Wollen und (Nicht-) Können

Die einen wollten, das konnte man ihnen nicht absprechen. Die anderen konnten. Das galt es anzuerkennen beim 1:4 der Hertha gegen Bremen im vor allem in der ersten Hälfte recht rustikal geführten „Topspiel“. Kein Wunder, daß es gleich in der Anfangsphase auf jeder Seite einen Elfmeter gab. Selke traf für Werder in den Winkel, während Berlins Cunha auf den Elferspuren seines Kollegen Piatek wandelte und vergab. Im Hintergrund lief eine Bandenwerbung: „Online- Nachhilfe. Probestunde buchen.“ Vielleicht ein Lösungsansatz? 🙂

Der Rest war ein Nachweis, warum viel Ballbesitz nicht entscheidend für den Erfolg ist. Hertha lag bei 2/3. Einen ähnlichen Wert zeigte auch Frankfurt am Nachmittag. Mit dem Unterschied, daß die Eintracht 5:1 in Bielefeld gewann und weiter Kurs auf Europa nimmt. Platz sechs vor Dortmund und auch die ganz großen Träume darf sich der Anhang der Frankfurter dieser Tage gönnen.

Union Berlin verliert das zweite Auswärtsspiel innerhalb von drei Tagen und damit nach Wochen den EL- Rang. Das 1:2 in Augsburg verschafft den Gastgebern und deren Trainer ein wenig Luft im vermeintlich gesicherten Mittelfeld.

Für eine dicke Überraschung sorgte Mainz 05 mit einem 3:2 gegen Leipzig. „Nur“ noch sieben Punkte bis zum rettenden 15. Platz sind es. Ob dieser Sieg dem Karnevalsverein Auftrieb verschaffen wird? Bislang hatte man die Großen ja stets ärgern können, aber gegen die Mannschaften auf Augenhöhe klappte es nicht.

Und RB verpaßt mal wieder die Chance, dichter an die Bayern heran zu rücken. Sollte der Titelverteidiger am Nachmittag beim Letzten in Schalke erwartungsgemäß gewinnen, dann sind die Bayern schon sieben Punkte vor Leipzig. Die spielen übrigens nächste Woche gegen Leverkusen, während Bayern Hoffenheim empfängt. Vorentscheidet sich also dann schon die Meisterschaft, obwohl die Bayern so anfällig sind wie selten?

Schalke erwartet also das Comeback vom alten Huntelaar. Aber wieviel wird es helfen bei dieser mission impossible? Bayern- Trainer Flick monierte schon einmal vorab den Rasen. Sowas sähe man in der Bundesliga nicht gern, meinte er. Aber mal unter uns: wenn Köln und Bielefeld auf Schalkes Acker gewonnen haben, dann dürfte das der Flickhansi mit seiner Combo soch auch schaffen, oder?

Zwei stabilisierte Wackel- Trainer treffen zwischen Hoffenheim und Köln aufeinander. Wer verliert, steht ab Montag wieder in den Schlagzeilen. Vorher aber dürfte Hertha Bruno Labbadia freistellen.

Durchreichgefahr

Wenn alle stehen und einer springt – dann hat der BVB mal wieder ein Gegentor nach einem ruhenden Ball kassiert. Diesmal gegen Gladbach zum Rückrundenauftakt bei der 2:4- Niederlage, bei der alles dabei war, was inzwischen zum Fußball gehört. Inclusive des Videokellers nach nicht einmal einer Minute Spielzeit.

Die zweite Auswärtsniederlage innerhalb von vier Tagen läßt es für die Dortmunder ungemütlich werden in der Tabelle. Denn schon mit Unentschieden können Wolfsburg und Union am BVB vorbeiziehen und im Fall eines Sieges in Bielefeld auch noch die Frankfurter Eintracht. Und schwupp! – wäre Dortmund nur noch Achter am Sonntagabend.

Es ist also wirklich ein bißchen Bewegung drin in diesen Regionen. Union dürfte leicht favorisiert sein gegen Augsburg und Ex- Keeper Ginkiewicz. Der wiederum realisiert sicherlich inzwischen, daß er sich beim Vereinswechsel sportlich verhauen hat. Und für seinen Trainer Herrlich dürfte es bei einer weiteren Pleite auch eng werden.

