Klick off – Game on

Neun Bundesligaspiele an einem Tag, eines live übertragen, dann hinterher die Zusammenfassung. Klingt wie früher, ist aber morgen. Und nicht zu schön um wahr zu sein. Sondern zu wahr um schön zu sein.

Virtuelle Bundesliga nennt sich das Ganze und tatsächlich bin ich letztens beim Zappen irgendwo in den Untiefen all der Programme, die ich nie schaue, auf eine Sendung bei „ProSiebenMax“ gestoßen.

Da wird dann fleißig Fifa gedaddelt, natürlich im Trikot. Und hinterher gibt es Analysen, Highlights (eines Videospiels!) und entsprechende Interviews – ganz so, als würde man über realen Sport berichten.

Und ich weiß ja nun inzwischen auch, daß das alles keine Parodie war- sondern, daß hier alleine beteilgten sich etwas davon versprechen. Sport1 startet einen neuen Sender nur für E-Sport und viele Vereine der Liga machen mit. Haben entsprechende Abteilungen gegründet und Spieler verpflichtet.

Schalke hat so einen „Chief Gaming Officer“, der im Kicker von „einem relevanten siebenstelligen Budget“ spricht. Und auch seitens der verantwortlichen DFL- Tochter spricht man von Content und Digitalpartnerschaften.

Und letztlich sollen Leute angesprochen werden, die zwar selbst nicht an der Konsole hängen, aber halt gerne ihren Verein unterstützen. Und das können sie halt auch, indem sie ihm Klickzahlen verschaffen.

Sagt mal, hält man da die Leute für so einfältig, daß sie alles anschauen, wo das Wappen ihres Lieblingsvereins drauf ist? Soll mich das erschrecken oder nur mitleidig den Kopf schütteln lassen? Andererseits hat Sport1 auch schon vor Jahren gezeigt,daß sich Zuschauer auch Jahre alte Bayern- Spiele in epischer Länge vorsetzen lassen. Ging damals als Classics durch…

Und wenn das Spielen mit Fußball nichts zu tun hat, dann müssen es die Zuschauer ja auch nicht zwingend. Das gäbe ja keinen Sinn.

Schön, daß wir damals das gute alte Tipp-Kick noch unter uns gespielt haben, oder?

 

 

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Verrannt

Ist das schon wieder fast zehn Jahre her, die 9,58 Sekunden über hundert Meter, oder besser: circa eine Fußballfeld-Länge, die Usain Bolt in Berlin in die Laufbahn gemeißelt hatte?

Und weil er gerne kickt und rennt, kamen er oder seine Berater dann auf die Idee, er könne in dem Alter, in dem andere Kicker ihren letzten großen Vertrag unterschreiben, doch eigentlich eine zweite Karriere starten.

Man hielt es ja gleich – richtigerweise – für eine PR-Nummer, als Bolt in Dortmund trainierte. Die hatten zwar mit David Odonkor schon mal einen flankenden Leichtathleten im Kader. Doch das beste, was sie gemacht haben, war ihn zu verkaufen.

Bolt wollte sich nun selbst verticken, doch weder Australien noch Malta scheint für ihn das richtige zu sein. Nun gibt er es auf mit der Fußballerkarriere.

Kein Verlust, wo zuvor kein Gewinn war. Und der Spruch vom Schuster, der bei seinem Leisten bleiben soll, scheint zeitlos gültig. Daß er nicht immer befolgt wird, weil die Kassen oftmals lauter klingeln als sämtliche Alarmglocken, ist allerdings ebenso Allgemeinwissen. Und gerade im Umfeld des Fußballs wird der Beweis immer wieder erbracht, Stichwort: TV- Experten.

Na, wenn wir Bolt mal nicht in diesem Umfeld wiedersehen werden. „Ich habe viele Sachen in der Pipeline. Ich will jetzt mal überall mitreden und versuchen, ein Geschäftsmann zu sein.“  Sagte Bolt gegenüber dem Sender ESPN in Amerika.

„Überall mitreden und versuchen“ – hört sich an wie ein Geschäftsmodell mit der Streuung einer Schrotflinte. Wollen wir gespannt sein, was es wird – oder einfach nur hoffen, die Sache mit dem Fußball hat sich für ihn aus allen Perspektiven erledigt? Es wäre zum Davonlaufen, falls nicht, denke ich.

