Welch ein netter Retro- Abend gestern. Das gute alte Jahnstadion in Herford im Landespokal. Es wirkte fast schon wiederbelebt. Und wartete mit einer Premiere auf, die es selbst zu Herforder Zweitliga- Tagen in den späten Siebzigern nicht gegeben hatte: Flutlicht!
Kleine mobile Anlage aus Ostfriesland angemietet, innerhalb von drei Wochen nach dem Sieg in der vorherigen Runde. Aber wenn ein Verein gut organisiert ist, kann er auch in kurzer Zeit eine anfangs fixe Idee realisieren.
Ihren letzten Kick in der Liga wollten 100 Leute sehen – und dann kommen gestern tatsächlich 1300. Die Hälfte etwa vom Gegner aus Gütersloh, dazu noch ein paar Typen wie ich, die anscheinend Bock auf Oldschool- Fußball hatten – in diesen Wochen hat man den noch ein wenig mehr.
Den alten westfälischen Klassiker zwischen Herford und Gütersloh hatte ich mit meinem Vater mal vor 42 oder 43 Jahre dort gesehen. Fahrradtour und Stehplatz – damals, als beide Vereine noch drittklassig in der Oberliga spielten und abends Sport im westen von solchen Spielen berichtete. Lang ist’s her.
Gestern Abend hatte man nur die Tribüne geöffnet und zwei benachbarte Blöcke. Beide Fangruppen auf je einer Tribünenhälfte – das klappte wie damals. Friedlich blieb es, tolle Stimmung, Anfeuerungen und weder Dauergesang noch Feuerwerk.
Viele Handys hielten den Abend fest und für die Spieler des Sechstligisten war es auch mal was anderes, von den Kids der Jugendabteilung abgeklatscht zu werden und von den „Großen“ gefeiert nach dem 1:3 gegen den zwei Klassen höher spielenden Gegner.
Ob das auch Potential hat für den Alltag? Wer weiß. – Wünschen würde ich es nicht nur den Herfordern, dass man sie wiederentdeckt und dass sie sehen, dass durchaus Potential vorhanden ist. Vielleicht nicht nur an einem Abend wie gestern.