Das gilt auch für Hertha- Coach Labbadia, ohne den Spruch vom schwächsten Glied in der Kette strapazieren zu wollen. Aber bei Hertha läuft es nicht. Und ob die Trendwende gegen Werder erfolgen wird?

In Mainz hofft man auf einen Überraschungspunkt wie neulich in Dortmund. Diesmal heißt der Gegner Leipzig und dürfte sich kaum eine Blöße geben, falls Nagelsmann ernsthaft Bayern- Verfolger Nummer eins bleiben möchte. Zumal Leverkusen auf einen Leipziger Ausrutscher lauert, das Spiel gegen Wolfsburg scheint aber offen zu sein.

Freiburg und Stuttgart treffen zum Landesderby aufeinander, beide im sicheren Mittelfeld, jedoch mit einem Blinzeln nach oben auf den letzten Platz, der zur Europa League berechtigen würde. Und Stuttgart will eine Reaktion auf die Niederlage in Bielefeld zeigen. Frankfurt will es auf der Alm besser machen als der VfB.

Aufsehen, Ansehen, Nachsehen

Da halten sie bei den Gladbachern möglicherweise stärker zusammen als die Polizei erlaubt. Die können ermitteln, wie und was sie wollen, wenn der Embolo sagt, er hat Basketball geschaut, dann war das so. Sagt Kollege Kramer. Lassen wir das mal so stehen… Was mich ehrlich gestanden viel mehr interessiert, mal abgesehen vom mutmaßlichen Verstoß gegen Hygienevorschriften: Wenn man bis um 20.30 in Stuttgart auf dem Platz steht, dann 400 km nach Hause fährt, wie kann man dann nachts um halb drei noch Party machen? Noch dazu in einer englischen Woche?

Embolo ist auf jeden Fall im Gladbacher Kader, Thuram nach seinem Rotz- Rot wohl wieder in der Startelf im Borussen- Duell zu Beginn des Rückrunde. Wenn das Duo infernale erneut dem Image der Fohlenelf schaden sollte, dann ist sogar das Free TV dabei.

Mit einem Sieg gegen den BVB kann Gldbach sich vor Dortmund in der Tabelle schieben. Und spätestens dann weiß bei den Schwarzgelben hoffentlich jeder, daß selbst ein MInimalziel wie die CL- Quali kein Selbstläufer wird. Die Meisterschaft sei ja schon vor dem letzten Spiel keine relevantes Thema gewesen. Und man kommt ja auch als Vierter an die europäischen Fernsehgeldtöpfe.

Was aber, wenn nicht? Wie dünn ist der Finanzplan genäht, zumal im Coronajahr dem Verein mit dem größten Stadion natürlich auch die größten Zuschauereinnahmen flöten gehen? Und könnte Dortmund ein Jahr „nur“ Europa League überstehen oder gar eine Saison ohne das internationale Geschäft? Da kann man wahrscheinlich nur im absoluten Notfall noch einen dritten Trainer in dieser Spielzeit engagieren. Denn unter Terzic läuft es ja auch nicht kolossal besser als mit Favre.

Zugegeben, das sind Sorgen, die andere gerne hätten, allen voran der Reviernachbar. Ich glaube, das wird noch ein interessantes Frühjahr rund um den Borsigplatz – selbst wenn der BVB den Rückrundenauftakt gewinnen sollte.

Bayern dankt – glanzlos reicht auch

Es war also kein plumper Vorwand am Wochenende, als der Huntelaar bei Ajax wegen Wadenproblemen nicht mehr zu seinem letzten Spiel dort antrat. Denn angeschlagen saß er nun bei Schalke auf der Tribüne und sah ein frustrierendes 1:2 in der Nachspielzeit gegen Köln.

Sah auch, wie die Truppe nach dem Gegentor niedergeschlagen auf dem Rasen lag statt sofort alles in die verbleibenden drei Minuten zu legen. Zudem noch die Verletzung von Arsenal- Rückkehrer Kolasinac – da kommt halt alles zusammen, wenn Du unten stehst.

