Kaum mehr als ’nen Punkt

Für wen die Europa League im Kunjunktiv stattfindet, der spielt statt dornnerstags halt am Freitag und das1:1 zwischen Schalke und Leverkusen geht wohl auch okay. Allmählich scheint Bayer- Coach Herrlich mit seinem Team die Kurve zu kriegen, nachdem es ja bereist geheißen hatte, man werde weniger Geduld als bei manchem Vorgänger haben.

Für Wolfsburg und Mainz geht es darum, Konstanz zu gewinnen. Das trifft für die Mainzer bald noch ein wenig mehr zu, Wolfsburg möchte sich in Richtung ruhiger Saison entwickeln. Und naturgemäß wird es von den Beteiligten selber heruntergespielt, daß Wolfsburgs Neu- Trainer Schmidt auf seinen Ex- Verein trifft, trainiert von Kumpel Sandro Schwarz. Die Beiden kennen sich also in- und auswendig.

Das Nordderby am Abend provoziert den Tipp „unentschieden“. Bei Werder hapert es ein wenig im Sturm, der HSV steht darin nicht nach und ist nach dem sehr guten Auftakt im freien Fall in altbekannte Tabellenregionen.

Augsburg verlangt Aufmerksamkeit, so wie sie in die Spielzeit gekommen sind. Und doch traut man ihnen gegen Dortmund wenig zu. Der BVB hingegen hat erneut auf europäischer Ebene enttäuscht und wird nun “ Wiedergutmachung“ betreiben wollen. Ob aber der FCA ähnlich überrannt werden wird wie andere Gegener in der Bundesliga?

Die Bayern wollen noch eine Woche weitersuchen ach dem Sturz Ancelottis. Tuchel werde fast schon ins Amt geschrieben, hat man den Eindruck. München hat bdas Glück, falls es denn welches ist, daß es auswärts angesichts weniger personeller Möglichkeiten gut läuft. Mag aber auch sein, daß das intensive Beobabhten ungern ändert.

 

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Nach Siegen an den Kamin

Hier ein wenig plauschen, da ein wenig Eigen- PR – was man eben als Manager eines Fußballvereins so macht an spielfreien Tagen, wenn im eigenen Büro die Dinge geregelt sind. Und obwohl es mit dem Siegen in Paris nicht geklappt hatte, war Uli Hoeneß am Abend danach in Siegen. Kamingespräch bei ’nem Büromöbelhersteller.

Am Ende rauchten der „Westfalenpost“ zufolge wohl die Kugelschreiber der Berichterstatter. Denn der Uli packte aus – so sei es schon „seit einigen Wochen und Monaten“ zwischen dem frisch gefeuerten Trainer Ancelotti und der Mannschaft bergab gegangen. Jetzt habe der Carlo noch „fünf prominente Spieler … gegen sich gebracht“ Und das war es dann für den Mister in München, bei dem sich Kollegen- Kritiker Lewandowski und Vidal über die sozialen Medien bedankt haben.

Es hatte sich ja auch wirklich abgezeichnet – allein schon, wenn man sah, wer alles öffentlich und von Kalle und Uli unwidersprochen Kritik üben durfte. Da wurde seitens des Vereins auch nicht reingegrätscht. Im Gegenteil, man konnte den Eindruck haben, die Bayern- Bosse lassen ihren Trainer extern von ehemaligen Kickern sturmreif schießen, um sich dann der öffentlichen Meinung beugen zu müssen.

Schon in Dortmund durfte Kapitän Schmelzer im Sommer Noch- Trainer Tuchel via Zeitung kritisieren und auch Schalkes Konoplyanka dem Weinzierl kurz vor der Freistellung noch einen mitgeben. In München läuft sowas dann eine Nummer größer ab.

Letztlich scheinen alle Seiten damit zufrieden zu sein, wie es nun gekommen ist. Inclusive Ancelotti, der seine letzte Aufstellung zwar erklären kann bzw. können muß. Man könnte sie aber auch als Provokation empfinden, die eine Trennung beschleunigen sollte. Hat ja auch geklappt.

