Fragen kostet nichts

Sag‘ mir, wie Du spielst und dann stelle ich mich drauf ein. – Das klingt eigentlich wie der einfachste Weg zu einer optimalen Spielvorbereitung. Doch Fußball, das wissen wir, wird oftmals durch die anwesenheit eines Gegners erschwert.

Noch dazu, weil der in der Regel eben nicht seine Taktik im Vorfeld des Spiels preisgibt. So dusselig sind sie auch bei Hannover 96 nicht, wo Trainer Breitenreiter parallel zu Transferforderungen an seinen Präsidenten eben eine ganze Woche ohne Öffentlichkeit trainieren läßt vor dem Spiel gegen Werder.

Deren Scoutingabteilung kam einem Bild- Bericht zufolge auf die grandiose Idee, gleich bei 96 nach einem Spielvideo zu fragen. Zur eigenen Vorbereitung.

Sowas liest man gleich zweimal, weil es so unglaublich klingt, oder? Aber so ging es einem ja auch mit der Drohnen- Nummer über Hoffenheims Trainingsgelände. Schade nur, daß da Leute (bezahlt) am Werk sind, die ihren Auftraggeber mit solchen Aktionen lächerlich machen.

Anderswo wählt man andere Formen der Selbstdarstellung, bevor es im Liga- Alltag wieder zu wenige Schlagzeilen gibt. So geistern Fotos von Leipzigs Rasenballern mit Musikinstrumenten in der Hand herum. Poulsen an der Violine, Werner erste Geige und Ralle natürlich als Dirigent.

Diese Aktion mit dem Gewandhausorchester soll die Verwurzelung der Rasenballer mit der Stadt dokumentieren. Worauf manche Marketingabteilung so kommt…. Nicht, daß die Musiker im Rückspiel zum Dosenwerfen antreten. – Da lobe ich mir doch die nun zu Ende gehenden Fotos aus den Trainingslagern mit wahlweise „Piloten“ oder „Kapitänen“ und übergehe sie genauso schnell.

Ein anderer Macher, der nicht immer bequem gewesen ist, aber eine Menge seiner Ziele realisiert hat, ist Wilfried Finke. Der ehemalige Präsident und Sponsor des SC Paderborn verstarb vorgestern. Jemand, der Stadt und Verein gleichermaßen l(i)ebte und den man sogar bei Spielbeobachtungen antreffen konnte. Profifußball wäre ohne Finke in Paderborn unmöglich gewesen.

 

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Konsequent global

Einmal mehr also auf nach Fernost, nun hat die DFL auch ein Büro in Peking. Erzählte der Geschäftsführer Seifert beim Neujahrsempfang. Sicherlich, die Internationalisierung schreitet voran und bestimmt wollen viele Chinesen dringend was wissen über den großartigen Fußball made in Germany.

Nur zu gern erinnern wir uns an das zarte deutsch- chinesische Pflänzchen in der Regionalliga Südwest, das fünf Demonstranten quasi im Handstreich beendeten nach monatelangen Debatten in Verbänden und Foren.

Und immer wieder – ob DFL oder die Global Player wie Bayern, Dortmund, Schalke – wird gern von Internationalisierung gesprochen. Davon, daß man ja mit den anderen großen Ligen in Konkurrenz stünde und entsprechend mithalten müsse. Auch wenn die Premier League die Welt schon weit eher entdeckt hat als die Bundesliga, für die vor gut zehn Jahren noch Arminia Bielefeld als „Botschafter“ auf China- Reise schickte.

Warum sind die Bundesliga- Vereine in ihren Wintervorbereitungen zwischen Katar, Südafrika und der Türkei unterwegs und überlassen den Konkurrenz- Ligen aus England oder Spanien immer wieder und immer noch um den Jahreswechsel herum das Feld?

Nicht, daß ich den Jungs die freie Zeit über Weihnachten und Neujahr nicht gönnen würde. Und sowas wie den britischen Boxing Day- Spieltag muß es meinetwegen hierzulande auch nicht sein.

Aber irgendwie wäre es doch im Rahmen der weltweiten Unterhaltungsindustrie, als der sich Fußballvereine inzwischen sehen, nur allzu konsequent, wenn man die Winterlücke im Bundesliga- Spielplan so klein wie möglich halten könnte.

