Rundum und nicht neu

Ein halbes Jahr hat er noch auf seinem Trainersessel in Hoffenheim, der Nagelsmann. Wenn alles gut läuft und die Qualifikation für Europa nicht vorzeitig durch die Lappen zu gehen droht. Da sind andere Trainer, deren Abrufe feststehen oder -standen, schon weitaus mehr als „lame duck“ wahrgenommen worden.

Nagelsmann hingegen erzählt gern vom großen Ganzen und so war es jetzt allerhöchste Zeit für ein Beinahe- schon- Abschiedsinterview während seines letzten Trainingslagers mit der TSG.

Und da scheint auch der zukünftige Leipziger den Trend wahrzunehmen, daß der Fußball an einen Punkt kommt, an dem sich die Stimmung ändert. „Es gibt bestimmt eine Übersättigung bei Fans, Zuschauern oder Amateurfußballern durch die Vielzahl der Spiele und tausendfachen Analysen von all den Experten.“, so im Interview mit der Heilbronner Stimme.

Da ist er ja weitaus nicht der Erste, der dies so wahrnimmt. Allerdings wird auch Nagelsmann diesen Trend nicht aufhalten können, ebenso wie denjenigen zu mehr Statistiken rund um die Spiele. „Der Sport wird immer extremer durch die vielen Daten, nicht nur durch die physiologischen, sondern auch die zunehmenden taktischen Daten.“

Das ist ganz sicher der Fall, jedoch nutzt ja auch Nagelsmann diese Datenfülle in seinem Trainerteam. Und sind sie nicht auch ein Mosaikstein zur Steuerung von Training und etwas höher gegriffen, sogar von der Minimierung von Zufällen?

Dabei ist es ja eigentlich das Unberechenbare, das den Fußball ausmacht. Wie Liverpools Pokalaus gegen Wolverhampton. Stattdessen wird manches mitunter überanalysiert, von abkippenden Sechsern, falschen Neunern und seit ein paar Wochen auch von schwimmenden Zehnern erzählt. Fehlt nur noch, daß bestimmte Bewegungen auf dem Feld nach ihren vermeintlichen Erfindern benannt werden.

Und den Rest besorgen die Verbände, das sieht auch Nagelsmann ganz richtig, mit zu vielen Wettbewerben. Nur wird auch sein aktueller Verein in die Verlegenheit kommen können, eine „Europa League 2“ als Trostpflaster nehmen zu müssen, wenn es ein Jahr mal nicht so rund laufen sollte.

In der Blase Fußball werde der Fußball zu hoch gehangen, so Nagelsmann. Aber so funktioniert halt die Selbstbespiegelung. Wichtig, daß er sich von seiner Projektion (noch) unterscheiden kann.

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14 Gedanken zu “Rundum und nicht neu

  1. Schön wäre es , wenn Nagelsmann gegensteuern würde – aber ich glaube, er hat die Videowände am Trainingsplatz eingeführt, ist also sicherlich nicht unschuldig an diesem Technikwahn.

    Es müsste ein großer Schnitt erfolfen, den weder diese Pappnasen beim DFB, noch die verantwortlichen Sendeanstalten machen und so verkommt ein einst guter Sportsender dann zur Werbeplattform.

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    1. Und alle machen dabei mit, haben sich schon viel zu sehr aneinander verkauft. Denke gerade an den Anruf eines Trainers beim ’nem Kollegen, der für den Erstverwerter arbeitet.. Das war (und ist sicherlich noch) so abgemacht im Rahmen der Spielvorbereitung. Exklusiv natürlich… – Nur ’ne Kleinigkeit, aber da wird keiner mehr das Rad zurückdrehen wollen.

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      1. Wozu sollte das Rad auch zurückgedreht werden, wenn wir alle – auch wir Zuschauer – es mitmachen und dmaut das Rad am laufen halten?
        Irgendwann wird sicherlich zwangsläufig das Rad blockieren – aber ob wir das noch erleben werden?
        In der Zwischenzeit kann manr nur für sich selbst versuchen, gegenzusteuern – Übertragungen nicht ansehen, Spieler mit dem Ball vertraut machen, Verhaltenskodex beachten und Störungen von außen nicht zulassen.
        Früher war Fußball einmal ein Vokssport und eine feine Sache.

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      2. Wenn man bedenkt, daß in Urzeiten der DFB mal dafür sorgte, daß die Sportschau nur drei Spiele übertrug, damit die Leute noch ins Stadion kommen….

        Leider gibt es derzeit nur die Gelegenheit persönlich gegenzusteuern. Ich würde mir wünschen, daß mal jemand den Faden aufnimmt mit der drohenden Übersättigung und versucht, Fußball wieder zum wesentlichen zu führen. Hoffnungslos, ich weiß… 🙂

        Stattdessen machen es die anderen Sportarten nach: der Handballbund hat vor ’ner Viertelstunde sein neues „Markenleitbild“ veröffentlicht…. Und während der WM haben seine Amateurmannschaften Spielverbot.

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  2. „Stattdessen wird manches mitunter überanalysiert, von abkippenden Sechsern, falschen Neunern und seit ein paar Wochen auch von schwimmenden Zehnern erzählt. Fehlt nur noch, daß bestimmte Bewegungen auf dem Feld nach ihren vermeintlichen Erfindern benannt werden.“

    Ich musste so lachen … Ich mag deinen Humor, Herr Ballblog. Ich kann mich da nur wiederholen. 😉

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