Gedreht

Am Ende war es doch kein Unentschieden im Firmenduell zwischen Leipzig und Salzburg. Und obwohl es spannend war, so war das 2:3 über 90 MInuten nicht unbedingt so attraktiv wie manch einer erhofft hatte. Im Gegenteil – gegen Ende wurde es recht griffig und giftig, aber auch das kommt bei Betriebsfesten zu später Stunde ja mal vor.

Zwei verletzungsbedingte Wechsel und fünf freiwillige hatte Rasenball- Ralle vorgenommen. Und damit so richtig danaben gegriffen. Wechselte zur Pause dreifach plus das System. Was erst wenig brachte, aber Leipzig kämpfte sich von 0:2 zum vorübergehenden Unentschieden heran.

Mich überraschten die vielen Fehler im Aufbau bei Leipzig – was desto überraschender kommt, da man ja quasi gegen das eigene System spielt und dennoch unter Druck Wirkung gezeigt hat. Salzburg spielte mitunter einen Ticken zielstrebiger und interpretierte seinen Tempofußball auch durchaus kreativ – alleine die zweifache Hacken- Vorbereitung des Siegtreffers war klasse!

Leverkusens Werkself war da in Rasgard wesentlich erfolgreicher: aus 0:2 mach‘ 3:2. Ich wette, manch einer hat die Amtszeit von Trainer Herrlich schon auslaufen gesehen. In der Liga heißt es dann nachlegen, anderenfalls wird das viel diskutierte Ende Herrlichs auf der Bayer- Bank lediglich aufgeschoben.

Die größte Überraschung des Abends aber gelang wohl der Frankfurter Eintracht beim Geisterspiel in Marseille. Wieder brachte sie ihr Spieler Willems – wie bereits neulich in der Liga – in Unterzahl. Diesmal aber drehten zehn Frankfurter den frühen Rückstand und gewannen 2:1.

Beide Auswärtssiege könnten somit der „Dosenöffner“ für den Liga- Alltag gewesen sein und vielelicht durchbricht auch eines der Teams die Regelmäßigkeit, daß Europa League und Abstiegskampf oft einhergehen.

Den gibt es zum Auftakt des nächsten Bundesliga- Spieltags zu sehen. Stuttgart gegen Düsseldorf – und gegen die Erwartungshaltung im Umfeld des VfB. Die Kehrseite der guten Rückserie, die Stuttgart gespielt hatte. Und dann dürfte sich aucb bald herausstellen, ob der „Aufhol- Trainer“ Korkut denn ausreichend Kredit hat. Beim Anhang und der Vereinsführung.

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Mit sich selbst

Was soll er denn auch sagen, der Dosen- Didi? Natürlich und selbstverständlich gibt es keinerlei Stallorder, wenn seine – formal korrekt ehemaligen – Teams aufeinander treffen. Würde ich an seiner Stelle auch in die Blöcke diktieren. Andere Aussagen wären unklug.

Was aber, wenn beim Rückspiel zwischen Leipzig und Salzburg in der EL beide die Chance haben, bei einem bestimmten Ergebnis weiterzukommen? Bis jetzt ist es nur reine Theorie, man wird gegebenenfalls genau hinschauen.

Und außerdem ist es sicherlich auch ein wenig reizvoll zu sehen, wie so ein Duell „Wir gegen uns“ ausgeht. Schließlich wechselten im Laufe der Jahre 25 Spieler zwischen den beiden Vereinen, 18 gen Leipzig, sieben nahmen den umgekehrten Weg. Man kennt sich also und Rasenball- Ralle predigt ja nicht umsonst immer wieder von der RB- DNA. Auch wenn sie ausgerechnet unter seiner Übergangszeit noch wiedergefunden werden muß.

Wie albern kommt es einem rückblickend vor, daß es vor Jahrzehnten mal (traf es AC Milan? Weiß ich nicht genau…) seitens der UEFA die Vorgabe gab, Mannschaften mit demselben Trikotsponsor dürften nicht gegeneinander antreten außer ein Team verzichtet auf den Werbeaufdruck.

Das traf dann das Unternehmen, das heute bei den Bayern auf der Brust wirbt. Auch beim vorauserwarteten 2:0 in Lissabon, wo Müller von Kovac noch zwei Minuten Spielzeit und seinen 100. CL- Einsatz bekommen hat. Konnte dann gleich Interviews dazu geben, duschen brauchte er wohl kaum.