Letztlich wird ja sonst auch nichts ausgelassen, um sich modern zu präsentieren und dem angeblichen Zeit- und Quotengeist zu entsprechen. Ich denke nur an Reisen um die halbe Welt im Sommer für irgendwelche wahnwitzigen Freundschaftsspiele, die zwischen Disneyland und Schlammcatchen einzuordnen sind. Aber Märkte wollen bedient werden. Nur warum dann nicht konsequent?

Fortuna, Fortune, Freiburg, Feierabend

Daß manch Verantwortlicher bei Fortuna Düsseldorf unter südlicher Sonne von fast allen guten Geistern verlassen worden war, hat ja nun fast jeder mitbekommen können. Möglicherweise aber verläßt das Management nach dem Salto rückwärts jetzt ja doch die Fortune.

Denn Trainer Funkel, der nun doch bleiben soll, was für den Boulevard beschlossene Sache und Schlagzeile ist, läßt im Interview mit der Rheinischen Post die Angelegenheit zunächst öffentlich ein wenig ruhiger angehen. Will dem Gespräch mit Manager und Sportvorstand nicht vorgreifen.

Läßt Funkel seine Gegenüber lediglich zappeln und nutzt seine gestärkte Verhandlungsposition aus? Oder verzichtet er von sich aus auf eine Verlängerung und stellt die Bosse damit endgültig bloß ?

Das nennt man dann vielleicht auch Freiheit, die man sich im Laufe der Jahre erarbeitet hat. Das gilt für Funkel, aber beispielsweise auch für Freiburgs Streich. Er zieht in Betracht, daß der erste Bundesliga- Trainerstuhl für ihn auch der letzte sein könnte.

Sieben Jahre macht er den Job jetzt und kann sich nach eigener Aussage kaum vorstellen, dies nochmal so lang zu tun. Pause oder Ende, beides wäre eine Option. Und offen gestanden, ich kann mir den Streich auch nirgendwo anders vorstellen. Auch wenn der Jupp ihn stets als Freiburgs besten Mann bezeichnet hatte.

Aber würde er einen anderen Verein ähnlich authentisch vertreten können wie seine Freiburger? – Und es ist ja auch völlig legitim, zu oft ist ein Trainer, der (s)einen Verein verkörpert hatte, dann anderswo gescheitert.

Oft auch, weil es fremd wirkte, vielleicht auch für denjenigen selbst. Ob Werder- König Otto bei den Bayern oder Pauli- Stani in Hoffenheim. Oder ein Robin Dutt auf jeder Station, nachdem er Freiburg verlassen hatte.

Dies mit sich selbst im Vorfeld abzumachen, kann man durchaus als Stärke sehen. Und da wirkt ein Streich allemal reflekriert genug.

 

Aktiver Urlaub

Wahnsinn – Hummels hat einen Ball aus elf Metern versenkt, gelupft. ge“chippt“, wie es heute oft heißt – und schon hat Bayern einen magentafarbenen Pokal in der Vitrine stehen oder in der Telefonzentrale.

Kein Wunder, wenn Mats‘ Frau dann gleich ausflippt vor Begeisterung und der erregten Followerschaft mitteilt, daß ihr Mann „den ganzen Urlaub“ jeden Tag im Gym war. Klingt nach Abitur, meint aber Muskulatur, die er dort gemacht hat.

Und schon lupft er einen Elfer rein nach diesem Ferienprogramm. Vielleicht darf er sich dann beim Rückrundenstart auch wieder ausruhen.

Aktiver Urlaub wird gern denjenigen unterstellt, die in den möglichst fernen oder wenigstens reichen Osten wechseln. Alles- Twitterer Poldi war schon lange nicht mehr aufgefallen und da wurde es höchste Zeit, daß ihm schnell noch ein oder zwei Schlagzeilen zuteil werden, bevor wieder viel Wichtigeres verhandelt wird.

Er kann sich eine Rückkehr in die Bundesliga vorstellen, das hat so herrliches Potential zum Interpretieren. Meint er, er könne da mithalten?  Oder mehr als nur das? Oder ist da der Wunsch doch ein wenig stärker als die Wirklichkeit?

