Eher wen(i)ger

Ob Arsenals Arsène Wenger es im letzten seiner 22 Jahre schafft, einen europäischen Titel zu holen? Nach dem 1:1 im Heimspiel gegen Atletico sieht es eher weniger danach aus. Und das, obwohl ie Spanier schon nach neun Minuten einer weniger waren, da der Schiedsrichter früh gelb-rot gegen einen der ihren gezogen hatte. (Diese Linie dann aber nicht durchhielt,) Und Trainer Simeone flog fast gleich hinterher.

Es war ein temporeicher Kick, unterhaltsam, bei dem sogar Fehlabspiele optisch noch gut rüberkamen. Und es zeigte sich die kämpferische Einstellung Atleticos, sich irgendwann in Unterzahl soweit ins Spiel zurückzubringen, daß sie dieses Manko zu kompensieren wußten.

Es war aber auch ein typisches Arsenal- Spiel. Man will es zu schön machen, der Ansicht Wengers folgend, daß Fußball eine Kunstform sei. Nur wenn die Truppe dann den Ball ins Tor tragen will und lieber einmal öfter als einmal zu wenig abspielt, wenn sie ihre erdrückende Dominanz nach der gelb- roten Karte nicht nutzt – dann fängt sie halt noch den Ausgleich.

Das große Gegenteil der Wengerschen Kontinuität findet sich im Bundesliga- Mittelmaß. Seit etwa einem Jahr ist Horst Heldt als Manager bei Hannover 96 verantwortlich und hat nichts Besseres vor als Sondierungsgespräche in eigener Sache zu führen sobald jemand bei ihm anfragt.

Nach Köln im Winter nun Wolfsburg, dessen Chaos Heldt offenbar dem eigenen Tollhaus vorzieht. Aber nicht dorthin darf. Präsi Kind sagt nein, die aufgerufene Ablöse wollte der VfL nicht zahlen, Hannover seinen wankelmütigen Helden nicht für fünf Millionen ziehen lassen.

Also fährt Heldt am Abend mit nach Hoffenheim und jeder weiß, er wünscht sich woanders hin. Und fragt sich, ob er 96 wirklich die Daumen hält, schließlich liegen die ja nur sechs Punkte vor dem Nachbarn aus Wolfsburg. Kümmert sich ums Tagesgeschäft und um neue Spieler, die er dorthin holen will, von wo er flüchten möchte. Spieler, die am besten keine Zeitung lesen.

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Oldtimer- Treffen

Ein Team im Schnitt 29 Jahre alt, das andere 30. Da waren Oldtimer bzw, Erfahrung auf hohem Niveau unterwegs. Auch wenn dieses hohe Niveau nicht immer auf die Piste kam. Weil etwa Robben nach nicht einmal zehn Minuten schon wieder zu Müller- Wohlfahrt, dem Inbegriff ewiger Jugend, in die Wartung mußte. Und vom Feld.

Boateng auch noch verletzungsbedingt raus, das nimmt natürlich Optionenum später im Spiel nochmal taktische Wechsel vornehmen zu können. Doch beim 1:2 der Bayern gegen Real schien nicht einmal klar, daß raffinierte Wechsel irgendeinen Effekt auf den Spielausgang gehabt hätten.

Zu oft kam Bayerns vorletzter Ball nicht an oder sie standen sich gegenseitig im Weg. Daß die Entscheidung zugunsten Reals durch einen läppischen Konter zustande kam, setzt all den innigst betriebenen Gegneranalysen schon die Krone auf.

Und sonderlich attraktiv war der Kick nun auch nicht. Gegen Ende ging auch Le Franck die Puste aus, für eine gelbe Karte reichte es aber noch.

Schon beginnt das Mutmachen für den Tanz in den Mai im Rückspiel nächste Woche Werden Statistiken gewälzt und schließlich hat sich Bayern im Vorjahr ja auch im Rückspiel in eine Verlängerung gerettet – die dann aber vergeigt.

Da fällt dann schon gar nicht mehr auf, daß es zuvor noch zum Spiel gegen den neuen Trainer kommt. Oder zur Generalprobe für das Pokalfinale. Gegen Frankfurt und Kovac. Ob da zwei B-Teams spielen? Schließlich geht es ja um Schonung oder Pause für die Bayern und um „verdeckte Karten“ für Frankfurt.