Rückendeckung

Das schien ja alles schon beschlossene Sache zu sein in Hannover mit dem Laufpaß für den breiten Reiter, doch nun geben Kind und Heldt ihm wieder Rückendeckung. Verständlich, denn wer will schon einen neuen Trainer im Auswärtsspiel beim BVB verheizen? Dann darf der alte nochmal verlieren und es bleibt noch ein wenig Luft, sich auf dem Trainermarkt umzuschauen.

Denn Stöger, bis Sommer BVB- Aushilfe, zeigte wohl vor Weihnachten noch (!) kein Interesse. Und anscheinend gibt der Markt oder die Phantasie der Hannoveraner auch nichts Anderes her als Slomka oder Gisdol, die weiteren heiß gehandelten Kandidaten.Präsdi Kind hat ja im Zusammenhang mit Nachverpflichtungen das Wort „Kapital verbrennen“ ind en Mund genommen. Warum soll das allein auf Spieler bezogen werden?

Und der ewig wankelmütige und wechselbereite Manager Heldt wird unterdessen mit (s)einer Rückkehr nach Schalke in Verbindung gebracht. Auch da sehnen sie sich nach besseren Tagen und auch wenn sich der aktuelle Heidel mitunter als Schnäppchenjäger hervortun konnte: man könnte meinen, er fischt immer noch in dem Segment am Markt, mit dem er Mainz 05 in der Liga etabliert hat. Das aber ist Schalke schon längst. Und das allein genügt nicht.

Aber nicht, daß Heldt dann gleich komplett die Retro-Masche aufnimmt und den Breitenreiter auch wieder mitbringen will. 🙂

Bei Kevin- Prince Boateng bräuchte er es gar nicht zu versuchen. War in Schalke eh nicht gut gelitten und außerdem hat er – echter Transfer-Knaller – gerade in Barcelona unterschrieben. Was auf den ersten Blick vielleicht verwundert, aber wenn er denn demnächst Messi zuarbeitet, hat er alles richtig gemacht. Glückwunsch.

Im Regal mit den gern verpflichteten Trainern geht jetzt schon der dritte ehemalige Dortmunder U23- Coach nach England. Siewert folgt auf Wagner in Huddersfield und soll deren Abstieg aus der Premier League noch verhindern. Zwischendurch war noch Farke nach Norwich gegangen.

Tolles Sprungbrett, welches sich da in Dortmund entwickelt hat. Im eigenen Verein hätten sie ja seit der finanziellen Gesundung vor einigen Jahren ohnehin kaum eine Chance aufzusteigen. Dann als gegebenenfalls Bundesliga über den Umweg England.

Raus geredet

Rückrunde und Sonntag und Hertha- und trotzdem gewinnt Berlin in Nürnberg, das nun schon eine gefühlte Ewigkeit keinen Sieg mehr eingefahren hat und weiterhin Schlußlicht der Tabelle ist. Und obwohl im Grunde jeder wußte, wie schwer der Klassenverbleibt würde, überlegt sich der eine oder andere sicherlich schon, ob man auf dem Trainerposten nochmal etwas Neues versuchen sollte.

In Hannover, Vorletzter, sind sie offensichtlich schon einen Schritt weiter. Der Aufsichtsrat unter Vorsitz von Gazprom- Gerd soll Breitenreiter den Hahn abdrehen und dessen Freistellung beschließen.

Doch warum eigentlich? Wegen der Niederlage gegen Werder? Oder aber, weil Kind und Co. es nicht mehr hören mögen,wie Breitenreiter stets empfiehlt und mahnt und hinterher immer wieder zu erkennen gibt, er habe es ja vorher schon gewußt? Das beherrscht er ja wie kaum ein Zweiter der aktuellen Bundesligatrainer.

Andererseits wäre es verkehrt, ihn allein wegen seines Interviews zu entlassen. Denn die sportliche Bilanz ist es, die seit längerem schon nicht stimmt! – Und dann wiederum muß man fragen, warum man einen Trainer die Vorbereitung machen läßt und ihn dann nach dem ersten Spiel nach der Winterpause freistellen will.

Und ob die Nachverpflichtungen – vom Präsidenten und seinem Drogerie- Kumpel privat finanziert – überhaupt mit dem Noch-Trainer abgesprochen waren. Der noch mehr neue Leute fordert.

Mit dem Blick auf die Tabelle, die zwischen den Plätzen 14 unf 15 eine Lücke von sechs Punkten aufweist, scheint der Abstiegskampf unter den letzten vier Teams ausgemacht zu werden: Augsburg, Stuttgart und eben Nürnberg und Hannover. Wer aber von denen startet eine Serie?

