Noch zu drehen

Irgendwann fiel mir ein, daß Ex- Frankfurt- Chef Bruchhagen im Vorfeld der Partie erzählt hatte, er habe Inter Mailand höher eingeschätzt als Benfica Lissabon, weshalb die Eintracht realistische Chancen aufs Weiterkommen habe. Da stand es gerade 4:1 für Lissabon.

Am Ende hieß es 2:4 und somit wäre ein notwendiges 2:0 im Rückspiel in Frankfurt wirklich nichts Unmögliches, zumal Eintracht dann wohl kaum wieder siebzig Minuten in Unterzahl wird spielen müssen. Gemessen daran hat sie in Portugal noch das Bestmögliche herausgeholt. Und doch wirkte der gesamte Vortrag – dem Tempo geschuldet? – mitunter fahrig und ungenau.

Unterdessen drängen die Kollegen vom FC Bayern mal wieder mit einem jener „Nebenschauplätze“, über die Kovac ja am liebsten nichts in irgendwelchen Berichten lesen möchte: Coman und Lewandowski sollen sich beim Training geprügelt haben.

Und irgendjemand, der nicht namentlich genannt werden will, vergleicht in der spanischen ESPN die Arbeit mit Kovac bereits mit der Zeit unter Ancelotti. Ob er das wohl auch dem Kalle erzählt hat, da der keine Job- Garantie für den aktuellen Trainer geben mag?

Die Liga beginnt mit geballter Tradition am Abgrund: Nürnberg empfängt Schalke, das im zweiten Auswärtsspiel beim zweiten Kellerkind innerhalb von sieben Tagen schon einiges in Richtung Klassenverbleib bewegen könnte. Schalke könnte bei einem Sieg acht Punkte Abstand zum Relegtaionsplatz aufbauen. Nürnberg hingegen die Stuttgarter mit einem Dreier unter Druck setzen.

Wer Favorit ist in diesem Keller- Duell, ist schwer zu sagen. Schalke muß man immer wieder eine Minus- Leistung zutrauen. Ob der Huub mit seiner Beschimpfung von Schiedsrichter und Journaille wirklich so ein Gefühl wie „Wir gegen den Rest der Welt“ geschaffen hat? Oder doch nur seinen eigenen Ruf schädigt?

Nürnbergs Interimstrainer Schommers fokussiert sich da eher auf die Motivation der eigenen Mannschaft. Die in den letzten beiden Partien sogar gepunktet hat. Jetzt, wo es fast schon zu spät erscheint.

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Eine Nummer kleiner

Es ist halt alles eine Nummer kleiner anzusetzen: große Fußballer und Vereine machen sich auf den Weg in CL- Halbfinale und die deutschen Vertreter schauen ihnen vom Sofa aus zu.. Das richtige Pay-TV-Abo vorausgesetzt, natürlich.

Und so gilt es auf die Europa League zu warten, bis Eintracht Frankfurt bei Benfica Lissabon antritt. Zunächst in Portugal, mit einigen tausend Fans im Rücken, die allerdings auf Bewährung zuschauen und sich benehmen müssen. Anderenfalls droht immer noch ein ausschluß im Falle des Weiterkommens der Eintracht. Und die ist ja auswärts immer für einen Treffer gut, alles andere hängt sicherlich auch von der Tagesform ab.

Es bleibt wirklich zu wünschen, daß diese Mannschaft nicht allzu sehr auseinander fällt im Sommer, auch wenn nicht alle Cracks zu halten sein dürften.

Eine Nummer kleiner macht es demnächst auch Jos Luhukay, Ex- Trainer von Gladbach, Hertha, Ausgburg und Köln, das Kapitelchen Stuttgart vergessen wir mal großzügig. Nach seinem England- Ausflug hat er nun auf der Bank von St. Pauli angeheuert. Soll die Chance auf Platz 3 und damit die Relegation zur Bundesliga doch noch ergreifen.

Die Freistellung von Vorgänger Kauczinski mag sicherlich nachvollziehbar sein. Andererseits paßt die irgendwie nicht zu St. Pauli beziehungsweise dem Image, das dort jahrelang gelebt worden ist. Sympathischer Vierter zu werden, das scheint keine Option zu sein. Früher wäre es manchem am Millerntor fast schon lieber gewesen.