Alles nebensächlich, denn natürlich geht es um den Henkelpott. Real dürfte aber aus seinem Heimspiel gegen Juve gelernt haben. Und wenn dann noch CR7 richtig mitspielt statt sich auf Anwesenheit und wenige Szenen zu beschränken,… Kann Lewandowski seine angeblich Ambitionen, für Madrid zu spielen, wohl ad acta legen.

Und immer wieder…

Bayern und Real, das hat ja fast schon was von Dinner For One. Alle Jahre wieder und selbst der „Tiger“ namens Effenberg darf dann nicht fehlen. Plötzlich sind die Bayern wieder da oder sowas ähnliches hat er von sich gegeben.

Gut gebrüllt, Tiger. Aber was will Effe damit jetzt sagen? Egal. – Same procedure as every year, oder zum wievielten Male spielen München und Madrid jetzt in der CL in einer der letzten Runden?

Da dürfte wohl die Tagesform mit entscheidend sein, vor allem die von Christiano Ronaldo – oder aber ob die Bayern wirklich in der Lage sein werden, ihn so weit einzuschränken, daß sie zu elft ein Tor mehr schießen als CR7 und seine zehn Kumpels.

Bei Bayern hoffen alle wohl eher auf den Jupp und daß er weiß, wie man Real ausschaltet. 2013 hat es immerhin geklappt. Und er dürfte auch nach zwanzig Jahren immer noch motiviert genug sein, es dem Gegner zu zeigen – hat man ihn doch nach dem CL-Gewinn mit Real anno ’98 dann entlassen, quasi noch mit dem Pokal in der Hand.

Ob das alleine reicht für den Finaleinzug?

Ich schwanke ja noch ein wenig, ob ich mir das alljährliche Spielchen anschaue. Irgendwie scheint es der Vorbote einer Super- oder was auch immer Liga zu sein, in der Duelle gegen Madrid schon ähnlich lange Statistiken füllen wie gegen Frankfurt oder meinetwegen Kaiserslautern.

Die treffen die Bayern unterdessen auf Jahre hinaus nur noch im Pokal. Die Älteren wie Kalle oder Paul werden froh sein. War es doch Breitner, der einst die Punkte in die Pfalz per Post verschicken wollte, weil es stets schwierig war, dort etwas mitzunehmen.

Nun ist der Abgang Kaiserslauterns in Liga drei so gut wie sicher. 20 JahreOtto- Meisterschaft wird demnächst dort gefeiert – danach gastieren Lotte und Jena am WM- Spielort von 2006. „Weicheier“ nennt Mario Basler die Leute in seinem Ex-Club und bietet sich als Helfer an. Das aber hätten sie dort nun wirklich nicht verdient.

Mal auf den (Rasen-)Ball treten

„Was mir und den Spielern im Moment am meisten Sorgen macht, ist die Gegentorflut“, so Rasenball- Ralle im Kicker. Was fällt auf? Okay, der Esel nennt sich stets zuletzt, aber das meine ich ja gar nicht.

Nein, etwas anderes: ihm und den Spielern macht da etwas Sorgen. – Wer fehlt? Eben! Der Trainer, Ralph Hasenhüttl. Und erzähle mir bitte niemand, Ralle habe den nur vergessen in der Aufzählung. Das kann man durchaus als so gewollt annehmen.

Denn irgendeiner muß ja auch schuldig sein daran, daß RB Leipzig nicht gleich im zweiten Jahr Bundesliga die Bayern als Meister ablöst oder, wenn das schon nicht geht, dann wenigstens einen europäischen Titel abgreift. Schließlich ist höher, schneller, weiter, gewürzt mit einem Schuß Extremsport, ja die Maxime des Flügel- Verleihers im – mehr oder weniger Hintergrund.

Entsprechend ja auch die „DNA“ des RB- Fußballs, zunächst in Salzburg, nun in Leipzig. Dauertempo, das zunächst Roger Schmidt in Österreich und Alexander Zorniger jeweils mit dem Ralle als Sportdirektor von den Spielern aufführen ließen. Und als Zorniger damit keine Ergebnisse mehr einfuhr, installierte sich Ralle eben selbst als Trainer – weil er nach eigener Ansicht schlichtweg keinen besseren fand als sich selbst.