Auf die Statements nach dem Spiel werden auch die Fans der Frankfurter Eintracht angewiesen sein. Denn das Spiel in Marseille findet ohne Zuschauer statt und Frankfurter dürfen sich nicht einmal in der Stadt aufhalten unter Androhung von Strafen. Ob das rechtlich wirklich haltbar ist? Denn Frankfurter müssen nicht zwangsläufig Eintracht- Fans sein und umgekehrt.

Leverkusen kickt dann noch in Rasgrad. In Normalform eine Pflichtveranstaltung für Herrlichs Jungs, aber diese Aussage enthält die entscheidende Einschränkung.

Auf den ersten Blick

Schön, die Schalker können es laut Kicker- Ticker auch auf eine „strittige Elfmeter- Entscheidung“ zurückführen, daß sie nicht gewonnen haben gegen Porto. Immerhin gehen sie mit einem 1:1- Unentschieden aus dem CL- Auftaktspiel heraus. Und das mag nach den drei Bundesliga- Pleiten so manch einer als königsblauen Hoffnungsschimmer betrachten. Andere halten das sicherlich für übertrieben.

Der schwarzgelbe Nachbar hat vom Ergebnis her mit dem 1:0 in Brügge besser abgeschnitten – daß beim Siegtor ein Dortmunder angeschossen wurde, spricht Bände. Angeblich hatte man ohne Abo nichts versäumt bei diesem Kick, in dem Götze mitspielen durfte und sogar ein Kagawa aktiv dabei war. Auch ergalt ja als einer derjenigen, die es schwer haben würden in der neuen Saison und denen man „keine Steine in den Weg legt“, wie es dann immer so galant heißt.

Wenn sich das mal nicht genauso mittelmäßig anhört wie – auch von uns hier – im Vorfeld befürchtet worden war. Und darum warnt ja auch der Kalle gleich alle anderen vor einem schlechten Abschneiden auf europäischer Ebene. Die heilige Fünfjahreswertung, um die sich die Bayern ja eigentlich weniger Gedanken machen müßten als Abo- Meister der letzten und wohl auch der nächsten Jahre.

Das wiederum läßt den Chef von Sky auf den Plan treten, der sich natürlich für seine zahlende Kundschaft doch ein wenig mehr Wettbewerb in der LIga wünschen dürfte. Läßt sich besser vermarkten, logisch. Doch die Finanz- Schere der Vereine geht ja auch durch die Sky- Rechtezahlungen an die UEFA immer weiter auseinander.

In Lissabon tritt München an, Ajax und Athen sind die nächsten Gegner. Da sollte das Weiterkommen doch schon fast sicher gebucht werden können. Und zwar unabhängig vom Personal, das Kovac zur Verfügung steht.

Hoffenheim spielt gegen Donezk und muß zeigen, ob die blutige Nase aus der letztjähtigen Europa League schon verheilt ist – das gilt für den Kader und den Trainer. Nagelsmann will sich ja mit einer mehr als nur ordentlichen Saison gen Leipzig verabschieden. Die Niederlage in Düsseldorf vom Samstag muß sich da als negativer Rausreißer entpuppen.

 

TV free !

Ja, so ist das mit dem schleichenden Vorruhestand: da ist ein Kicker wie Mario Gomez nicht mehr im Drei- Tages- Rhythmus in der halben Welt unterwegs und schon hat er ein Problem: wo sieht er die alten Kumpels, wo die Stadien, in denen auch er früher mal gekickt hat?

Da macht es der Alt- und Ex- Internationale dann wie jeder Fußball- Fan: er macht sich Luft. Für die braucht er immerhin noch kein Abo.

Für’s Fußballschauen aber schon. Und da merkt man erst – oder bekommt es verdrängt – daß wir in einer Woche sind, in der bisher eigentlich jeden Tag ein Fußballspiel zu sehen war. Also frei empfänglich. Montags 2.Liga, Dienstag und/ oder Mittwoch CL und am Donnerstag EL, bevor es am Freitag dann mit dem Ligabetrieb weiter geht.

