Punkte, Einstellung, Trainer

Viel mehr Torschüsse, deutlich mehr Ballbesitz, doch am Ende verlor Dortmund gegen Köln mit 1:2 – und schon kommt wieder die Mentalitätsfrage auf. Das ist beim BVB fast schon so zuverlässig wie die Adventszeit kommt – nur halb weitaus öfter als einmal im Jahr.

Ob Kapitän Reus und Trainer Favre noch die richtigen Anführer seien, wenn es doch an der Einstellung mangle, fragt der Boulevard gleich wieder, als habe man drauf gewartet. Und man wird lange drauf warten können, daß den Beiden jemand der anderen Vereinsverantwortlichen öffentlich beisteht. Vielleicht ist ja auch genau das ein entscheidenden Stückchen im Mosaik in Dortmund?

Den Spieltag, der Bayern mal wieder als Sieger sieht, rundet ein unansehnliches und torloses Unentscheiden zwischen Leverkusen und Hertha ab. Dazu noch ein 1:1 zwischen Mainz und Hoffenheim, die beide ansprechende Phasen im Spiel hatten. Insofern geht das Ergebnis auch in Ordnung.

Leverkusen verpaßt den Sprung auf Platz 2, die drei Anderen bleiben bei einstelligen Punktezahlen in der Tabelle. Mainz steht auf dem Relegationsplatz und dürfte sich dort bald entfernen, Hoffenheim und Hertha sind zu gut besetzt für das letzte Tabellendrittel. Aber es fehlt an Ergebnissen.

Mit ein paar überraschenden Auftritten sind ein paar Trainerdiskussionen im Ansatz erst einmal vertagt worden. Kölns Gisdol dürfte am meisten durchatmen, vielleicht aber nicht am längsten.

Unruhiger dürfte es da schon bei den gefühlten Erstligisten in der Zweitklassigkeit werden. Hamburg verliert 2:3 in Heidenheim nach 2:0- Führung und Torwart- Patzer kurz vor Schluß. Das passiert verglichen zu den Vorjahren schon recht früh in der Saison. Und Hannover unterliegt 0:3 gegen Kiel, rangiert damit unter „ferner liefen“. Wo verliert man zuerst die Geduld?

Kölner Doubletten

Die großen Rennen verliert man mitunter gegen die Kleinen, so scheint es. Und da hat der BVB erneut einen Bolzen geschossen beim 1:2 gegen Köln, das nach 18 sieglosen Spielen mal wieder dreifach punktet.

BVB- Trainer Favre stand dabei weder selbst im Sturm noch in der Abwehr 😉 Letztere fing sich zwei nahezu identische Gegentore nach Eckbällen ein, einmal zog Routinier Hummels den Kopf noch weg und der Geißbock meckerte freudig. Daß hinterher Spieler wie Paßlack und Hazard vor die Kameras geschickt wurden, um die Pleite zu kommentieren, sagt ja auch was aus.

Leipzig hatte mehr Mühe mit Bielefeld als ihnen lieb war, das 2:1 wackelte am Ende. Gladbach legte gegen Schalke irgendwann noch zu, gewann 4:1 und spielte manches mit Inter Mailand im Hinterkopf nicht konsequent zu Ende. Und Bayern gewann in Stuttgart 3:1 nach Rückstand, wirkte aber in der Defensive nicht allzu souverän. Ob das immer gut geht?

Leipzig bleibt immerhin in Reichweite der Bayern, kann mit einem Sieg im direkten Duell an denen vorbeiziehen in der nächsten Woche. Dortmund hat nun vier Punkte Rückstand auf München.

Leverkusen kann sich mit einem Sieg gegen Hertha auf Platz zwei vorschieben und die englische Woche mit dem dritten Erfolg in Serie abschließen. Für die Berliner dürfte es dann ein eher unruhiger Advent werden. Sieben Punkte sind nicht die Ausbeute, die man sich vor geschweige hinter den Kulissen vorstellt.