Drei vollzogene und ein angekündigter Trainerwechsel in den beiden ersten Ligen binnen einer Woche. Das sind ungeahnte Frühjahrsstürme und auch hier scheint sich ein Klimawandel zu zeigen.

Nicht europäisch, nicht einmal zweitklassig geht es hingegen für Ex-DFB- Präsi Grindel weiter. Seine beiden Ämter bei der UEFA und der Fifa sind zwar an ihn als Person gebunden, nicht an sein ehemaliges Amt. Dennoch hat er die Zeichen der anderen Funktionäre verstanden und trat aus den internationalen Gremien zurück.

Somit sitzt kein deutscher Vertreter derzeit in den erlauchten Kreisen. Aber das kennen wir ja von den Mannschaften in der CL bereits.

Und Grindel selbst hat für alle Notfälle ja noch die Rückkehrmöglichkeit zum Zet-Dee- Eff. Notfalls als siebstes Mainzelmännchen.

Keine Held(t)entaten

Man muß schon ein absoluter Horst Heldt- Fan sein, wenn man ihn demnächst wieder als Manager irgendwo anstellen würde, oder? Denn zum absehbaren Abschied bei Hannover 96 gab es für ihn noch einmal die volle Kindsche Breitseite.

Die sportliche Leitung, also Heldt, habe „versichert, dass das Saisonziel mit den Transfers erreicht wird und die Mannschaft konkurrenzfähig ist. Diese Einschätzung hat sich nicht bestätigt“. So verabschiedet Kind in einer Mitteilung Heldt auf den Arbeitsmarkt. Viel Erfolg bei der nächsten Bewerbung.

Trainer Doll darf immerhin die erste Liga noch ein paar Wochen lang abwickeln. Er war die letzte Fehlentscheidung von Heldt. Selbstprofilierung statt Punkte, wie zuvor schon unter Breitenreiter.

Und Kind? Mußte sich blind verlassen, daß seine Kohle zielführend rausgehauen würde. Gasprom- Gerd hat halt keine sportliche Kompetenz, mit der er die sportliche Leitung hätte kontrollieren können.

In Augsburg hingegen hat man lange gewartet, macht nun sechs Wochen vor Saisonende den radikalen Schnitt. Mit Ausnahme des Managers, Reuter bleibt. Ex- Trainer Baum hingegen hatte so viele Blätter verloren in den letzten Wochen. Der nach Frankfurt geflüchtete Hinteregger war wohl nur der lauteste Kritiker, beileibe nicht der einzige.

Und wer immer gedacht hatte, Jens Lehmann sei installiert worden um Baum zu stützen und dann zu stürzen und zu beerben, der wurde eines Besseren belehrt. Der Ex- Keeper ist nach zwei Monaten und ein wenig Medienrummel um seine Person schon wieder Geschichte. So schnell kann’s gehen…

Ob man in Augsburg nun das Vertrauen ins Trainerteam verloren hatte – oder aber in die konstant schwächelnde Konkurrenz? Schließlich hat der FCA ja noch vier Punkte Vorsprung auf den Relegationsplatz und Ex- Coach Weinzierl. Damit hat jetzt auch der letzte Kellerverein die Karte Trainerwechsel gespielt.

Martin Schmidt übernimmt, ein Experte für das Mittelfeld der Liga. Aber das ist für die Augsburger ja derzeit schon ein großes Vorhaben.

 

So richtig souverän, oder etwa nicht?

Was war eigentlich mit den Trainern los am Wochenende? Als sei bei der letzten Trainertagung erörtert worden, daß hinter jedem Mikrofon ein Blitzableiter installiert sei.

Da beschwert sich Nico Kovac, dessen Verein ja inzwischen selbst auch Fernsehen veranstaltet (!) und obendrein tagtäglich zu einer Pressekonferenz lädt, wobei es zwangsläufig um Kleinigkeiten gehen muß, weil es so oft nun nichts „Großes und Neues“ gibt. Kovac stört sich an Berichten über Kleinigkeiten. Nicht darüber, daß seine Social Media- Kicker und ihre Frauen ständig Nebenschauplätze eröffnen.