Gut, immerhin gibt es ein EL- Spiel donnerstags auf Nitro. Wahrscheinlich das am wenigsten explosive Spiel, denn dafür soll man ja anderswo bezahlen. – Und ich weiß nicht, wie es Euch geht: aber ich habe auf’s Reste- Gucken ganz wenig Lust. Und dabei ist es fast egal, welche Reste mir da aufgetischt werden.

Schön, daß Gomez das gleiche Problem hat und mit seiner geäußerten Empörung kommt er beim Fan gewiß auch gut an.

Und so sieht er oder sieht nicht, wenn Dortmund und Schalke in die CL starten. Der BVB fährt Kurzstrecke nach Brügge. Trainer Favre warnt pflichtschuldigst und an den Einsatzminuten von Götze wird sich abmessen lassen, wie schwer er den Gegner wirklich einschätzt. Wobei Aki ja sagt, der Mario macht derzeit alles richtig. Was aber kann man auf der Bank falsch machen?

Wesentlich spannender scheint da das Duell der beiden früheren Dortmunder Trainer zu sein: Klopp gegen Tuchel oder Liverpool gegen Paris St. Germain. Beide sind in ihren Ligen gut gestartet und man erinnert sich ja noch an packende Duelle zwischen Kloppo und seinem BVB-Nachfolger, als der noch schwarzgelb trainierte. Diesmal aber ist es für ausgewähltes Publikum. Auch gut.

Überraschungs- Letzte

Zweimal Gondorf, zweimal Gomez trafen beim 3:3 zwischen Freiburg und Stuttgart und machten das Spiel so zum Go- Go- Derby, nach dem beide Teams ihren ersten Saisonpunkt feiern konnten.

Das hilft zwar weder dem SC noch dem VfB entscheidend weiter- aber immerhin kann man auf diese Art Leverkusen und Schalke die beiden letzten Plätze in der noch jungen Tabelle überlassen. Übrigens zwei der Vereine, die in dieser Woche die europäischen Grupenspiele bestreiten.

Schalkes Trainer Tedesco hat also seine erste kleine Krise bei den Königsblauen und man darf neugierig sein, wie er damit umgehen wird. Schließlich denkt mancher Schalker an den miserablen Start unter Ex- Trainer Weinzierl. Tedesco dürfte allerdings ein wenig mehr Kredit haben.

Für alle Notfälle spang ihm sein Gladbacher Besieger Hecking schon mal zur Seite und kritisierte die Kritiker.

Das tat im Vorfeld des Bayern- Spiels gegen Leverkusen auch Niko Kovac bei Heiko Herrlich. Schnell hat Kovac verinnerlicht, daß man als Bayern- Coach zu allem etwas zu sagen haben muß. Vor allem, um die tägliche Pressekonferenz zu füllen und vielleicht auch den Fokus von eigenen Themen abzulenken.

Wer Herrlich nach dem Spiel in München zur Seite springt? Die üblichen Verdächtigen, allen voran der Rudi, in erster Linie Gesicht von Bayer 04 und erst dann Manager. Und so seltsam es nach dem zweiten Spieltag schon klang, nach einem neuen Trainer zurufen – der körperlose Auftritt der Mannschaft in München kehrte dies Ansinnen vielleicht auch nur nach außen.

Ob bei Beiden, Leverkusen und Schalke, die Auftritt in CL und EL dazu nützen, die Wogen zu glätten? Andererseits: wenn es in Razgard für Leverkusen auchnichts zu holen gibt, sehen wir den Völler wieder öfter am Mikro, denke ich.

Schlecht gemauert, gut gemauert

Duda drunter durch – für mich schon jetzt die Szene des Spieltags, wie Herthas Ondrej Duda in der 90. Minute den Freistoß Ronaldo- like unter der Wolfsburger Mauer ins Tor schoß. Daß der VfL nochmal ausgleich konnte, nimmt der Hertha zwar zwei Punkte. aber vielleicht war das Unentschieden im Überraschungs- Spitzenspiel auch in Ordnung so.

Spitzenreiter ist kaum überraschend Münchens Star- Ensemble, welches allerdings den Sieg gegen Leverkusen mit zwei schweren Verletzungen bezahlte. Von „Freiwild“ war gleich wieder die Rede und der Uli forderte gegen den foulenden Bellarabi gleich noch eine Sperre wegen Dummheit.