Acht Punkte Rückstand auf den FC hat Schalke – Mainz hat sie auch – auf die Kölner. Die sind Sechzehnter und haben ihrem Trainer mal wieder den Job gerettet. Wer weiß in Köln schon, wie lange? Denn nach dem FC siegte auch Bielefeld gegen auswärtsstarke Stuttgarter mit 3:0, so daß die Lage beim Geißbock nur beim Blick nach ganz unten etwas Beruhigung erfährt.

Bayern nahm die Einladung der Konkurrenten dankend an, versäumte eine klare Pausenführung in Augsburg und rettete dann das 1:0 über die Zeit. Der FCA setzte einen Elfer an den Pfosten. Weder freute sich Neuer hinterher über den neuen Zu-null- Rekord noch war man begeistert über die eigene Darbietung in der zweiten Halbzeit.

Trotzdem bleiben vier Punkte Vorsprung auf Leipzig gewahrt, acht auf Leverkusen und sogar zehn auf Dortmund und Wolfsburg. Ergo können sich die Bayern in der Rückrunde sogar einen Freischuß leisten, im worst case gegen den direkten Verfolger. Und dann bleibt abzuwarten, wie Union Berlin mit dieser formidablen Hinserie umgeht. Jetzt noch vom Ziel Klassenverbleib zu sprechen, ist nett, aber Quatsch.

Stabilisierung versucht

Da spielte Blogkollege @sigurd auf seinem Internetsender gerade „Shocking Blue“, als im Berliner Olympiastadion die Vorentscheidung fiel – gegen die blau- weiße Hertha und für die TSG Hoffenheim. Das zweite von drei Gegentoren, die das Team von Bruno Labbadia kassierte. Der dürfte nach diesem 0:3 angezählt sein, denn siebzahn Punkte in siebzehn Spielen versprechen nicht die große weite Welt, in der man sich in der Führung und im Umfeld der Hertha so gerne sähe.

Hoffenheims Trainer Hoeneß dürfte mit diesem Sieg die Gemüter ein wenig beruhigt haben – bleibt er zwar auch hinter den Zielen zurück. Hat aber immerhin das Verletzungspech als Begründung und das europäische Überwintern als Faustpfand, falls es eng werden sollte.

Für Werder war in Gladbach mehr drin als eine 0:1- Niederlage, doch in einer Situation hatten sie dann hinten das Nachsehen, während sie vorne Chancen vergaben, die zu mindestens einem Punkt hätten führen müssen.

Die andere Borussia verlor – wieder einmal. 1:2 in Leverkusen, doch diesmal scheint der Trainer nicht als Schuldiger herhalten zu müssen. Vorerst. Wenn der Auswärtssieg vor anderthalb Wochen in Leipzig als Maßstab gedacht war, so hat man den ohne jede Mühe unterboten.

Oder besser: ohne jegliche Bemühungen in der ersten Spielhälfte. Nur beim 1:1 war der BVB dran, fing sich aber einen entscheidenden Konter ein in einer Partie, die zum Ende hin rauf und runter ging. Mit sechs Niederlagen hat Dortmund nur eine weniger als Bayern, Leverkusen und Leipzig zusammen!

Das vom Trainer festgelegte Minimalziel CL- Quali kann auch noch ins Wanken geraten. Wolfsburg ist nach dem 2:0 in Mainz schon punktgleich mit Dortmund, Union kann mit einem Unentschieden in Leipzig den BVB in der Tabelle überholen. Frankfurt bei einem Sieg in Freiburg ebenfalls aufschließen.

Am Ende der Tabelle verlor Mainz und wahrscheinlich hoffen sie dort auf ein Unentschieden zwischen den Konkurrenten aus Schalke und Köln. Wobei den Königsblauen Rückkehrer Huntelaar helfen soll. Ich bin mal gespannt, ob er von Beginn an spielt und den zuletzt vierfachen Torschützen Hoppe ins zweite Glied verdrängt.

Augsburg dürfte vergebens auf Bonuspunkte gegen Bayern hoffen, Bielefeld versucht sich gegen Stuttgart.

Doppelchancen

Nun endet also die Hinrunde und am Wochenende beginnt die Rückrunde – das heißt in der Spielplan- Arithmetik, Du hast entweder zwei Heim- oder zwei Auswärtsspiele binnen einer halben Woche. Was unterm Strich egal sein mag, weil keine Zuschauer dabei sind. Aber vielleicht ist ja aus dem vermeintlichen Heimvorteil vor Fans ein Auswärtsvorteil ohne Fans geworden?