Hoffenheim tritt in Mainz an und kann mit einem Sieg das Punktekonto zweistellig machen. Kann aber auch zeigen, daß man nicht zu den Teams gehört, die europaweit erfolgreich sind auf Kosten der Ergebnisse in der Liga. Gerade die Europa League hat ja gezeigt, wie man mit seiner Kadertiefe punkten kann.

Fernduelle in Pflichtnummern

Als hätte der Spieltag mit einem Eishockey- Match begonnen, so liest sich das Ergebnis. Spektakulär und mit 5:3 für Wolfsburg gegen Werder endet das Freitagsspiel. Damit verpaßt Werder das sechste 1:1 in Folge und der VfL bleibt weiterhin ungeschlagen. Zahlt es sich etwa doch so schnell aus, daß Manager Schmadtke nicht mit einem Rauswurf auf die Glasner- Phrasen vor ein paar Wochen reagierte?

Über die CL mag man so früh logischerweise auch noch nicht reden, aber Wolfsburg bleibt in Schlagdistanz. Kann zuschauen, was die Konkurrenten machen. Die wohl eher in Mannschaften wie Gladbach, Frankfurt und dem Eintracht- Gegner Union liegen. Gerade letztere können die fehlende Konstanz anderer Teams ausnutzen und haben selbst an Substanz gewonnen.

Dortmund und Leipzig stehen vor Pflichtnummern gegen Köln und Bielefeld. Gladbach eigentlich auch mit dem Heimspiel gegen Schalke, das aber nach dem Dienstagsgewitter auf allen Ebenen des Vereins eine Wundertüte sein könnte. Ob der Rest des Kaders das Donnergrollen richtig interpretiert hat oder zwischen all den Nebenbeschäftigungen dafür keine Antenne entwickelt?

Bayern spielt beim Aufsteiger Stuttgart, das hört sich ebenso leicht an, kann aber spannender werden als auf den ersten Blick vermutet. Beim VfB stimmt es einfach nach der Rückkehr in die erste Liga. 11 von 24 möglichen Punkten sind so schlecht nicht und vielleicht kann man es gegen rotierende Bayern sogar eng gestalten. Einen engagierten Auftritt sollte man den Schwaben zutrauen.

Augsburg ist punktgleich mit Stuttgart, muß nun gegen schlecht gestartete Freiburger ran. Da fällt ein Tipp wirklich schwer – zu sehr muß man sich an vertauschte Rollen der beiden Vereine gewöhnen.

Und ein Derby gibt es auch noch, allerdings in Liga 2 zwischen Nürnberg und Fürth am frühen Mittag und ein wenig außerhalb der Wahrnehmung.

Zeitreise und Kurzstrecke

Lag es an der kleinen Zeitreise? Daran, daß ich mir vorher ein, zwei Maradona- Videos angeschaut hatte? Jedenfalls erschien das EL- Spiel der Leverkusener danach über weite Strecken fad. Dann noch die Gastmnnschaft aus Israel, die sich lange gut organisiert hinten rein stellte. Da war es erst gegen Ende ein Kick, der sich gut schauen ließ. Und wieder mit einem hergeschenkten Gegentor, da baut Bayer an einer kleinen Serie.

Dem Sechzehntelfinale sind die Leverkusener mit dem 4:1 ein Stück näher gekommen, Hoffenheim hat es schon erreicht durch das 2:0 in Liberec.

Zeit also, wieder auf die Liga zu schauen. Werder und Wolfsburg eröffnen den Spieltag. Mehr Nordderbys wünscht sich Bremens Kohfeldt im Vorfeld – das hätte man in der Relegation ja erreichen können, da sollte sich nun niemand in grün und weiß beklagen.

Sein Manager hat anscheinend eine Baustelle mit seinen beruflichen Urahnen – da tun sich doch nicht etwa Risse auf in der vielbeschworenen Familie? Mit einem Sieg könnte Werder übrigens zu den Wolfsburgern aufschließen, ein 1:1 aber wäre ein neuer Rekord, weil das sechste in Serie.

