem Ex- Spieler geht. Nun, da die unzähligen Experten nichts zu bewerten haben und man selbst nicht manchmal schauen muß, wer diese Experten überhaupt sind.

Aber es gibt ja noch ganz andere Jobs in diesem Millionengeschäft. Zu Lorenz‘ aktiver Zeit war es die Regel, lange Zeit bei einem Club zu spielen. Logischerweise können heute noch Leute komplette Aufstellungen aus den Siebzigern aufsagen.

Und weil das so schön funktioniert, entwickelte sich irgendwann der Typus des „Markenbotschafters“. Das meint eigentlich dasselbe wie „Gesicht des Vereins“, klingt aber mehr nach kommerzialisiertem Fußball und Marketingsprech, der ja so wichtig geworden ist.

Bayerns Markenbotschafter werden immer dann auffällig, wenn die aktuelle Mannschaft eine Meisterschale nach München holt. Dann stehen die Oldies Spalier, roter Trachtenjanker, Lederhose, und plaudern mit den Jungs von heute, die dann hinterher fragen, wer denn dieser alte Herr gewesen sei.

„Elber“ heißt es dann. Oder „van Bommel“. Und demnächst auch Pizarro, der mit 41 Jahren dann noch einmal zu Bayern wechselt. So wird es jedenfalls dargestellt. Na, jedenfalls repräsentiert er dann auch in München und nicht bei Werder.

Klar, das war mal wieder pfiffig – vielleicht, so mag man sich gedacht haben, kommt Pizza dann für ’ne Leihgebühr zur Freimarkt- Eröffnung oder einem Meisterjubiläum. In Zeiten wie diesen wird der Euro schon mal umgedreht.

Maigeister

Sich eingestehen, daß die Saison sportlich im Eimer ist? Bloß nicht! 🙂 Da macht es kaum einen Unterschied, daß sich die DFL diesmal virtuell „getroffen“ statt an einem großen Tisch gesessen hat.

In Mai und Juni soll es also volle Pulle in den Geister- Saisonendspurt gehen. Mit allem Drum und Dran – also Sky, DAZN und nach Wettkampfpause um Form suchenden Kickern.

Daß die dann schon nächste Woche optional mit dem Training irgendwie – individuell, virtuell, mit Klopapier oder in Kleingruppen – beginnen, während der Rest des Landes Kontaktsperren befolgt…. ist egal, denk ich. Von der Vorbildfunktion haben sich weite Teile des Geschäfts doch schon lange verabschiedet.

Entsprechend offen kann DFL- Chef Seifert dann auch rüberbringen, daß Geisterspiele bis in die nächste Saison reichen könnten. Eventuell auch bis Weihnachten.

Aber sagt mal, was wäre denn, wenn sich die Leute bis dahin dran gewöhnt haben, ihr Geld nicht in die Stadien zu tragen? Pay-TV, Sportschau oder nichts?

Ob das der von Hoeneß angekündigte „andere Fußball“ sein wird? Da ist es nicht ganz so unklug, wenn sein Nachfolger Kahn dem Neuer nicht sofort den geforderten Vier- Jahres- Vertrag hinterher werfen will. Auf welcher vernünftigen Basis soll denn derzeit über Gehälter in solch einem Zeitraum gesprochen werden?

Weg von solchen Verhandlungen hat sich Andreas Rettig bewegt, seit seinem Rückzug in St. Pauli ist er Privatier. Und großer Befürworter der „Nudeln- und- Spiele“- Aktionen. Geisterspiele in den Stadien seien „für das Wohlbefinden der Menschen“ wichtig.

Meine Güte, wie selbstlos doch die DFL ist, hm? Da sollten wir doch glatt mal versuchen, ob uns die Krankenkasse das Pay-TV- Ticket finanziert, oder?

Egal, wo

Es sind keine medizinischen Nebenwirkungen der Pandemie, sondern erstmal auch nachvollziehbare Versuche, die Blätter und Sportteile auch in diesen Zeiten irgendwomit zu füllen. Zum Beispiel mit „Szenarien“, wie das jetzt so stylish heißt.

Übersetzt: wie kriegt man die Saison zu Ende? Den Rest an Romantik hat man ja schon vor vierzehn Tagen in die Tonne getreten, ganz offen geht es nur noch darum, wie man eine Gegenleistung erbringen kann zu den heiß benötigten Fernsehgeldern.

Das abgefahrenste Szenario bot der Boulevard mit der Konzentration aller ausgefallenen Spiele auf die neun Erst- und Zweitligastadien in NRW. Und dann wird es durchgezogen: Mannschaften in Hotel- Quarantäne, regelmäßige Tests und zu den Spielen ab in den Bus und spielen. Das Personal der Unterkünfte bliebe natürlich auch in Quarantäne, selbstredend.

Am besten drei oder vier Anstoßzeiten, wenige Spiele parallel, damit Brot bzw. Nudeln und Spiele die Fans auch zu Hause bleiben lassen.

Und mal ganz banal gesagt: wenn sich auf ihren weltweiten Werbetouren Hertha und Frankfurt irgendwo in den USA treffen, warum dann nicht in Bochum oder Bielefeld?

Eines der Denkmodelle, das die Liga- Clubs per Videoschalte verabschieden könnten, kommt dieser Bild- Variante wirklich nahe: nicht in NRW, aber an bundesweit vier Standorten sollen Spiele und Einquartierungen stattfinden.

Bayern- Kalle bringt unterdessen in einem Interview in der FAZ eine Saison- Verlängerung bis in den Herbst hinein ins Spiel. Es hängt halt alles davon ab, wann der Ball wieder durch die leeren Stadien rollen darf. Dem „wo“ mißt er anscheinend eine andere Bedeutung bei?

Man weiß es nicht, aber im Grunde fällt nach dem Faktor Fan nun auch noch der Faktor Ort quasi raus. Teilweise tat er das ja bereits jenseits der DFL durch teils wirre räumliche Verlegungen. Fragt gern Erstrunden- Amateure im Pokal.