Gelegenheit auf jeden Fall, etwas gerade zu rücken, wenn man maximal sechs Punkte kurz hintereinander einfahren kann. Oder Mitkonkurrenten unter Druck zu setzen. So etwa der Vorletzte Mainz 05, der Wolfsburg zu Gast hat. Da hängen die Trauben hoch und der VfL will verlorene Punkte aus den Spielen gegen besser platzierte Teams zurückholen. Mainz hingegen will nach Dortmund den nächsten Europa- Kandidaten ärgern und befindet sich ja im Wettrennen mit den Königsblauen.

Dortmund muß zu den in der Liga viermal sieglosen Leverkusenern. Macht sich der BVB zu deren Aufbaugegner, so kann er sich seine klammheimlichen Titelträume abschminken und wäre tabellarisch mit einem Blick in den Rückspiegel gut beraten.

Denn von hinten rauscht Mönchengladbach heran, die mit Werder eine vom Papier her durchaus lösbare Aufgabe vor sich haben. Die Aufregung über den Last- Minute- Elfer von Stuttgart dürfte verraucht sein. Auch das ist ein Vorteil einer englischen Woche. Und ob Stuttgart den Elfer nun geschenkt bekommen hatte oder nicht: seinen Gegenspieler umarmt man im Strafraum einfach nicht.

Freunde der Krise schauen bei Hertha gegen Hoffenheim genauer hin. Bei beiden Vereinen freut man sich über stehende Nullen, fernab vom Anspruch der jeweiligen Geldgeber. Manch einer behauptet, die stünden an den Trainerbänken. So weit will man ja doch nicht gehen. Daß aber beide Trainer – Labbadia und Hoeneß – nicht verlieren sollten steht außer Frage. Geld und Geduld stehen nur im Duden dicht beieinander.

Eine Portion retro

Hach, das hätte man in einem Drehbuch kaum besser schreiben können, dieses letzte Spiel von Frankfurts Kapitän Abraham: Sieg gegen Schalke und zwei Tore macht der ausgeliehene Rückkehrer Jovic nach seiner Einwechslung. Und als wäre das noch nicht rund genug, bittet hinterher Schiri Gräfe den Abraham (nicht umgekehrt) zum Trikottausch.

Das 3:1 war allerdings ein Tor zu wenig, um Wolfsburg aus den EL- Rängen zu verdrängen, aber dazu hat die Eintracht ja noch ausreichend Zeit, denn in der Woche endet ja gerade einmal die Hinrunde. In der Gegner Schalke, wie auch die Mainzer, bislang aus sechzehn Spielen gerade einmal sieben Punkte eingefahren haben. Auch diesmal brauchte es wieder einen starken Fährmann, der Schalke im Spiel hielt. Später dann standen sie kompakt, aber nicht kompakt genug.

Am Nachmittag nutzten die Bayern ihre Chance, sich von den lahmen Verfolgern auf vier Punkte abzusetzen. Dabei hatten auch sie bis in die Nachspielzeit hinein alle Chancen, ohne Dreier nach Hause zu gehen. 2:1 hieß es am Ende gegen Freiburg, für das Joker Petersen keine halbe Minute nach seiner Einwechslung traf. Und auch wenn der Lattenkracher der Gäste nicht mehr den Ausgleich bedeutete: Bayern hat Stand heute einen Gegentreffer mehr kassiert als Bremen oder Bielefeld.

Doch so lange hinter den Münchenern Union Berlin der erste Verein ist, der am Wochenende dreifach gepunktet hat, ist es eben auch die Schwäche der Verfolger, die den Bayern einmal mehr zu Gute kommt. Erst recht, wenn sich Leverkusen und Dortmund gegenseitig die Punkte abnehmen werden, Und ob Leipzig gegen Union ein leichtes Spiel hat, darf man ebenso bezweifeln.