Ansonsten wurde der Tag der Pressekonferenzen dazu genutzt, sich zu positionieren. Kölns Manager Heldt soll um seinen Trainer Gisdol kämpfen, muß aber gleichzeitig auf dem Markt Ausschau halten nach einer anderen Lösung. „Keine Job- Garantien“ gäbe es, so Kölns Präsident, und das sollte deutlich genug gegen die aktuelle sportliche Leitung gerichtet gewesen sein.

Bayern- Trainer Flick vertraut dem Boateng, dem seine Chefs keinen neuen Vertrag mehr geben wollen. War er nicht vor zwei Jahren schon so gut wie weg, zumindest in der Wahrnehmung Vieler?

Und nun? Hat man den Eindruck, als wollten Bayerns Chefs ihren Trainer nicht allzu „groß“ werden lassen. Oder aber sie hören nicht auf ihn – dann aber darf man fragen, warum dies so ist.

Meppen, Mexiko

Da war dieses Volksfest in Meppen, Anfang der Achtziger Jahre. Barcelona kam, Udo Lattek deren Trainer, mit einem prominenten Neuzugang: Diego Maradona, der im Emsland sein erstes Spiel für Barca absolvierte. Getroffen hat er auch in einem Kick inmitten eines einzigen Menschenauflaufes, so suggerieren es die grobkörnigen Bilder, die man noch in der Tube besichtigen kann. Maradona in Meppen!

Wenige Jahre später war es ein Volksfest vor Millionen von Zuschauern – die WM in Mexiko. „Es war der Kopf Maradonas und die Hand Gottes“, so der Argentinier darüber, wie sein 1:0 – ein Handtor – gegen England fiel. Sein Solo zum 2:0 dürften viele ähnlich gut erinnern.

Und kurz danach wurde Argentinien mit ihm Weltmeister im Endspiel gegen die deutsche Mannschaft. Gerade angesichts der „deutschen Tugenden“,, die damals noch alltäglich bei Länderspielen zu besichtigen gewesen sind, wirkte Maradonas Spiel noch dynamischer, noch schneller und vermittelte noch mehr Freude. Weil er schlichtweg alles drauf hatte mit dem Ball.

Ersparen wir uns diese müßigen Vergleiche zwischen ihm und Pelé oder Messi, diese müssen schlichtweg hinken und führen zu nichts.

Daß die Texte, die vor nicht einmal einem Monat zu Maradonas sechzigstem Geburtstag geschrieben wurden, nun überall auf der Welt als Nachrufe erscheinen – wer hätte das erwartet? Viel war in den letzten Jahren über seinen Gesundheitszustand zu lesen und doch überraschte die Nachricht, daß Diego Maradona nicht mehr lebt.

Manch einer mag auf eine Zeitreise gegangen sein statt sich am Abend Spiele der CL anzuschauen, die an einem vierten Gruppenspieltag fast schon automatisch an sportlichem Reiz verlieren. Bayern München hat das Achtelfinale erreicht. Hoffenheim kann dies in der EL ebenso tun, wenn sie nochmals gegen Liberec gewinnen sollten.

Wenn’s rappelt

Kein neuer Rekord vom jungen Moukoko, Dortmund hat ja noch den doppelten Haaland, der Brügge fast im Alleingang erledigte. Und Paris hat seinen Neymar, der einen Kann- Elfer verwandelte, der Rest war Ergebnis- Verwaltung.

Spannender ist es ja eh auf Schalke. Da entdecken der technische Direktor Reschke und der Verein „unterschiedliche Auffassungen“ darüber, wie es weitergehen soll. Schön, daß mal drüber geredet wurde! Vertrag aufgelöst.

Gleiches gilt für Low Budget- Oldie Ibisevic. Vertrag endet zum Jahresschluß. Sein Disput mit Trainerassistent Naldo habe mit der Entscheidung nichts zu tun. Vielleicht glaubt das ja jemand.