Auch Schalke hat sich ein wenig vom Tabellenkeller abgesetzt mit dem 2:1 gegen Wolfsburg. Diskutiert wird aber sicherlich der Torwarttausch bei den Königsblauen: Nübel statt Fährmann, so wollte es Tedesco. Der Sieg ist sein bestes Argument.

Wolfsburg hingegen hat einen kleinen Dämpfer hinnehmen müssen dabei,die beste Saison seit vier Jahren hinzulegen.

Und abgewehrt

Erster Angriff abgewehrt vom BVB, der auch das Rückspiel gegen Leipzig gewann. Zwar nur dünn mit 1:0, aber der Sechs-Punkte- Vorsprung auf die Bayern bleibt gewahrt. Wobei Dortmund wohl mehr Gegenwehr zu überstehen hatte als die Münchener in Hoffenheim.

Problematischer dürfte da schon der Ausfall von Reus sein, der mit Verdacht auf eine Bänderverletzung vorzeitig passen mußte. Gut, man hat noch einen Götze in der Hinterhand, sicherlich eine Luxusvariante.

Favres Vor-Vorgänger Bosz sagte nach dem 0:1 bei seiner Bundesliga-Rückkehr im Spaß, das Toreschießen müsse er seinen Leverkusenern noch beibringen. An der Chancenverwertung haperte es gewaltig.

Was auch für Werder gilt, das aber dennoch in Hannover gewonenn hatte. Auch gerade mal mit 1:0 und wenn man sich die 96er so anschaut, dann könnte am Ende der Saison ein Sieg gegen sie rückblickend eine Pflichtnummer war. Nicht nur für Bremen.

96-Trainer Breitenreiter brachte sich am Sportschau-Mikrofon einmal mehr aus der Schußlinie. Er könne nur Empfehlungen aussprechen wegen seines Personals, der Verein entscheide aber alleine. Wieder eine neue Variante von „Ich habe es ja gewußt, aber keiner will auf mich hören.“ Wer mag sich das wohl noch gern und lange anhören – ob mit oder ohne Kind im Ohr?

Kollege Funkel wählte eine Worte nach dem 2:! in Augsburg wesentlich defensiver, allerdings nur auf den ersten Blick. Er wird sehr wohl genießen, daß er nun das vierte Spiel in Folge gewonnen und den Abstand zum Relegationsplatz auf sieben Punkte vergrößert hat. Was war da noch wegen der Vertragsverlängerung? 🙂

Augsburg rutscht durch die Niederlage gefährlich in die Abstiegsregionen, aber da ist ja auch noch Stuttgart und auf die kann man sich verlassen. 2:3 nach 0:3 gegen Mainz. Will man von einer mißlungenen Aufholjagd sprechen oder davon, daß man sich zwischenzeitlich wirklich Sorgen um den VfB machen mußte? Noch ist Zeit für weitere personelle Korrekturen. Manch einer würde am liebsten den Manager wegtransferieren, doch der steht nicht auf dem Platz.

Stuttgart dürfte Hertha in Nürnberg die Daumen drücken. Denn wenn der Konkurrent ebenso schlecht in die Rückrunde kommt, ist ja alles halb so schlimm. – Und dann ist ja auch noch Krisen- Schalke da. Empfängt Wolfsburg, das mit einem Sieg Fünfter werden kann und die Top 6 der Liga vorübergehend zur geschlossenen Gesellschaft machen würde.

Vorgelegt

Der Sieger bei Bayern vor dem Spiel hieß Social Media- Mats. Er hatte das Schneckenrennen gegen Chefredakteuer Boateng um den Platz in der Innenverteidigung gewonnen.

Am Ende gab es beim 3:1 bei der TSG Hoffenheim für die Bayern- Abwehr aber weniger zu tun als erwartet, die Nagelsmänner hatten ihre beste Phase nach dem Anschlußtor. Goretzka hatte mit seinem Doppelpacker die Pausenführung besorgt – das ganze übrigens auf einem Spielfeld, das den Eindruck machte, Hoffenheim sei die Kohle für neuen Rollrasen ausgegangen.

Wurde Le Franck vermißt? Ich denke, nein. Nett, daß er sich bei „den besten Fans der Welt“ via Twitter bedankt. Ist aber so gar nicht seine Wortwahl, oder?