Im Keller bastelt Schalke derweil an seiner Retro- Nummer. Kommt Huntelaar denn nun auch nochmals zurück? Beim Ligaspiel von Ajax fehlte er wegen Wadenproblemen. Rafinha überlegt wohl noch, Büskens sucht schon seine Töppen und die Kollegen Fischer und Abramczik gehen nicht ans Telefon… 🙂

Nur ein Gewinner

Da gab es in den sechs Spielen des Tages nur eine siegreiche Mannschaft: Werder Bremen. Ein spätes 2:0 gegen Augsburg macht sie zum Gewinner im Abstiegskampf mit nun sieben Punkten Vorsprung auf den Relegationsrang und für die Optimisten mit acht Punkten Rückstand zur Europa League.

Alle Anderen spielten Unentschieden – Hertha und Köln verbesserten sich gegenüber den Auftritten der letzten Woche. FC- Trainer Gisdol sprang sofort drauf an und wies darauf hin, daß das 0:5 in Freiburg aus der Vorwoche ja auch etwas „hätte machen können“ mit seinen Spielern.

Tabellarisch blieb alles beim Alten. Bielefeld holt einen Punkt in Hoffenheim, gegen Spielende war sogar mehr möglich, denn die TSG leistete sich zunehmend Ballverluste. Sebastian Hoeneß dürfte somit weiterhin das Vertrauen genießen, aber immer schwebt da die Frage, wie lange das noch Gültigkeit hat.

Mainz hat den einen oder anderen Trainerwechsel hinter sich und punktet in Dortmund überraschend. 1:1 heißt es am Ende, weil Marco Reus einen Elfer nicht cool wie ein Kieler tritt sondern die leere Ecke des Mainzer Tores verfehlt. Kann vorkommen, hilft natürlich nicht weiter bei der Verfolgung der Bayern. Und sofort wird auf Dortmunds Heimniederlage gegen Köln im November Bezug genommen.

Doch auch Wolfsburg und Leipzig nehmen sich gegenseitig die Punkte beim 2:2 weg und so können die Bayern am Nachmittag bei ihrem Heimspiel gegen Freiburg den Leipzigern auf vier Punkte davon ziehen. Tja, lieber Verfolger: genau da liegt euer Problem – daß Ihr die Chancen nicht nutzt, wenn sie sich Euch bieten. Also bitte nicht jammern, wenn am Ende der Meister wieder wie üblich aus München kommen sollte.

Den Schlußpunkt des Spieltags setzt dann die Frankfurter Eintracht mit rückkehrer Jovic gegen Schalke, das weiterhin von Huntelaars Wiederkehr träumt und dem Sieg aus der letzten Woche eine Überraschungfolgen lassen will. Frankfurt hingegen brächte ein deutlicher Sieg auf EL- Rang sechs.

Außerdem beendet Frankfurts David Abraham seine Karriere und kehrt nach Argentinien zurück. In einem schönen Interview im Kicker reflektiert er seine Zeit in Deutschland. Schöne Momente wie den Pokalsieg 2018, aber auch den Shitstorm nachdem er Freiburgs Trainer Streich weggegrätscht hatte. Daß ihm 12- und 13- jährige „sozial“-medial und anonym nach dem Leben trachteten, stimmt ihn nachdenklich. Und sicherlich nicht nur ihn.

Mal mit Geduld

Man muß auch mal warten können bis kurz vor Spielende. Union Berlin hat’s gemacht und 1:0 gegen Leverkusen gewonnen. Da halfen dann Bayer auch die Vorteile in sämtlichen B- Noten nicht und das reklamierte Foul sahen nur die ausgewählten DAZN- Abonnenten, aber die hätten ja auch nicht per TED abstimmen dürfen, ob da nun alles okay war oder nicht.

Daß schon andere schwere neunzig Minuten an der alten Försterei hatten, wird Leverkusen kaum interessieren. Union ist auf einen Punkt an sie heran gerückt als Vierter.

Beide können allerdings von Dortmund überholt werden, die den Letzten aus Mainz empfangen und sicherlich keinen Kloppo- Sentimentalitäts- Rabatt gewähren wollen. Im Gegenteil, unter dem fast noch neuen Trainer Terzic gilt es zu zeigen, daß die Niederlage gegen das andere Kellerkind aus Köln am Trainer- Vorgänger gelegen haben könnte.