Hinzu kommen noch Suspendierungen und „Denkanstöße“ – mit anderen Worten: die Stimmung ist hochexplosiv bei den Königsblauen und dürfte noch bis zum nächsten Spiel anhalten. Gladbach – gegen die hatte man Ende Januar noch gewonnen. Der letzte Schalker Liga- Sieg bis heute.

Ob all diese Aktionen wirklich helfen? Wachrütteln? Den Anderen im Kader vor Angst Beine machen? Sie zu einem wirklichen Team zusammenführen? Oder ist es nur der Verlust der Nerven und das Umgehen der Einsicht, daß dieser Kader einfach nichts hergibt?

Es kann halt nicht jeder aus dem Vollen schöpfen wie die Bayern. Obwohl: die können das ja derzeit auch nicht. Und verzichten noch auf den übergewichtigen Süle. Der neulich noch beim Jogi als Abwehrchef aufgeboten gewesen ist. Und damit er kein zweites Sevilla erlebt, bleibt er wohl gegen die schnell spielenden Salzburger draußen.

Zuvor am Abend verteidigt Gladbach die Tabellenführung gegen Donezk. Das Hinspiel ging 6:0 aus, dennoch trennt beide Teams in der Gruppentabelle nur ein einziger Punkt.

Blau und weiß unter Spannung

„Sowas“ kommentiert man nicht, erfuhr der Sport- Informationsdienst von Schalkes Medienabteilung. „Sowas“, das soll ein Streit im Training gewesen sein zwischen Sturm- Routinier Ibisevic und Co- Trainer Naldo am Tag nach dem Erreichen des letzten Tabellenplatzes.

Ach ja, und zwischen tags zuvor ausgewechselten Spielern und Trainer Baum soll es auch gekracht haben. Wo soll das nur hinführen außer in die 2.Liga? Und zwar nicht, weil es statistische Abstiegschancen auszurechnen gilt nach acht Spieltagen – sondern weil der Eindruck entsteht, Schalkes Kader ist ein charakterlicher Sauhaufen, der sich erst auflöst, wenn Verträge für die 2.Liga keine Gültigkeit haben sollten.

Vielleicht liegt deshalb der Fokus nun auf Kaderplaner Reschke. Lange Jahre war er im Hintergrund bei Leverkusen erfolgreich, später dann bei Bayern. Doch weder der Job als Stuttgart- Manager noch jetzt bei Königsblau scheint ihm Erfüllung zu bringen oder den Vereinen Erfolg.

Vor dem Aus soll Reschke stehen, Manager Schneider dürfte ahnen, daß man jetzt auch ihn stärker beobachtet, bevor man Manuel Baum zum Kurzzeit- Coach macht und erneut einen sucht, der mit der Truppe Fünfzehnter wird.

Andererseits käme es auf die eine oder andere Abfindung mehr nun auch nicht an. Irgendwas bei 250 Millionen soll der Schuldenstand am Jahresende sein, zwei davon das fortgezahlte Jahresgehalt für Ex-Trainer Wagner. Warum versucht es Schalke nicht mal wieder mit einem Trainer, der Erfahrung hat? Wer billig kauft, kauft doppelt. Das gilt wohl auch hier.

Champions League schauen die Schalker bis auf weiteres ohnehin nur im Fernsehen – etwa den schwarzgelben Rivalen gegen Brügge. Mit neuer Haaland- Show oder wieder ein paar Minuten Moukoko? Nachnominiert wurde der junge Mann für die CL, doch Favre will ihn langsam aufbauen.

Leipzig muß nach Paris zum Tuchel. Es geht – trotz Gruppenphase – um das Erreichen der nächsten Runde. RB hatte das Hinspiel gewonnen und in Paris soll man sich erzählen, daß im Falle einer Niederlage Tuchel stark ins Kreuzfeuer der Kritik geraten würde.