Bei all der berechtigten Aufregung ist dem Boulevard jedoch nicht entgangen, daß Le Franck nach der dritten Auswechslung seines Trainers schon vor Spielende die Ersatzbank verlassen und mit dem Taxi die Arena verlassen haben soll. Angeblich sei alles abgesprochen, zitiert ihn Bild.de auf Nachfrage. Man darf gespannt sein, was Kovac oder Kalle oder Uli dazu äußern werden.

Verwundern durfte einen das – abgesehen von manchen Fouls – seltsam passive Spiel von Bayer Leverkusen. Ob das wirklich die Vorgabe von Trainer Herrlich gewesen ist? Null Punkte nach drei Spielen, schlechter geht die Ausbeute kaum noch und der letzte Platz ist die logische Folge.

Schalke verliert einmal mehr in Gladbach und kann noch Vorletzter werden, wenn sich im ausstehenden schwäbisch- badischen Duell der punktlosen Freiburger und Stuttgarter ein Unentschieden ergeben sollte. Freiburgs nach Jupp- Aussagen bester Mann ist wieder dabei, Trainer Streich coacht wieder. Gegenüber Korkut hat sicherlich bereits gemerkt, daß die Lobeshymnen der letzten Rückrunde mit jedem sieglosen Spiel mehr verklingen.

Werder trifft dann noch auf Nürnberg, Ambitionen auf Aufsteiger, ein Heimsieg brächte Kohfeldts Jungs in die internationalen Ränge. Doch Nürnberg ist noch schwer einzuschätzen, zumal es Mitaufsteiger Düsseldorf vorgemacht hat, wie man Qualität durch Intensität auch mal mit glücklichem Ausgang kompensieren kann. Funkels Fortunen haben die ersten vier Punkte zum Klassenverbleib bereits auf dem Konto.

Latentes Brodeln

Hat er gespielt und wenn ja, wie lange? Nein, gar nicht. Auch beim 3:1 des BVB gegen Frankfurt war Mario Götze 90 Minuten lang in der allerersten Reihe der Zuschauer: auf der Bank halt. Immerhin dort hatte er noch Platz, nachdem ja im Vorfeld schon von der Tribüne gemunkelt worden war.

Er jat es wirklich nicht leicht, denn die Fallhöhe von Rio 2014 bis zum Bankplatz 2018 ist eben enorm hoch. Und daß der zweite Coach in Folge keine Verwendung für ihn findet, dürfte alle Beteiligten gleichermaßen frustrieren. Seine drei Einwechslungen hätten „Schwung gebracht“, so Favre in der PK nach dem Spiel. Schwung, den er von Götze anscheinend nicht erwartet.

Ganz anderer Schwung ist derzeit bei RB Leipzig gefragt. Das „Glücksrad“, auf dem Strafen ausgedreht werden für kleine Verfehlungen der Kicker, rotierte medial jetzt satte drei Tage. Man darf fragen, warum sich Ralle und Co. dermaßen entblöden und mit diesem Kram davon ablenken, daß es sportlich kein ganz so gelungener Start geworden ist wie es ihren Ansprüchen genügt. Schlimm genug: niemand benennt dies so.

Nun geht es gegen Hannover – klar, Leipzig sollte Favorit sein. Hannover kann aber überraschen, auf und neben dem Platz. Manager Heldt wettert doch tatsächlich gegen den neuen europäischen Wettbewerb. Obwohl Hannover durchaus ein Kandidat dafür sein könnte. Da mag wohl einer nicht nach Baku oder Reykjavik fliegen….

Heiko Herrlich soll schon die Sicherheitsgurte angelegt haben, vor zwei Wochen suchte Leverkusen angeblich schon einen Nachfolger. Inzwischen hat sich das Thema gelegt und eine Niederlage bei den Bayern sollte wohl nicht über einen Trainerjob entscheiden.

In Schalke dürfte es bei einer Niederlage beim Angstgegner in Gladbach hingegen schon ein wenig brodeln. Mit drei Pleiten wären sie dann in die Saison gestartet und hätten sicherlich wieder die Weinzierl- Saison vor dem geistigen königsblauen Auge.

Das Spiel der Überraschungsteams aber steigt zwischen Wolfsburg und Hertha und ein wenig hat man den Eindruck, beide Vereine wissen nicht so genau, warum das nun gerade so ist. Man wird es hinzunehmen wissen. 🙂