Und er wird auch weiterhin nicht umhin kommen,, damit konfrontiert zu werden. Darf bestimmt Stellung dazu beziehen, daß Kalle ihm nach dem 5:0 am Sonntagmorgen keine Job- Garantie geben wollte.

Schalkes Stevens mochte sich nicht nach einer gelb- roten Karte befragen lassen. Und legte dann noch sinngemäß nach, der Fragesteller müßte doch wissen, daß man (also er, Stevens) dann emotional sei. Ergo dürfe er dann nicht fragen. – Ein seltsames Verständnis, das der Huub da an den Tag legt.

Gladbachs Noch- Trainer Hecking bricht das Sky- Interview ab, nachdem sich jemand erdreistet hatte nachzuhaken wegen des Bank- Platzes für Kapitän Stindl. Da er vor dem Spiel was dazu gesagt hatte, habe er die Fragen nach dem Spiel dazu für überflüssig gehalten – schob Hecking 24 Stunden später eine eher laue Erklärung in der Rheinischen Post nach. Die Kollegen dort mag er wohl lieber.

Außerdem – auch das erzählte Hecking – habe ihm nicht gefallen, wie Kollege Lienen bei Sky das Spiel seiner Gladbacher bewertet habe.

Ist also völlig klar, daß dann der Feldreporter die Prügel einstecken muß in Form eines abgebrochenen Interviews, nicht wahr?

Es wäre doch mal überlegenswert, wenn Fragesteller die Interviews abbrechen, wenn sie die Antworten für überflüssig erachten. Das spart bei manch einem Kandidaten eine Menge Sendezeit.

Oder bei manch einer Kandidatin! – Inka Grings, seit Neuestem Trainerin in der Regionalliga beim SV Straelen. Erzählte nach ihrem ersten Spiel mit ihrer Mannschaft in der PK dem Kicker zufolge die üblichen Stanzen, die alle Coaches bringen. Fragen zu ihrer Person waren übrigens nicht zugelassen!

Wege nach Europa

Da waren die kraftkostenden und am Ende frustrierenden 120 Pokal- Minuten vom Mittwoch dann wohl doch ein wenig zu viel für den FC Augsburg. Der kassierte gegen Hoffenheim gleich eine 0:4- Klatsche und bleibt dick im Abstiegsgeschäft.

Die TSG hingegen tut etwas für die Tordifferenz und klettert auf Platz 7. Das kann noch ein spannender Vierkampf um die Startberechtigung für die Europa League werden. Hier mischen auich weiterhin Werder und Gladbach mit, die sich 1:1 unentschieden trennten. Wem es mehr hilft? Schwer vorauszusagen. Und auch wenn manch einer von einem Rückschlag für die Borussia spricht: sie hat immerhin zu Hause nicht verloren. Auch das war zuletzt anders.

Werder bleibt dran an der Europa League und hat ja auch noch einen Plan B im Pokal mit der Wiederbelebung des alten Gipfels gegen Bayern im Halbfinale. Letztere können sich ja erst einmal mit der üblichen Schuldzuweisung ans Umfeld beschäftigen. Da lobe ich mir doch die alten Verbalduelle zwischen Lemke und Hoeneß auch noch Jahrzehnte später.

Das Nordderby im Endspiel kannn man sich wohl abschminken, da dürfte Rasenball- Ralle davor sein mit seinen „Mentalitätsspielern“. Nette Umschreibung dafür, wenn es spielerisch unrund läuft wie im Viertelfinale in Augsburg.

Entscheidende Schritte

Bayern gegen Dortmund – ein Spitzenspiel? Duell auf Augenhöhe? Nein, nein, nein, nein und noch ein fünftes Mal nein. Gleich mit 5:0 endet der Kick zwischen der Tabelle zufolge den beiden besten Mannschaften der Liga.

Was die Frage aufwirft nach der Qualität vom Rest der Bundesliga verglichen mit Bayern. Und die zweite Frage, warum der Dauer- Meister anscheinend in solchen Spielen ganz andere Leistungen abruft. Oder hat Kovac wirklich nur die richtigen Schwerpunkte gesetzt in den letzten Tagen? Fast verzockt gegen Freiburg und Heidenheim, damit gegen den BVB solch eine Stärke demonstriert werden kann?