Den Müllerthomas würde einem mit seinem ständigen Lamentieren auch nicht fehlen. Nicht einmal zehn Minuten war die Rückrunde alt, da ging das Gemaule schon wieder los. Man wünscht ihm mal ’nen Geistesblitz, auf daß er das bleiben läßt.

Nun haben die Bayern also vorgelegt und nach ihrer Berechnung müßte jetzt der BVB das Abendspiel in Leipzig verlieren. Vier der siebzehn Gegentreffer hat RB von Dortmund im Hinspiel eingeschenkt bekommen!

Borussen-Jäger Borussia Möchengladbach, deren Trainer Hecking die CL-Teilnahme nicht zur Pflicht erklärt hat, will sich Leverkusens Aufholjagd unter deren neuem Trainer Bosz in den Weg stellen. Wer sich dran erinnert, wie furios Bosz seinen Kurzzeit-Job in Dortmund begonnen hatte, dürfte Gladbach vor einer schweren Aufgabe wähnen.

Werder ohne Sturm und ohne Videos zur Spielvorbereitung dürfte dennoch favorisiert in das Spiel in Hannover gehen, dem es vor der Winterpause nicht zuletzt an Teamgeist fehlte. Hoffentlich erschrecken die 96er nicht nach einer Woche Geheimtraining, wenn sie wieder vor Zuschauern kicken sollen.

Augsburg muß sich allmählich wieder fangen, um nicht noch tiefer unten rein zu rutschen. Mit einem Sieg gegen Düsseldorf würde man die Fortuna aufgrund des besseren Torverhältnisses überholen. Die aber will ein Statement bringen für ihren Trainer Funkel und gegen den Vorstand nach den Querelen um die Vertragsverlängerung des Routiniers auf der Bank.

Stuttgart und Frankfurt sollten gegen Mainz und Freiburg favorisiert ins Spiel gehen.

Eher gedämpft

Da kommen Glücksgefühle auf. Also, nicht bei mir, wohl aber bei Niko Kovac. Sagte er jedenfalls im Vorfeld des Rückrunden- Auftakts und leider hat niemand nachgehakt, ob diese Glücksgefühle auch aus der Tatsache her rühren, daß er immer noch Bayern- Trainer ist.

Zwischenzeitlich sah es ja nicht so gut für Kovac, der von allen Seiten kleine Brandherde zu bekämpfen hat. Aber vielleicht ist das auch nur eine Form von Aufnahmeprüfung bayerischer Art, wer weiß?

Den Umbruch darf und muß er sogar einläuten, denn Robben und Goldstückchen Ribéry fallen zum Wiederbeginn der Liga aus. Was mir insbesondere bei Le Franck ein wenig leid tut. Hätte gern gesehen, wie er empfangen wird – zumal sein Siegtor im Hinspiel ja auch noch im Gedächtnis des Gegners sein dürfte.

Der heißt Hoffenheim und hatte schon beim Saison- Eröffnungsspiel ein körperbetonten und ordentlichen Auftritt hingelegt. Für TSG- Trainer Nagelsmann ist es die letzte Halbserie, bevor er dann nach Leipzig wechseln wird.

Bei einem Sieg gegen Bayern würde Hoffenheim die Konkurrenten um die internationalen Startplätze gleich unter Druck setzen, am Wochenende entsprechend reagieren zu müssen.

Und so sehr ich es begrüße, wenn es nun endlich im Kerngeschäft (nach traditioneller und analoger Lesart) der Kicker weiter geht, von Kovacschen „Glücksgefühlen“ bin ich ein gehöriges Stück entfernt. Daran ändert auch die Free- TV- Übertragung wenig, wahrscheinlich wirken da noch Jahre nach, in denen es immer wieder die Münchener sind, die übertragen werden.

Daran dürfte auch eine Dortmunder Meisterschaft nur wenig ändern, über deren Zustandekommen ja in den letzten Tagen gefühlt fast jeder seine Wette platziert hat.

Sechs Punkte Vorsprung sind sicherlich nicht die Welt und gleich am ersten Spieltag kann Bayern auf drei verkürzen, denn der BVB muß nach Leipzig. Natürlich ist da das direkte Duell in Müncehn im April entscheidend.

Und einen dritten Meisterschafts- Kandidaten? RB oder Gladbach? Da dürfte die Konstanz fehlen, die Bayern- Herbstschwäche reicht zum Titel nicht allein.