Bis er dann Hasenhüttl angeblich – beinahe so gut wie Bayern und Kovac – irgendwo in Österreich an der Autobahn und noch mehr ganz zufällig getroffen hatte und ihn aus Ingolstadt loseiste. Für den war der Schritt von Audi zu Red Bull auch einer vorwärts.

Und nun kommt das Problem: Hasenhüttl läßt inzwischen nicht mehr ausschließlich Ralles Fußball aufführen, was dem wiederum stinkt. Allerdings dürfte der (Noch-) Trainer auch selbstbewußt genug sein, eigene Entscheidungen treffen zu wollen. Oder anders betrachtet: will Rangnick nur einen Strohmann, der den Kopf hinhält, wenn’s schief geht?

Und das passiert zwangsläufig häufiger, denn das zweite Jahr ist immer das schwierigere in einer neuen Liga. Hinzu kommt: Dort, wo RB hin will, sind plötzlich Vereine unterwegs, die auch eine Menge Kohle reinstecken können. Und da reicht es vielleicht auch nicht, den Gegner auf attraktive Art niederrennen zu wollen. Aber zur Not kann sich Ralle ja mal wieder selbst auf die Bank bequemen.

Abwärts

Ja, theoretisch geht’s noch. Aber wenn neun Punkte noch vergeben werden und der 1.FC Köln acht Punkte Rückstand auf Rang 16 hat und von den letzten drei Spielen auch noch eine gegen die Bayern dabei ist: geschenkt, das war’s nun endgültig und der Geißbock meckert nächste Saison in Liga 2.

Das 2:2 gegen Schalke war zu wenig und nur noch ein Achtungserfolg einer Mannschaft, die bis auf wenige Rausreißer in der Rückrunde vor allem mit dem Glauben an das Unmögliche sich immer wieder gepusht hat. So ist Trainer Ruthenbeck auch einer der Gewinner – vor allem, da für ihn selbst offenbar schon recht früh klar war, daß er im Sommer nicht weitermachen darf. Trotz seiner Zweitligaerfahrung.

Jetzt darf man gespannt sein, welcher der Kölner Spieler denn wirklich den Schaden wiedergutmachen will und mit in die zweite Liga geht.

Konkurrent Hamburg hat dem FC Augsburg bei deren 2:0 gegen Mainz ganz kräftig die Daumen gedrückt. Die Plätze 14 bis 16 verlieren synchron und jetzt kann der HSV wirklich noch auf den letzten Drücker zurück ins Geschäft kommen. Sieg in Wolfsburg? Nicht unmöglich, was auch am VfL liegt. Ein Sieg in acht Spielen unter Labbadia, die Mannschaft beschädigt dessen Ruf, aber wahren Wanderarbeitern ist sowas ja eh wurscht.

Offenbar gelingt es sowieso nicht, das aktuelle Personal auf die Vermeidung der Relegation zu fokussieren. Denn eher schon bestimmen die Bemühungen um neues Personal die Debatten beim VfL. Wann ist für Manager Rebbe Schicht? Und bekommt man Hannovers Manager Heldt aus dessen Vertrag geeist?

Der will angeblich weg, wie ander auch bei 96. Das jedenfalls kann man in die Aussagen des Keepers Tschauner interpretieren, demzufolge sich jeder in Hannover Gedanken um seine Zukunft macht. Manager, Spieler ohnehin und Trainer Breitenreiter wohl auch. Der übrigens ja in Frankfurt als Kovac- Nachfolger gehandelt wird. Und es natürlich nicht versäumt, sich mit zögerlichen Aussagen seit Wochen schon einen Hinterausgang aus Hannover zu eröffnen.

Spektakel

Da war ja der BVB kaum wiederzuerkennen gegen Leverkusen, gleich mit 4:0 siegreich und der Derby- Auftritt von letzter Woche scheint auf einen Schlag vergessen. Und es war die Freiheit dessen, der gehen darf – Peter Stöger – die den Dortmunder Kapitän Schmelzer zu einem Tribünenplatz verhalf.

Sogar mit Rückendeckung der sportlichen Leitung. Und das ausgerechnet bei einem, der in der Vergangenheit immer wieder sein Käpt#nspatent dazu nehmen durfte, Trainer medial sturmreif zu schießen. Wird Schmelzer nun selbst degradiert?