Das wird sich dann nächste Woche beim Bayern- Spiel in Düsseldorf zeigen, das mit seinem vierten Auswärtssieg der Saison einen weiteren Schritt in Richtung Klassenverbleib gemacht hat. 2:1 hieß es für Fortuna bei Hertha, die in der Rückrunde bislang acht Punkte weniger einfuhr als der Aufsteiger.

Einen weiteren Schritt Richung zweiter Liga machte Hannover mit dem 1:3 in Wolfsburg, auch wenn diesmal noch ein paar Komplimente mit auf den Weg gab. 96-Boss Kind sieht seinen Verein eh schon wieder nach Aue und Regensburg fahren.

Nürnberg wehrt sich gegen diese Fahrten noch. Holt ein Unentschieden beim VfB Stuttgart und ist gerade einmal vier Punkte vom Relegationsrang entfernt.. Geht da etwa noch was, zumal Stuttgart am Ende der Saison nach Schalke muß? Dort lagen die Nerven so blank nach dem entscheidenden Video- Elfer weit in der Nachspielzeit, daß sich der Huub bis zur PK noch nicht beruhigt hatte und auf eine Nachfrage zum besagten Elfmeter die Fassung verlor.

Wahrscheinlich wieder ein Versuch, den Fokus von der Mannschaft abzulenken. Unsouverän kommt es dennoch rüber.

Im Kampft um die Europapokalplätze können Hoffenheim und Werder Boden gewinnen mit ihren Auswärtsspielen in Augsburg und Gladbach. Für die Borussen wäre im Falle einer Niederlage selbst die Europa League- Quali gefährdet. Und wirklich alle Seiten bereit, die Personalie Hecking bis zum Saisonende zu belassen wie sie ist?

Und nun gilt es

Das ist ja eine wirklich laue Auftaktbegegnung für den Spieltag, wenn Mainz auf Freiburg trifft. Auch wenn der Sportclub zuletzt den Bayern einen Punkt abgeluchst hat und damit ein wenig Zünglein an der Waage gewesen ist an der Tabellenspitze.

Zehn Punkte hinter Europa und zwölf Punkte Vorsprung auf den Relegationsrang, da geht es nun vor allem darum, die Saison ruhig zu Ende zu spielen. Die Mainzer werden die Freiburger eben darum fast schon beneiden, steckt doch die Schwarz- Truppe in einer Negativschleife, verlor sieben der letzten acht Spiele.

Am Samstag holt sich Hannover im Nachbarschaftstreffen mit Wolfsburg die nächste Pleite ab. Doll und Heldt dürfen abwickeln, was sie und Breitenreiter dem Verein eingebrockt haben. Und offensichtlich glaubt auch keiner mehr, ein erneuter Trainerwechsel würde den Abstieg verhindern. Da ist es nur logisch, die beiden weiterrödeln zu lassen.

Nürnberg versucht nach seinem Mutmacher- Sieg über Augsburg, beim Auswärtsspiel in Stuttgart nachzulegen. Gelänge dies wirklich, wären die Franken nur noch einen Punkt hinter dem VfB. Daß es nach einer Serie von zwanzig sieglosen Spielen für den FCN überhaupt noch eine solche Gelegenheit gibt, ist fast schon nicht normal.

Leverkusen trifft auf Leipzig, auch diese Partie hat Final- Charakter, zumindest für Bayer und Bosz. Das Team muß wieder zulegen, ist gleichauf mit Wolfsburg und Werder. – Hertha und Düsseldorf treffen im Niemandsland der Tabelle aufeinander, bestenfalls wird es ein Charaktertest für die Teams.

Und dann geht es abends wahrscheinlich bereits um die Deutsche Meisterschaft. Bayern empfängt Dortmund bei eigenem Zwei- Punkte- Rückstand. Siegpflicht also, um wieder Tabellenführer zu werden für München. Da wurde fleißig rotiert, in Freiburg ebenso wie gegen Heidenheim im Pokal. Doch vor Wochenfrist wurde vor allem die Einstellung der vermeintlich satten Generation bemängelt. Die aber sollte nun stimmen.

Dortmund bringt wieder Käpt’n Reus nach Babypause und Trainer Favre hat auch schon mit Gladbach bei den Bayern gewonnen. Warum also nicht noch einmal?