Und Ancelotti soll zuletzt sigar im Verein nicht mehr dementiert haben, daß er ein Angebot aus Asien hat. Sollte dies etwa auf der PR- Tour der Bayern vor Saisonbeginn an ihn herangetragen worden sein? Dann hätte der Bayern- Donner ja sogar eine ironische Komponente.

Früh verzockt

Die so genannten Startrainer zeichnet ja durchaus aus, daß man vielleicht nicht auf Anhieb erkennt, was sie vorhaben. Auch wenn es einem manchmal wie das Ändern um des Änderns willen vorkommen mag. Beim Pep und den Bayern war das ja nicht anders. Doch Guardiolas Bayern- Spiele wurden oft erst dann „vercoacht“, wie es so schön heißt, wenn es um die Wurst ging. Also im Viertel- oder Halbfinale der Champions League.

Unter Ancelotti fragt man sich jetzt schon mitunter, was er sich bei manchen Personalrochaden denken mag. In Paris auf die Routiniers Robben und Ribéry zu verzichten, dann gleich Hummels auch noch auf der Bank zu belassen – und das, obwohl mit Neuer eine defensive Konstante ohnehin fehlt: wenn es funktioniert, gilt es als genial. Angesichts eines 0:3 bei PSG heißt es nun schlichtweg „verzockt“.

Robben wollte hinterher die Frage, ob alle hinter dem Trainer stehen, nicht beantworten. Wichtig sei, „daß wir nun als Mannschaft zusammenhalten“. Das ist ebenso richtig wie ausweichend. Und auch wenn Hoeneß seinem Kicker- Interview zufolge warten will, bis den Investoren im Rest Europas die Lust an ihren Spielzeugen vergehen wird, so dürfte es in ihm brodeln, daß die traditionelle Vorrunden- Dominanz der Bayern sich diesmal nicht einstellen will.

Somit haben alle drei Vereine in der CL eine Niederlage kassiert. Real, Besiktas und PSG waren die Gegner, da kann das vorkommen. Und doch scheint es, daß die Abermillionen- Truppen aus Paris und Madrid für Deutschlands Dauergäste in der CL zu groß geworden sind. In Relation dazu dann auch Istanbul für RB, dessen Stars nicht allesamt in Topform sind und deren Aggressivität im Spiel man auf internationaler Ebene doch vermißt.

In der Europa League feiert Köln sein Heim- Comeback, obwohl es derzeit nichts zu feiern gibt beim Geißbock. Nicht einmal das Verschenken von Kapuzenpullovern auf der Jahreshauptversammlung ging ohne Chaos über die Bühne. Die Fans waren ungeduldig, um es nett zu umschreiben.

Hertha fährt derweil nach schweden, Hoffenheim ersatzgeschwächt nach Bulgarien. Vielleicht die einzigen Mannschaften, die diese Woche in Europa punkten.

Grenzen

Einen Bale und einen Ronaldo bekommt man eben keine 90 Minuten lang verteidigt. Diese Erkenntnis hat  nun der BVB belegt bekommen beim 1:3 gegen Real, welches sich im Laufe der Zeit zu einer immer rasanteren Partie entwickelte.

Beeindruckend dabei die ersten beiden Tore der Madrilenen, die beinahe schon unterkühlt fielen jeweils in einer Phase, in der sich Dortmund redlich mühte. Doch für das Mehr an Ballbesitz gab es diesmal keine Belohnung.

Das zweite 1:3 nach der Niederlage bei Tottenham zeigt, daß das hochgelobte Bosz- Ensemble international an seine Grenzen kommt. Statt nach einem Duell mit Tottenham ums Überwintern in der Champions League sieht es derzeit danach aus, daß sich in den Spielen gegen Nikosia entscheidet, ob Dortmund wenigstens in der Europa League weitermachen darf oder nicht. Wenn sich Losglück nicht als solches entpuppt.

Auch Leipzig muß mit einem Rückschlag klar kommen, dürfte nach dem 0:2 in Istanbul aber seine internationale Unerfahrenheit für sich reklamieren. Auch hier spielte das Plus im Ballbesitz seitens RB keine entscheidende Rolle.