Vielleicht aber hat er bereits einen Anruf aus Frankfurt bekommen und kann das alles ganz gelassen angehen?

Nur noch Köln und Schalke

Jetzt hat sogar Mainz 05 sein erstes Saisonspiel gewonnen! Im achten Anlauf immerhin, doch nach dem 3:1 in Freiburg ist man wieder im Geschäft und Fünfzehnter, nur noch zwei Punkte hinter den Breisgauern.

„Vorne wenig Tore, hinten schlecht verteidigt, dann wird es schwer.“ So faßt Christian Streich die Partie zusammen und zugleich den Freiburger Saisonstart. Sechs Punkte aus acht Spielen, das ist natürlich nicht das, was sie sich erhofft haben.

Doch kalkuliert man hier wohl eher mal ein Jahr in der unteren Tabellenhälfte ein als bei den noch sieglosen Schalkern oder den Kölnern. Saisonübergreifend auf achtzehn Spiele ist nun die Serie angewachsen, in der der FC keinen Dreier mehr geholt hat. 1:2 unterliegt man gegen Union Berlin. Der Vorjahresaufsteiger ist damit auf Platz 5 in der Tabelle vorgerückt. Und wahrscheinlich sollte man gar nicht nach Gründen suchen und alles groß interpretieren, sondern schauen, wie lange man auf dieser Erfolgswelle reiten kann.

Denn andere schwächweln ein wenig, lassen Punkte liegen wie zuletzt Gladbach. Die auf lange Sicht natürlich schon vor Union landen sollten, aber eben auch die englischen Wochen spielen dürfen. Da sage ich ganz bewußt „dürfen“, denn letztlich arbeitet man eine ganze Saison darauf hin, europäisch zu spielen – da kann man das wohl kaum als Quälerei oder Nötigung verkaufen, oder?

Diese Woche gibt es wieder täglich Fußball, die Rückspiele der Gruppenphasen von CL und EL liegen in den kommenden drei Wochen an. Frei übersetzt: risikofreies Geldeinnehmen, wenn man das sportliche Risiko betrachtet.

Und nebenbei bleibt nicht viel Zeit zur Aufarbeitung eines Spieltages, an dem es keinen Heimsieg gegeben hat – wer tippt das schon so in Gänze? Trainerjobs dürften auch sicher sein in dieser Woche. Und notfalls läuft sich Sandro Wagner bereits warm, will Trainer werden, jedoch „kein Ex-Profi, der meint, er kann schon alles.“ Davon gibt es wahrlich schon ausreichend.

Viererpack

Dieser Haaland kommt einem manchmal schon vor wie eine Urgewalt, wenn er losstürmt und am besten noch seine Tore selbst einleitet. Hertha hat das nun auch erfahren dürfen. Vier Tore hat er ihnen eingeschenkt, drei davon als Hattrick binnen 15 Minuten.

Damit ist Dortmund derjenige Verfolger, der am überzeugendsten Kapital aus dem Bayern- Unentschieden gegen Werder schlagen konnte. Durch das 5:2 in Berlin ist man auf einen Punkt an die Bayern herangerückt. Und nebenbei durfte Talent Moukoko auch noch sein Bundesligadebüt geben.

Leipzig half alles Drücken nicht, es blieb bei einem 1:1 in Frankfurt. Und Gladbach verspielte spät die dünne Führung gegen Augsburg. Leverkusen kam unterdessen zu einem späten 2:1 in Bielefeld.

Auf 57 Prozent wurde die Wahrscheinlichkeit eines Schalker Abstiegs ermittelt. Nun bietet die Bundesliga- Geschichte ja sicherlich auch ausreichend Material für diese Versuchsreihe inclusive Berechnung. Schalkes Stürmer Uth brachte es nach dem 0:2 gegen wolfsburg auf den ganz unmathematischen Nenner: er könne in die Kabine gehen und heulen.