Vielleicht ist es auch für all diese Jungs schwierig zu realisieren, daß Du beim Hochgeschwindigkeitsfußball neuerer Prägung eben ein paar Jahre früher verheizt bist als früher. Mit dreißig bist Du alt und nur wenige entdecken wie ein Marco Reus mit 29 den nächsten Frühling und die Form ihres Lebens.

Außerdem, bei Poldis Effzeh ist ja im Sturm gar kein Plätzchen frei und Geißbock Hennes der Wievielte erfreut sich auch bester Gesundheit und mag seinen Job noch nicht an Poldi abtreten.

Zehn Millionen hat dagegen Chaosclub Hannover in die Hand genommen und ein Breitensportzentrum eröffnet. Da kann dann das gemeine Vereinsmitglied Darts spielen oder Basketball – und vielleicht mit Gleichgesinnten von besseren Zeiten der Fußballabteilung erzählen und sich wundern, ob man die Kohle nicht zur Vermeidung des Abstiegs hätte verwenden sollen.

Geht auch ohne

Neues vom Social Media- Crack des letzten Sommers. Oder eigentlich: nichts Neues! Denn Özil darf nicht mitmachen, Arsenals Trainer Emery steht anscheinend nicht auf ihn. Dabei hatte er sich doch nach Verletzung zurückgemeldet, via Instagram, wie es sich gehört.

Zwar verlor Arsenal gegen West Ham, aber die Entscheidung, daß Özil besser von draußen zuschaut, stand auch hinterher nicht zur Debatte: „Ich habe die Spieler ausgewählt, die ich für dieses Match für am besten geeignet hielt.“, so der Trainer und es klingt, als sei die Zukunft Özils überschaubar.

Er wird doch nicht etwa die Zeichen der Zeit erkennen und wechseln? Ginge er nochmals in ein anderes Land, so würde – je nach Vertragslage – sogar RW Essen als erster Profiverein nochmals einen allerletzten Nachschlag erhoffen.

Den hat Stuttgarts Badstuber schon im Sommer bekommen durch seine Vertragsverlängerung beim VfB. Dreijahresvertrag und Gehaltserhöhung auf drei Millionen jährlich. Ein halbes Jahr später und ein paar schlechte Spiele, und schon sieht man es als Fehler an. Geld verbrannt, aber das scheint beim VfB kaum zu stören.

Ob mal irgendjemand merkt, dass beim sportlichen Leiter Reschke der Lack nach anderthalb Jahren schon arg blättert? Und dass es vielleicht doch Gründe hatte, dass er in Leverkusen und München eher der Mann aus der zweiten Reihe gewesen ist?

Badstuber hatte ja stets durchscheinen lassen, dass er nochmal andere Ambitionen habe als Stuttgart und sieht sich ja immer noch als derjenige, der er vor seinen Verletzungen war. Aber vielleicht ist das auch der Grund aller Probleme. Na, jedenfalls würde man ihn wohl gerne ziehen lassen, je schneller, desto lieber.

Sein Kollege Pavard geht garantiert, vielleicht noch im Winter. Zu Bayern und als Umbruchhelfer. Was zu Lasten von Chefredakteur Boateng und Postingboy Hummels geht. Fraglich nur, ob die Beiden die Zeichen der Zeit erkennen werden oder ob man ihnen die Uhr vorlesen muss.

Ohne Glanz und ohne Huth

Der Titel trügt: „Welttorhüter“ – kein Neuer und Buffon ist gemeint, sondern Lutz Pfannenstiel, dessen Titelsammlung recht überschaubar ist. Der aber auf allen Kontinenten dieser Welt mal im Kasten gestanden hat und wahrscheinlich kam nur niemand auf die Idee, ihn „Kontinentalfänger“ zu nennen.

Nach ein paar Dutzend Stationen als Spieler war dann irgendwann mal Schluß für ihn, mit Charity und als TV- Experte ging es dann weiter. – Hatte ihn jemand als Bundesliga- Manager auf dem Zettel?