Die nächsten Weltstars gibt es dann im Free-TV, wenn Bayern bei PSG antritt. Wobei Trapp und Draxler nicht in der ersten Elf erwartet werden. Zu tief besetzt ist der Kader der Franzosen. Mal schauen, ob Mbappé und Neymar ähnlich wirbeln wie Ronaldo und Bale in Dortmund. Die Spiele gegen Paris dürften Finalcharakter haben, was den Sieg in der Vorrundegruppe angeht. Wobei es beiden Vereinen egal sein sollte, obman als rster oder Zweiter weiter kommt. Denn mit der Qualität der Kicker sollten sowohl Paris als auch Bayern die nächste Hürde meistern können.

Im Schatten des großen CL- Glanzes in Dortmund spielte übrigens die schwarz- gelbe U23 in Oberhausen. Aus Sicherheitsgründen, damit nicht allzu viele BVB- Fans die Zweite begleiten. Falls sie nicht eh statt im Stadion vor dem Fernseher gesessen hätten. 2500 Zuschauer sind immer noch eine ordentliche Kulisse. Dennoch entgehen einem Viertligisten wie RWO Einnahmen im geschätzten fünfstelligen Bereich.

Eine Kastanie ist kein Maibaum

Welch eine Bilanz, die der BVB unter seinem neuen Trainer Bosz da hingelegt hat! Schon wird hochgerechnet, ob die Dortmunder eventuell Meister mit jenseits von 90 Punkten werden könnten und damit eine Dominanz erreichen würden wie die Bayern unterm Jupp und mit dem Triple.

Doch der Weihnachtsmann ist nicht der Osterhase, wie Bayern- Kalle einst so schön sagte. Und um das mal zu ergänzen: eine Kastanie ist kein Maibaum, solche Hochrechnungen sind mir dann doch zu gewagt.

Der amtierende Pokalsieger (es redet eigentlich kaum jemand vom Tuchel- Titel, scheint mir) ist bärenstark in die Liga gestartet mit sechzehn Punkten und 19:1 Toren. Doch hat er im CL- Gruppenspiel bei Tottenham eben auch schon Grenzen aufgezeigt bekommen. Denn natürlich haben seit den Klopp- Jahren immer mehr Mannschaften diesen überfallartigen Spielstil gezeigt und entsprechend gab es mehr oder weniger erfolgreiche Versuche, dem etwas entgegenzusetzen.

Gladbach hatte am Wochenende sicherlich auch eine Idee dazu. Extrem hoch verteidigende Mannschaften haben ihre Schwachstelle im Überspelen der letzten Reihe. Und Real Madrid wird beim erneuten Aufeinandertreffen mit dem BVB sicherlich ganz andere Möglichkeiten auf den Rasen bringen als Heckings Borussen letzten Samstag.

Peter Bosz hat ein hehres Ziel ausgegeben: die spanische Dominanz zu stoppen in der Champions League. Das ist doch mal ’ne Ansage und seine Mischung aus dem Fußball seiner Vorgänger plus seiner eigenen Philosophie fruchtet, obwohl der BVB durchaus nicht mit der vermeintlich ersten Elf antritt. Doch was ist bei solch einem Kader und diesem System überhaut eine „erste Elf“?

Leipzig spielt auch gern dominat und in der Liga geht das vom Personal her durchaus austauschbar. Doch CL ist eine andere Sache und da muß sich dann auch zeigen, ob das Team hinter dem Team, welches sich RB gönnt, die richtigen Rückschlüsse zieht aus englischen Wochen und dem europäischen Neuland. Bei Besiktas wird mehr gefragt sein als gegen Frankfurt, wo nur eine der beiden Halbzeiten dominant gestaltet wurde.

Gutes Remis, schlechtes Remis

Das Zustandekommen ist doch schon egal – der 1.FC Köln hat im sechsten Saisonspiel den ersten Punkt eingefahren. Beim 0:0 hielt der Beton, je länger desto besser und Hannover hatte es nicht verstanden, die FC- Abwehr endgültig zu knacken. Verunsichert genug wirkten die Kölner ja, aber vielleicht gibt es ja Auftrieb nun, da die Null nicht mehr steht. Gerade Hannover kann ja aus Erfahrung schöpfen, wie man beim Quantensprung zwischen Alltag und Europa Schiffbruch erleiden kann.