Und wenn es für den BVB richtig gut läuft, dann zieht Leipzig im Betriebssport bei Wolfsburg den Kürzeren. Schon wäre der BVB Zweiter und wieder dick im Geschäft. Der Haaland wird’s schon richten, für positive Schlagzeilen ist ja die jüngere Generation bei den Dortmundern zuständig.

Für Trainerdebatten taugen andere Spiele: Köln und Hertha treffen im direkten Duell aufeinander. Gisdol und Labbadia stehen im Fokus. Kölns Trainer traditionell ein wenig mehr. Wie erzählte uns der Ur-Kölner und Ex-FC- Sportdirektor Hannes Linßen mal? „In Köln wirst Du entweder nächste Woche Deutscher Meister oder Du bist der größte Idiot der Stadt“ – Dazwischen gebe es nichts. Aber das weiß auch jeder, der dort einen Vertrag unterschreibt. 🙂

Labbadia hat bei der Hertha sein erstes Dreivierteljahr hinter sich und nähert sich da der für ihn üblichen Halbwertzeit ganz gefährlich. Knüpft sein Team an die Auswärtsspiele in Bielefeld und Freiburg an, läßt es ihn ein weiteres Mal hängen.

Vertrauen haben sie in Hoffen- und in Sinsheim in Sebastian Hoeneß. Wahrscheinlich mehr als er ihnen Punkte holt derzeit. Wie lange hält man das Mißverhältnis von Vorschuß und Lieferung noch aufrecht? Wäre eine Niederlage gegen Bielefeld ein Grund, seine Geduld zu hinterfragen? Dann nämlich hätte die Arminia die TSG überholt.

Bremen könnte sich mit einem Heimsieg gegen Augsburg aus diesen Regionen vorerst raushalten, kümmert sich um Verträge und erklärt nebenbei, warum Ex Bartels besser in Kiel zu großer Form aufläuft. Sei’s drum. Derweil kämpfen Gladbach und Stuttgart um den Anschluß an die internationalen Ränge.

Entfremdet

So einfach begründet, so konsequent: Ralf Hämmerling, der sitzt im Aufsichts- und im Wirtschaftsrat beim SC Paderborn. Besser: saß! Denn der Unternehmer trat jetzt von seinen Ämtern zurück.

Begründung: er könne sich mit dem Fußball in Corona- Zeiten schlichtweg nicht anfreunden. Er habe sich vom Profifußball entfremdet.

Möglicherweise hatte er ja auch an eine Art „Läuterung“ des überhitzten Geschäfts gedacht? An nachhaltig andere Finanzgebaren? Oder es stinkt ihm, daß das von ihm unterstützte Tennis- Bundesligateam eine Ruhe- Jahr einlegen mußte, während es im Fußball effektiv ohne Zuschauer wieder so weiter geht wie zuvor mit.

Argwohn und Mißtrauen gibt es auch bei bzw. zwischen DFL und DFB. Was nun soweit gipfelte, daß DFB- Generalsekretär Cortius – im Dauerclinch mit dem Kellerpräsi – seitens der DFL in einem Schreiben das Vertrauen entzogen worden ist.

Die Süddeutsche zitiert aus einem Schreiben wie folgt: „Das Präsidium hat einstimmig beschlossen, den DFB-Präsidenten zu bitten, künftig nicht mehr den aktuellen Generalsekretär zu Sitzungen (…) der Ausschüsse, Organe und Kommissionen der DFL zu entsenden“

Den Juristen Curtius sieht man bei der DFL indirekt als eine undichte Stelle. Man habe bei der DFL Hinweise dafür, „dass Dienstleister, die durch den Generalsekretär im Namen des DFB beauftragt wurden und/oder an ihn berichten, Informationen und Interpretationen an Medien übermittelt haben, die darauf gerichtet waren, das Ansehen der DFL zu beschädigen.“ Das gibt bestimmt Stoff für die Präsidiumssitzung des DFB…

Gekickt wird dann auch noch am Abend: Union empfängt Leverkusen, wobei Bayer den Pokalerfolg gegen Frankfurt sicherlich als großen Turnaround interpretieren will und nicht ohne Punkte die Heimreise aus Köpenick antreten sollte.

Leverkusen könnte bei einem Sieg vorübergehend Zweiter werden, Union hingegen Dortmund unter Druck setzen und eine Nacht auf einem CL- Rang verbringen.