Nach zehn Gegentoren in fünf Tagen in Pokal und Liga spürt Leverkusen in Sachen CL- Quali nun den heißen Atem von Hoffenheim. Deren 5:2 in Leipzig sorgte sicherlich für die höchste Anzahl an Gegentreffern im eigenen Stadion in der „Geschichte“ von RB. Schade, daß solche Rekorde dann ungern herausgekramt werden. Stattdessen durfte Hasenhüttl erklären, daß man so in der CL nichts zu suchen hätte. Stimmt. War Ralle eigentlich auf irgendwo am Mikro oder überläßt er wie so oft Niederlagen dem Trainer allein?

Auf der Gegenseite verkauft Nagelsmann ja fast alles, gute wie schlechte Ergebnisse. Leider hatte die Presseabteilung der TSG was dagegen, daß Gnabry nach seinem guten Auftritt etwas sagen sollte. Vor allem: warum? Sein Mitmachen bei Pflaumes Spielshow war ein netter Sportschau- Versuch in Sachen Crossmedia, aber die Nummer war ja aufgezeichnet.

Leipzig muß noch in den Rückspiegel schauen, Frankfurt ebenso nach dem 0:3 gegen Hertha, dem ersten Heimspiel von Niko Kovac seit der Wechselbekanntgabe zu den Bayern. Der Finaleinzug übertüncht da gerade Einiges, das aus der Balance zu geraten scheint. „So ist das Leben“, meint Kovac dazu.

Drei Punkte und sieben Tore Vorsprung hat die Eintracht auf Gladbach, wo man jetzt mal wieder die liegen gelassenen Punkte in den letzten Wochen aufaddieren könnte. Oder gibt es doch noch eine letzte Chance auf Europa?

Der HSV scheint ja auch noch eine weitere zu bekommen. Sieg gegen Freiburg, nächste Woche in Wolfsburg nachlegen und es wird nochmals richtig spannend.

Wohlfühl- Bänke

„Sauwohl“ fühle er sich in Gladbach, so Trainer Hecking. Und das kann er ja auch, wenn er eine Job- Garantie von Eberl kriegt. Oder etwa doch nicht? Letztlich sind diese Zusagen früher oder später sowieso hinfällig. Gehört zum Jobrisiko dazu und wird dann gern mit sich verändernden Parametern erklärt und gegenseitiges Einvernehmen angeführt, etc.

Erst aber scheint es so, als sei Hecking nach Vereinssicht nicht Teil des Problems bei der extrem mittelmäßigen Gladbacher Rückrunde. Gegen seinen Ex-Verein aus Wolfsburg kann er seine Bilanz dann auch gleich noch ein wenig aufpolieren und sich insgeheim ins Fäustchen lachen, daß beim VW-Club nach seinem Weggang keine Kontinuität mehr rein kam.

Heckings aktueller Erbe beim VfL, Labbadia, hat hingegen weit weniger Jobgarantie bekommen und nach und nach fallen ihm auch die Ansprechpartner beim VfL weg, so daß er sich bei Planungsgesprächen am besten vor den Spiegel stellt.

Die punktgleichen Mitkonkurrenten um bzw. gegen den Relegationsplatz müssen im Laufe des Wochenendes ebenfalls auswärts ran. So könnten Mainz, Wolfs- und Freiburg also auch diesmal Synchronkriehchen Richtung Klassenverbleib veranstalten.

In Hamburg entscheidet sich am Wochenende auch die Trainerzukunft von (Nicht-) Wunder- Titz. Unter dem hat sich der Abstand des HSV zum angestammten 16. Platz sogar noch um einen Punkt vergrößert. Dafür sieht der Kick besser aus als vorher. Hilft nur nichts und Titz am wenigsten. Der Neuanfang in Liga 2 wird wohl ohne ihn stattfinden. Aber eine Anfrage, angeblich, aus Kiel würde ihm eventuell sogar den ganz persönlichen Klassenverbleib sichern.

Köln Neu-Anfang könnte sich hingegen verpokert haben, wenn der FC absteigt und Markus‘ Anfangs alter Club aus Kiel in die erste Liga aufsteigt. Aber das nimmt man schon mal in Kauf, „Heimatliebe“ ist ja ein in Mode gekommenes Argument neuerdings.