Mit ihm sicherlich viele Königsblaue – denn Schalke in der 2.Liga – das ist in etwa so, als tingele der Zirkus Sarrasani über die Dörfer. Und ob das dann bei den Knappen wirklich nur eine Ehrenrunde bliebe, darüber werden sich schon viele am Schalker Markt die Köpfe zerbrechen.

Zu welchem Saisonziel Werders Remis bei Bayern am Ende beitragen mag? Sicheres Mittelfeld nach ruhiger Spielzeit? Der Flickhansi hatte Gnabry und Sané nach der intensiven Hinterherlauf- Einheit von Sevilla zunächst auf der Bank belassen. Werders Kohfeldt reagierte mit dem Verzicht auf Moisander und somit auf freiwilliger Unterzahl. Hat sich gelohnt.

Und auch das 3:3 zwischen Hoffenheim und Stuttgart war spektakulär und unterhaltsam.

Vier Unentschieden, drei Auswärtssiege – so die bisherige Bilanz des Spieltags. Ob noch Heimsiege hinzu kommen? Bei Freiburg gegen Mainz, das ein Kellerduell ist, wohl eher als in Köln, wo Union Berlin zu Gast ist. Der Vorjahresaufsteiger könnte weiterhin in den Europa League- Plätzen bleiben, Köln muß allmählich die Kurve kriegen, zöge mit einem Sieg an Bielefeld vorbei.

Frühreif, auch ligatauglich?

Das späte Samstagspiel kann dann noch eine interessante Liga- Premiere bringen – diejenge vom gerade mal 16-jährigen Moukoko, der für Dortmund spielberechtigt ist und im Spiel bei der Hertha seine allerersten Bundesliga- Minuten haben könnte.

Ihn hatte ich mir mal vor gut anderthalb Jahren in der A-Jugend- Bundesliga angeschaut. War schon beeindruckend, wie er da agierte. Sowohl als Mittelstürmer als auch hinter den Spitzen. Selbst Michael Skibbe als Trainer hat da nichts dran ändern können 😉

Die Frage, die man sich seit drei Jahren allerdings stellt: ist Moukoko wirklich so jung wie man sagt? Wenn einer mit dreizehn es mit Siebzehnjährigen aufnehmen kann, auch, weil er sich von der Statur her kaum von ihnen unterscheidet – dann tauchen da halt Fragen auf. Nicht nur nach der damaligen (und heutigen?) zehn Jahre älteren Freundin. Das geht einen eh nichts an.

Was gleichwohl interessiert: je jünger, desto mehr „Wunderkind“. Und desto teurer. Den Rest kann man sich denken, sein Vater war damals wohl auch sein Berater.

Doch bevor der BVB spielt, wird Bayern schon vorgelegt haben an der Tabellenspitze. Das wäre jedenfalls der Normalfall. Runde zwanzig Mal in Folge besiegten sie Werder, warum gerade jetzt nicht? Nur, weil Kohfeldt Dienstjubiläum hat oder weil es für ihn „das Schönste“ ist, „gegen die Besten zu spielen“?

Leipzig spielt in Frankfurt, das ist immer ein ungemütliches Pflaster und geht auch selten gut aus. Leverkusen hat die Pflichtaufgabe in Bielefeld vor sich. Die letzten acht Spiele gegen die Arminia hat Bayer 04 nicht gewonnen, was lediglich zeigt, wie kolossal sich die Verhältnisse gewandelt haben binnen elf Jahren Bielefelder Bundesliga- Abstinenz.

Hoffenheim muß corona- und quarantänebedingt die Tiefe und Briete seines Kaders ausschöpfen, es geht gegen Stuttgart und den ehemaligen Co- Trainer Matarazzo.

Gladbach gegen Augsburg, das heißt CL- erprobte Fohlen gegen Überraschungsstarter, die aber allmählich ins Mittelfeld absacken, ganz erwartungsgemäß. Und Schalke glaubt tatsächlich, gegen Wolfsburg den ersten Saisonsieg holen zu können. Gelingt das, wäre der VfL die Lachnummer des Wochenendes.