In Düsseldorf schon und man konnte bereits beim Begrüßungsbild sehen, daß Trainer Funkel und er nicht auf Anhieb einen Draht zueinander haben würden. Aber nun ist ja klar, daß der Trainer- Routinier im Sommer in Rente geht, nachdem man sich nicht zu einer Vertragsverlängerung durchringen und noch abwarten wollte, wohin die Fortunenreise denn geht.

Daß der Job- Anfänger dem Bundesliga- Oldie ein paar glatte Worte wie „vollstes Vertrauen“ und „hervorragende Arbeit“ hinterherwirft, wirkt unangenehm. Pflicht halt. Und man könnte meinen, Pfannenstiel sei vor allem geholt worden, um solch eine unpopuläre Entscheidung zu beschleunigen.

Und man wird abwarten, was es mit dem „vollsten Vertrauen“ auf sich hat, wenn mal ein paar Spiele nicht gewonnen werden…

Es bleibt zu wünschen, daß die  –  Danke an @Catenaccio 07 für’s Update (siehe unten) – Gespräche, die wieder aufgenommen werden sollen, so geführt werden, daß nichts hängen bleibt, wenn es mit Funkel weitergehen sollte.

Wesentlich stiller ist jemand in die Kicker- Rente gegangen, der zwar nicht Welt- Verteidiger war, aber immerhin WM-Teilnehmer 2006. Ist das schon so lange her? Robert Huth, zuletzt bei Leicester City und mit denen 2016 Überraschungsmeister in der Premier League.

Daß er – jetzt 34 – vor einem halben Jahr seine Karriere beendet hatte, kam erst jetzt heraus, als er ein Engagement bei einem neuen Verein dementierte. Da hat einer den stillen Abgang gewählt – und verweist dezent drauf: „Ich habe bloß kein Interview gegeben und rumgeheult“.

Und kein Buch schreiben lassen und er wird auch kein Fernsehexperte in absehbarer Zeit, darf man vermuten.

Klasse(n)vergleich

Eines muß man dem Felix Magath ja lassen: er ist nicht nachtragend. Bei Bayern einst nach zweifachem Double vor die Tür gesetzt, setzt er immer noch auf die Bayern im Titelkampf. Und da er nun schon einige Zeit nicht mehr aktiv in der Bundesliga auf ’nem Trainerstuhl gesessen hat, hatte er auch ausreichend Zeit darüber nachzusinnieren.

„Ich glaube nicht, dass der BVB die Klasse hat, sein Ding bis zum Saisonschluss durchzuziehen“, so Magath in einer Kicker- Kolumne und trotz sechs Punkten Vorsprung des BVB auf die Bayern.

Man kann nur vermuten, daß die Auslieferung des Kicker am Ort des Dortmunder Trainingslagers sich verzögert hat. Anderenfalls gäbe es bereits die Replik vom Aki, der ja ohnehin dieser Tage wieder Fahrt aufnimmt und eine Menge kommentiert.

Daß „sechs Punkte nicht die Welt“ sind, darin ist Magath ja von Mario Götzes Einschätzung nicht weit entfernt. Wohl aber höchstwahrscheinlich in den Schlußfolgerungen. Und gelegentlich muß Magath sich ja auch mal wieder ins Gedächtnis der Leute zurückbringen.

In München rechnen sie einfacher: irgendwann gegen Ostern ein Sieg im Heimspiel gegen den BVB und dann werden die Dortmunder bestimmt nochmal ausrutschen – und schwupp, wären die Bayern ganz oben.

Was natürlich ein Ausbleiben eigener Ausrutscher voraussetzt und das scheint nach der Hinrunde doch ein wenig optimistisch zu sein mit all den Störfeuern im eigenen Haus und auf der Tribüne. Und dann heißt es auch noch, Kovac mache seine Mannschaft mit mehr als zwei Stunden andauernden Trainingseinheiten so platt, daß sie nicht einmal mehr Elan für den Mannschaftsabend haben.

Und der kleine Schnitzel- Prinz hat sich nun auch noch ’nen Muskelfaserriß zugezogen. Auch so kann man sich der „Begrüßung“ beim nächsten Spiel in Sinsheim entziehen.