Der HSV ist unterdessen wieder auf dem Rückzug in bekannte Tabellen- Gefilde, fast vergessen der optimale Start mit sechs Punkten aus zwei Spielen. Beim 0:3 in Leverkusen erwischte die Hamburger ein Doppelschlag binnen drei Minuten und in der Abwehr wirkte vor der Pause einfach zuviel auf Zufall basierend. Das aufzuholen, fällt dann schwer.

Ohne Sieg steht nach sechs Spieltagen immer noch Werder da. Und wäre Trainer Nouri ausgetauscht worden, so hätte man es im allgemeinen Wahlabend- Getöse wahrscheinlich kaum wahrgenommen. Doch Nouri genießt die Rückendeckung von Manager Baumann – zumindest öffentlich.

Das Nordderby kann also kommen. Wohl ohne Kruse mit seinem kaputten Schlüsselbein. Was zwar beim Discobesuch kein Hindernis darstellt, aber eben beim Kicken natürlich doch. Er ist ja nicht der Erste, der diese Form der Musiktherapie in Anspruch nimmt. Große Schallwellen seitens des Vereins dürfte es auch nicht schlagen.

Bei Bayern macht man dies zwischen Marketing und Brauchtum ohnehin jedes Jahr. Gemeinsam auf dem Oktoberfest, Foto- Shooting mit Bierkrug. Damit kennen sich die kickenden PR- Arbeiter ja aus und so gelingt auch diesemal eine nette Außendarstellung im Zelt vom Feinkost- Käfer. Also richtig was Volksnahes, und die Stimmung ist eh gelöst. Als Fußballstar gilt es eben auch stets Illusionen zu verkaufen. Manchmal auch sich selbst vor dem Topspiel in der CL- Vorrunde in Paris.

Kleine Dinge

Sie haben den Dortmundern das erste Bundesliga- Gegentor dieser Saison eingeschenkt. Und immerhin 25 Minuten lang ihren Plan verfolgen können. – Es sind diese kleinen Dinge an einem Fußballabend in Dortmund, die von Gladbacher Seite mitgenommen werden können. Aber davon hat man in der Regel nichts nach einem 1:6.

Das ist noch ein Gegentor mehr als Köln dort viel diskutiert an gleicher Stelle vor einer Woche bekommen hatte. Und auch wenn die Gladbacher selbst einige Chancen hatten, aber allzu simple Bälle auf Bürki im BVB- Tor brachten: Abwehr geht anders als gezeigt.

Dortmund hat sich aber fein warmgeschossen für Real in der CL am Dienstagabend. Erst dann wird es einen wahren Härtetest für Trainer Bosz und seine Art spielen zu lassen geben.

Der Rest am Nachmittag waren enge Spiele, knappe Ergebnisse und zwei torlose Unentschieden, die wohl auch im Ergebnis die 90 Minuten widerspiegeln. Das gilt für Werder und Freiburg wie für Stuttgart und Augsburg. Der FCA hätte bei einem Sieg nach Punkten zu den Bayern aufschließen können.

Hertha spielte auswärts. Und verlor, wie so oft.  Aber außer den Punkten in Mainz ging auch Kapitän Ibisevic „verloren“ mit roter Karte wegen Schiedsrichterbeleidigung. Der Herthaner hofft nun auf Lippenleser, die seine Version der Nicht- Beleidigung bestätigen können. Und so oft ja inzwischen auf den Trainerbänken hinter vorgehaltener Hand diskutiert wird, so interessant wäre doch jetzt mal das Lippenlesen als spezielle Form der Video- Assistenz.

Die Video- Spezies aus Köln müssen am Nachmittag zum Durchstarter in Hannover, wo man eher auf die Reaktion auf den Tribünen schaut als auf das Sportliche. Bestenfalls noch auf diejenigen, die in ihren Logen über den Sport entscheiden. Martin Andermatt, einst Trainer in Ulm und Frankfurt und nun Berater des 96er- Aufsichtsrates. Er kollidiert wohl inhaltlich mit Manager Heldt, der deshalb schon Rücktrittsgedanken gehabt haben soll. So schafft man sich aber vor allem Baustellen im Verein.